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Leverkusen
Sparkasse zahlt Sparern 0,025 % Zinsen

Leverkusen. Sparkassen-Chef Manfred Herpolsheimer konnte gestern gute Bilanzzahlen vorlegen, monierte die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und deutete an, es könne Filialschließungen geben. Von Ludmilla Hauser

Manfred Herpolsheimer ist ein Mann der Bildsprache: 2015 war das Wetter besser als erwartet, die Sonne hat uns angelacht, aber die dunklen Wolken am Horizont kommen immer näher", formulierte er blumig das, was die Sparkasse derzeit am meisten wurmt: zu viel Regulatorik, die Anforderungen der Digitalisierung und vor allem der Horizont in Richtung Frankfurt. Dort sitzt die Europäische Zentralbank (EZB), und deren anhaltende Niedrigzinspolitik kritisiert der Vorstandschef der Sparkasse Leverkusen ganz gehörig. Die positiven Effekte aus der Politik von EZB-Chef Mario Draghi seien sehr gering, die Zustimmung zu seinem Niedrigzins wird immer weniger. "Ich fasse das so zusammen: Wenn man in die falsche Richtung läuft, wird es nicht besser, wenn man dann noch das Tempo erhöht."

Niedrig-/Negativzins Draghi hat jetzt den Leitzinz komplett auf Null gesetzt. Für Herpolsheimer hat das Symbolcharakter: "Damit will die EZB uns sagen: Der Zins bleibt unten." Und das wohl auch die nächsten Jahre, davon geht Markus Grawe vom Vorstand aus. Damit bleibt auch die Gefahr der Negativzinsen für Sparkassenkunden (Negativzinsen = Zinsen, mit denen ein Guthaben belastet wird. Der Guthabenbesitzer muss diese Zinsen an die Bank abgeben, manche Banken in Deutschland haben Negativzinsen ab einer gewissen Beitragshöhe bereits eingeführt).

"Bei uns ist das jetzt noch kein Thema", versichert Herpolsheimer bei der Vorstellung der Bilanzzahlen 2015. "Wir wollen vermeiden, von den Kunden Negativzinsen zu nehmen. Aber: Ich kann das derzeit vor allem bei den Firmenkunden auf lange Sicht nicht gänzlich ausschließen." Bei der Sparkasse gibt es derzeit auf ein normales Sparbuch noch 0,025 Prozent Zinsen, beim Tagesgeld 0,03 Prozent (verzinst bis 100.000 Euro).

Filialen Auch nicht ausschließen kann Herpolsheimer, dass die Sparkasse einige ihrer 16 Filialen in der Stadt schließt. Konkret mag sich der Vorstandschef nicht äußern: "Wo etwas passieren wird, kann ich noch nicht sagen, das Konzept ist in Arbeit. Es wird keinen Kahlschlag geben. Wir werden in ausreichendem Maße mit Filialen präsent sein, aber unser Vertrieb wird wegen der zunehmenden Digitalisierung auch andere Wege gehen." Im Februar hatte unsere Zeitung berichtet, die Filiale in der Waldsiedlung sei ein potenzieller Schließungskandidat. Herpolsheimer betont: "Steine beraten nicht, ein Gebäude drückt keine Kundennähe aus." Kunden suchen sich offenbar eigene Wege in der Kommunikation mit der Sparkasse.

Die hat errechnet: 192 Mal im Jahr nutzt der durchschnittliche Kunde die App des Instituts, 108 Mal Online-Banking, 24 Mal einen Geldautomaten und einmal besucht er eine Filiale. Zudem: Die Sparkasse prüfe gerade die Einführung der elektronischen Unterschrift.

Bilanzzahlen Der Sparkassenchef ist in Fabulierlaune: "Unsere Ergebnisse sind besser ausgefallen als Anfang 2015 prognostiziert. Ich möchte sagen: Trotz widriger Umstände haben wir solide Zahlen auf leicht ermäßigtem Niveau." In Ziffern heißt das dies: • Bilanzsumme: 3,1 Milliarden Euro (-acht Millionen/0,3 Prozent) • Kundenkreditvolumen: 2,6 Mrd. Euro (+55 Mio./2,6), davon 355 Mio. neue Kredite (Herpolsheimer: "Noch nie gab es eine so hohe Zahl."). Und von denen sind 191 Mio. für private Haushalte zum Erwerb/Bau von Wohneigentum. • Einlagenbestand 2,3 Mrd. Euro (+62 Mio./2,7) • Jahresergebnis 3,1 Mio. • Mitarbeiter 574, davon 55 Auszubildende.

Quelle: RP
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