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Leverkusen
Spitzentanz mit Jonglage-Bällen

Leverkusen: Spitzentanz mit Jonglage-Bällen
Das britische Ensemble "Gandini Juggling" kreierte für sein aktuelles Stück eine neue Kunstform auf der Bühne zwischen klassischem Ballett und faszinierender Jonglage. FOTO: Arnaud Stephenson
Leverkusen. Zu Gast bei KulturStadtLev: Das britische Ensemble Gandini Juggling aus London vermischte im Programm "4x4 Flüchtige Strukturen" Elemente des klassischen Balletts und modernen Tanzes mit Jonglage zu einer neuen Kunstform. Von Monika Klein

Jonglage gehört in die Zirkus-Arena und Tanz auf die Ballettbühne, möchte man meinen. Tatsächlich sind sich die beiden Kunstformen ähnlich, hat Sean Gandini festgestellt. Vor 20 Jahren gründete er in London die Truppe "Gandini Juggling", deren künstlerischer Leiter er bis heute ist. Den Geburtstag der Queen verbrachten die Briten, vier Jongleure und vier Tänzer, auf Einladung von KulturStadtLev in Leverkusen und feierten zusammen mit dem Forum-Publikum am königlichen Jubeltag ein Fest der ästhetischen Bewegung.

Die beherrschen nämlich exzellente Jongleure ebenso wie Tänzer mit einer fundierten Ballettausbildung, die hier beide Disziplinen zu einer neuen vereinten. Musik gab es erst später in diesem Programm "4x4 Flüchtige Strukturen".

Zuerst bildeten ausschließlich die leisen Klacks, die Bälle beim Auftreffen auf den Handflächen verursachen und ein wenig Bodypercussion der Tänzer den rhythmischen Sound für entsprechende Bewegungen. Simultan zu den Bewegungen der beiden Paare auf der Bühne tanzten die kleinen Bälle über den Köpfen ihre eigene Choreografie. Noch eindrucksvoller war der Einsatz von weißen, angestrahlten Jonglage-Keulen, die man wirkungsvoll in den schwarzen Bühnenhimmel schwang oder auf dem Boden bewegte.

So leise und doch so wirkungsvoll, mitunter gesteigert durch Laute und genau platzierte Sprechsilben. Still und poetisch kraftvoll und wirbelnd und immer wieder mit humorvollen Gesten oder witzigen Wortfolgen, die ein hörbares Schmunzeln im Saal auslösten. Die Grenzen zwischen den Berufsgruppen schwanden immer mehr. Die beiden Ballerinen drehten sich auf Spitze und fingen dabei Bälle ab und bezogen Jongleure ebenso in ihre Choreografie mit ein wie die männlichen Ballett-Kollegen.

Immer wieder wurden neue Varianten erfunden, formvollendet, anmutig, elegant und witzig zugleich. Schließlich kamen Ringe als Wurfmaterial und Tanzrequisit ins Spiel, die auch für optische Täuschungen taugen. Am Ende eines Spiels sollte aufgeräumt werden. So ähnlich ging es auch hier auf der Forum-Bühne zu, als alle acht Ensemble-Mitglieder seitwärts eingeworfene Bälle hin und her sortierten, wieder aufgriffen und neu ordneten, so als habe jeder eine andere Ordnung im Sinn. Doch erstaunlicherweise ergaben sich am Ende drei exakte Linien aus gelben, weißen und grünen Bällen, immer im selben rhythmischen Farbmuster abgelegt. Das war jedenfalls ein außergewöhnlicher und perfekter Tanzabend, von der Lichttechnik hervorragend in Szene gesetzt.

Beim nächsten Tanz-Gastspiel im Forum am 12. Mai präsentiert das Ballett Dortmund "Zauberberg" nach Motiven aus dem Roman von Thomas Mann.

Quelle: RP
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