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Leverkusen
Sport, Show, Gesang - Darts wie in England

Leverkusen: Sport, Show, Gesang - Darts wie in England
Spieler-Kult gehört beim Darts dazu: Der holländische Akteur Benito van de Pas, der 2011 die german Open gewann, wird von seinen Fans in der Ostermann-Arena mit Handabklatschen gefeiert. FOTO: Ralph Matzerath
Leverkusen. Erstmals machte die Welt-Tour der Darts-Profis in Leverkusen Station. 2600 Fans feierten ihre Stars. Der Konzentrationssport aus England wird immer populärer.  Von Tobias Brücker

Mit einem Lächeln und den Armen weit von sich gestreckt, steht Peter Wright auf der schwarzen, aber hellerleuchteten Bühne in der Ostermann-Arena. Es riecht nach Bier, die Leute grölen. Und der laut Weltrangliste der Professional Darts Coporation (PDC) momentan drittbeste Darts-Spieler der Welt wird von den rund 2600 Fans gefeiert wie ein Popstar.

Der Konzentrationssport aus England ist auf dem Vormarsch, wird immer beliebter. Auch in Leverkusen ist der achte Halt der zwölfteiligen European Tour ausverkauft. Große Hallen füllen sich mit Besucherzahlen im vierstelliger Höhe. Denn der Sport vereint große Party und lauten Gesängen mit Hauptpersonen auf der Bühne, die es schaffen, sich auch bei ohrenbetäubenden Lärm zu konzentrieren.

Perfekte Würfe

501 Punkte stehen zu Beginn, möglichst schnell müssen diese nun heruntergespielt werden, so dass exakt null herauskommen - Überwerfen ist nicht möglich. Um das schneller als der Gegner zu bewerkstelligen, bringen die Spieler ihre jeweils drei Pfeile in Feldern unter, die nur wenige Millimeter breit und hoch sind.

Peter Wright hat diese Würfe perfektioniert. Doch bevor es losgeht, springt der 47-Jährige mit dem Anmut einer Gazelle auf der Bühne von links nach rechts. Der Gang vor das Dartsboard wird zelebriert wie beim Boxen - nur nicht im kämpferisch Stil. Vielmehr steht gute Laune im Vordergrund. Der Publikumsliebling aus Schottland, dessen Haare in leuchtendem Grün und Gelb gefärbt sind, wird nachher sagen: "Wenn ich mein Outfit anziehe, bin ich ein anderer Mensch."

Und tatsächlich: Vor den Massen ein Showman, lebt er privat zurückgezogen in einer Scheune, weit abseits vom Trubel der Stadt. "Wir haben Glück, dort leben zu können", sagt Wright. Nun bereisen die Beiden die Welt - und kommen in ihrer Scheune zur Ruhe. "Es ist wichtig zur Ruhe zu kommen. Es ist schön ruhig auf dem Land", betont der Paradiesvogel, der alleine auf der European Tour Preisgelder in Höhe von 198.250 Pfund einstrich.

Einen ruhigen Moment existiert in der Halle seit Stunden nicht. Die Fans feiern sich, das Leben und ihre Helden in den weiten Darts-Shirts. Manuel Huber hat sich an einen der Biertische im Innenraum und somit zwischen 2000 buntgekleidete Fans getraut. Vor acht Jahren sah der heute 25-Jährige sein erstes Match im Fernsehen. "Guck dir die Leute an, alle sind geil drauf", sagt er gut gelaunt.

Einige Stunden zuvor: Steffen Siepmann zieht alle Blick auf sich. Er ist einer der wenigen Deutschen im Turnier. Und er absolviert gerade seine Partie gegen den Engländer Stephen Bunting. Einige Minuten hält Siepmann gut mit, dann setzt sich der Favorit von der Insel durch. Der aber wird nun nicht etwa ausgebuht - ganz im Gegenteil. Dass jeder Spieler gefeiert wird, ist eine Eigenart des Darts-Sports.

Bisher hatte das Turnier seine Heimat in Düsseldorf. Der Schritt nach Leverkusen und somit in eine größere Halle ist für Kommentator Elmar Paulke ein nachvollziehbarer Schritt. Die Kapazität habe vergrößert werden müssen. Und er lobt das Leverkusener Publikum ob seiner Lautstärke. "Der Rheinländer singt halt gerne", sagt er lächelnd. Doch wo viele Menschen sind, da können Probleme untereinander auftreten. Auseinandersetzungen gibt es bis in den späten Samstagabend hinein nicht. Grund dafür sind wohl auch die zahlreichen Security-Mitarbeiter, die sehr präsent die feiernde Meute im Blick behalten. Nur vereinzelt müssen Personen ermahnt werden, Gesänge geraten teilweise unter die Gürtellinie. "Damit müssen wir leben", sagt Niclas Junker vom Veranstalter PDC-Europe. Doch steht einer erneuten Feier mit großem Sport, großartiger Stimmung und echt schrägen Charakteren auf der Bühne im kommenden Jahr nichts im Wege.

Schließlich adelte Paradiesvogel und Publikumsliebling Peter Wright die Menschen in der Halle, indem er betonte: "Es ist fast wie in der Premier League, fast wie in England."

Quelle: RP
 
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