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Leverkusen
So leben die Flüchtlinge in der Turnhalle

Leverkusen: So leben die Flüchtlinge in der Turnhalle
54 Männer müssen mit der Unterkunft in der Turnhalle Görresstraße Vorlieb nehmen. Zwei Plätze wären noch zu besetzen. Glücklich ist die Stadt über diese Notlösung nicht. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Das erste Turnhallen-Quartier mit 54 Flüchtlingen scheint zu funktionieren. Als Idealfall wird es aber nicht betrachtet. Von Gundhild Tillmanns

In der Turnhalle Görresstraße haben jetzt 54 Männer aus Albanien, dem Kosovo, dem Irak, aus Syrien und Mazedonien Notaufnahme gefunden. In Stockbetten mit jeweils einem Spind sind die Flüchtlinge untergekommen. Duschen und sanitäre Anlagen nutzen sie und drei Flüchtlingsfamilien, die in einem Nebenraum der Mensa untergekommen sind, gemeinsam. Vollverpflegung gibt es für alle in der Mensa, wo auch ein Fernseher aufgehängt worden ist. Ein Kickerspiel verheißt: "Football is Life" - Szenen aus dem Flüchtlingsleben.

Caritas und Stadt Leverkusen sehen in dieser ersten notwendig gewordenen Flüchtlings-Unterbringung in einer Schulturnhalle aber nur eine vorübergehende Lösung: "Grundsätzlich entspricht es nicht den Ideal- und Zielvorstellungen der Stadt Leverkusen, Flüchtlinge in Turnhallen unterzubringen. Die Verwaltung arbeitet intensiv daran, Flüchtlinge in Wohnungen zu vermitteln", betonte gestern Sozialdezernent Markus Märtens bei einem von der Stadt organisierten Pressetermin in der Schule Görresstraße, bei dem die Flüchtlinge selbst aber abgeschirmt wurden.

Fast alle Stockbetten sind in der Turnhalle Görresstraße mit männlichen Flüchtlingen belegt. FOTO: Miserius, Uwe (umi)

Märtens freut sich aber, dass sowohl die Bereitschaft der Leverkusener, sich ehrenamtlich um Flüchtlinge zu kümmern, als auch das Angebot an privatem Wohnraum sehr beachtlich seien. Mehr als 90 Flüchtlings-Unterbringungen auf dem freien Wohnungsmarkt seien bereits geglückt. Weitere 60 Standorte würden noch geprüft, sagte Märtens. Zunächst wird allerdings eine weitere Turnhalle, wie berichtet die an der Wuppertalstraße in Bergisch Neukirchen, für Flüchtlinge als Sammelunterkunft genutzt werden. Sie soll am 24. April bezogen werden. Die Caritas Leverkusen betreut mit ihrer Flüchtlingshilfe alle Unterkünfte. Und seit 1. April hat eine neue Kraft bei der Caritas ihren Dienst aufgenommen, die sich ausschließlich um die Koordinierung der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe kümmern soll. Denn Caritas und Stadt Leverkusen wurden von einer Welle der Hilfsbereitschaft positiv überflutet. Deshalb hat die Stadt alle, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, für den 21. April, ab 18 Uhr, in den Ratssaal eingeladen. Dort sollen die Möglichkeiten aufgezeigt werden, wo und wie Freiwillige helfen können. Der gute Geist in der Unterkunft Görresstraße ist Karl-Heinz Caspers von der Caritas, der die Menschen dort sozial betreut. Glück hat er, dass der Mensa-Koch und zwei der Wachleute selbst aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen und deshalb für den Großteil der dort untergebrachten Flüchtlinge, die aus Albanien und dem den Kosovo stammen, Übersetzungshilfe leisten können. Der 24-Stunden-Wachdienst ist Teil des städtischen Flüchtlingskonzeptes. Einschreiten habe er aber bisher nicht müssen, betont Caspar, der auch einen gut besuchten Deutsch-Kursus und vor allem die dringend benötigte medizinische Versorgung der Flüchtlinge organisiert hat. Denn viele kamen krank und erschöpft in Deutschland an. Nun hofft die Caritas auf eine von ihr beantragte Sonderreglung, die Flüchtlingen auch das Arbeiten erlaubt.

Quelle: RP
 
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