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Leverkusen
"Software aus Bürrig - nicht aus dem Silicon Valley"

Leverkusen. Ein launiger, zart langer Wirtschaftsempfang brachte Neuerungen und einen starken Appell des Preisträgers an die Unternehmer der Stadt. Von Ludmilla Hauser

Sebastian Hempfling, bewährter Moderator des Jahresempfangs der Wirtschaftsförderung, muss seit Montagabend zart um seinen Job fürchten. Denn ein Mann aus dem aktuellen Unternehmenspreisträger-Quartett der Firma AGU aus Bürrig hat durchaus Talent für die Bühne. Harry Voges, der auch im Namen seiner Geschäftsführerkollegen sprach, erwies sich als eloquent und locker, wandte sich hierhin und dorthin, um den rund um die Bühne sitzenden 350 Gästen auch mal sein Antlitz und nicht nur die Kehrseite zu zeigen, und spickte die Rede nicht nur mit Dank.

Sondern mit Selbstbewusstsein bei der Vorstellung seiner Firma und mit Appellen an die Unternehmerkollegen. "Wir vier machen das seit 25 Jahren und müssen es, Gott sei Dank, noch ein paar Jahre. Wir sind nämlich so ein paar Arbeitsverrückte." Die haben sich unter andrem ein Standbein beim Thema Softwareentwicklung aufgebaut. Voges hatte die anerkennenden Lacher auf seiner Seite, als er formulierte: "(Unsere) Software kommt aus Bürrig - nicht aus dem Silicon Valley, obwohl unsere Software durchaus daher kommen könnte."

Vielleicht einen Hauch zu detailreich, aber informativ und unterhaltsam sprach er über das, was seine Firma tut, über die Herausforderungen für die Wirtschaft, über Digitalisierung und über Ausbildung: "Der Ansatz, wenn Du nicht Bachelor bist, brauchst Du gar nicht erst anzufangen, ist falsch. Mancher Hochschulabsolvent weiß nicht mal, wie er eine Schraube reindrehen soll. Wir brauchen nicht nur Abiturienten. Aber fürs Abitur sollten wir uns wieder 13 Jahre Zeit lassen." Und er sprach über das Potenzial, dass in Leverkusen steckt: "Hier gibt es eine wahnsinnige Ballung an Know-how. Wir könnten hier Maßstäbe setzen, wenn wir als Unternehmen zusammenrücken."

Ein schönes Schlosswort eines insgesamt gelungenen, eben leicht zu langen Abends, den die Wirtschaftsförderung mit netten Neuerungen garniert hat. Der Preis, den Voges entgegennahm, stammt dieses Mal vom Leverkusener Künstler Eberhard Foest. Er hat eine Echtgoldblatt-Silhouette in 13 Glasscheiben eingelegt - "für jeden Stadtteil eine Scheibe".

Neu war auch Co-Moderatorin Carmen Schmalfeldt, die im Publikum Kurz-Interviews zu verschiedenen Wirtschaftsthemen führte. Zu jedem gab es eine Frage an die Gäste, die in Teams aufgeteilt und mit schneller Hand an den Buzzern um jeweils 125 Euro pro Frage für acht soziale Projekte spielten. Bei manchen Gast aus Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft weckte das den Kampfgeist: "Da klemmt doch der Buzzer", raunten einige in gespielter Frustration, deren Gruppe bis zum Schluss nicht zum Zuge gekommen war. Nicht schlimm, denn am Ende bekamen auch diejenigen einmalig 125 Euro.

Apropos Geld. Den hübschesten Versprecher des Abends lieferte Oberbürgermeister Uwe Richrath: "Wir haben uns entschieden, im kommenden Jahr keine Gewerbesteuer zu erheben", kündigte er an. Die Unternehmer unter den Gästen jubelten lachend, bis Richrath mit Hilfe von Moderator Sebastian Hempfling korrigierte: "Wir wollen die Gewerbesteuer 2018 nicht anheben."

Quelle: RP
 
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