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Leverkusen
Spielerische Suche nach eigener Identität

Leverkusen. I am what I am - mit dem Musical-Song, den Gloria Gaynor in den 1980er Jahren populär machte, läuft der Abspann über die zerknitterten Leinwände, ganz so wie im Film. Aber die endlose Besetzungsliste deutet schon an, so einfach ist es gar nicht, die eigene Persönlichkeit und Rolle in diesem Leben zu finden. Auf der linken Seite stehen etliche Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts, rechts immer nur zwei Schauspielernamen: Raphaela Kiczka und Emil Schwarz. Von Monika Klein und Olivia Book

Die beiden jungen Darsteller wechseln mit Hilfe diverser Requisiten unentwegt Rollen und damit auch Perspektiven, Einstellungen und sogar die Sprache. Wer bin ich eigentlich wirklich? Bin ich tatsächlich mutig oder wird es nur von mir erwartet? 65 Minuten lang spielen die beiden Figuren ihre Gedanken durch und werfen dabei mehr Fragen auf, als am Ende beantwortet werden. Die Auseinandersetzung nimmt das Publikum als Hausaufgabe mit.

Um Identitätssuche, speziell von Jugendlichen, kreist das Stück "Wer bin ich eigentlich?" des schwedischen Autors Erik Udenberg. Heute Abend hat die deutsche Erstaufführung, eine Produktion von Bayer Kultur, im Erholungshaus Premiere. Marc von Reth inszenierte die deutsche Textfassung mit Raphaela Kiczka und Emil Schwarz, die derzeit auch am Kölner Theater der Keller spielen, das mehrfach Kooperationspartner von Bayer Kultur war. In der neuen Spielzeit wird die Produktion wieder aufgenommen als eines von drei Angeboten speziell für Schulen. Während "Gina Lonka" und "Klamms Krieg" tatsächlich in der Rubrik Klassenzimmerstücke als Aufführung zum Export in die Schulen konzipiert sind, müssen die Jugendlichen für die Aufführungen von "Wer bin ich eigentlich" ins Erholungshaus kommen. Ab September wird im Studio gespielt, wo alle dicht am Geschehen sitzen.

Das ist auch bei der heutigen Premiere der Fall, obwohl die im großen Saal stattfindet. Die Sitzreihen sind derzeit ausgeräumt, für Abifeiern und den Ball zum Saisonbeginn. Die quadratische Bühne steht mitten im Raum, die Zuschauer blicken von vier verschiedenen Seiten darauf. Eine Herausforderung für die beiden Darsteller, die immer wieder die Position ändern müssen, um niemandem zu lange den Rücken zuzukehren. Sie müssen so laut und deutlich sprechen, dass sie auch in abgewandter Position zu verstehen sind. Denn es kommt auf jedes Wort an bei einem Dialogstück wie diesem. Obwohl es kaum Handlung gibt, bleibt es spannend, weil die Inszenierung auf Wechsel der Ausdrucksmittel setzt, weil sie mit (gut gesungener) Live-Musik, mit poetischen, überraschenden, impulsiven und durchaus sportlichen Elementen arbeitet. Wie im kindlichen Rollenspiel erzählt und probiert das Duo die freien Gedanken durch.

Wer bin ich eigentlich?" Es gibt noch wenige Karten für die Jugendstück-Premiere heute um 18 Uhr im Erholungshaus, Nobelstraße 37.

Quelle: RP
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