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Postskriptum Diese Woche In Unserer Stadt
Soll ich nach einem Einbruch überhaupt noch die Polizei rufen?

Leverkusen. Der psychische Schaden, den Einbruchsopfer erleiden, ist groß. So nachhaltig, dass die Politiker das Geld für mehr Polizei einfach bewilligen müssen. Eine persönliche Betrachtung der Lage.

Die schockierend niedrige Aufklärungsquote der Polizei Köln/Leverkusen von rund 6,6 Prozent zu Einbrüchen in Leverkusen sorgte gestern in unserer Leverkusener Redaktionskonferenz für eine heiße Diskussion. Wieder einmal.

Eine Kollegin sagte, sie schreibe schon seit Jahren über diese schlechten Fahndungsergebnisse, und staunte, warum mich das noch so aufregt. Die Quote sei doch bekannt. So sei das eben in Nordrhein-Westfalen. Aha?!

Ein anderer Kollege hielt mir einen langen Vortrag über das Entstehen von Statistiken im Allgemeinen und im Besonderen. Als Beispiel erzählte der Kollege über Fahndungsergebnisse, die etwa die Polizei im Rheinisch-Bergischen Bereich bei der Ermittlung einer Einbrecherbande gemacht hat. Und dass dieser Erfolg den Polizisten im Rheinisch-Bergischen - statistisch gesehen - nichts brachte, weil die Taten in den Nachbarstädten passiert waren und dort verbucht wurden.

Beide Kollegen machten mir also klar, dass die Kölner Fahndungsergebnisse ziemlich normal für unsere Stadt seien.

Ich habe mir diese Ausführungen und Erklärungen in Ruhe angehört, nachgefragt, kritisiert, obwohl ich innerlich brodelte. Ja, diese Argumente kenne ich, auch die Probleme, mit denen die Polizei bei der Ermittlungsarbeit zu kämpfen hat.

Aber kann ich mich als Bürger damit zufrieden geben?

Nein!

Selbst wenn alle Sondereinflüsse und statistischen Haken herausgerechnet würden und die Polizei für Leverkusen auf eine "bereinigte" Aufklärungsquote von etwa 25 oder 30 Prozent käme, wäre ich immer noch beunruhigt. (In Mettmann lag die Aufklärungsquote für 2015 übrigens bei 17,7 Prozent).

Wenn Kritik an der Aufklärungsquote gar nicht verstummen will, dann schwingen die Polizeiverantwortlichen den ganz großen Hammer: "Die Fälle haben drastisch zugenommen. Die Banden kommen aus Osteuropa", heißt es dann.

Für mich ist dies zwar eine Begründung für die schlechte Situation, aber mehr noch die Aufforderung, die Polizei endlich zu verstärken. In diesem Punkt hat der Kölner Kripo-Gewerkschafter Rüdiger Thust sicher recht, wenn er 200 Polizisten mehr für den Bereich Leverkusen/Köln fordert. Bei aller Quotenbetrachtung sollte der psychische Schaden, den betroffene Menschen erleiden, beachtet werden. Und: Dass sich die Bürger bewaffnen, kann keiner wollen. Als Einbruchsopfer frage ich mich heute doch: Welchen Sinn macht es, die Polizei zu rufen.

Quelle: RP
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