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Serie Familienbande
Bergfried verbindet Generationen

Serie Familienbande: Bergfried verbindet Generationen
Mit Bergfried verbandelt: Ralf Künzel und seine Frau Iris (links), Tochter Jenny und Enkel Marlon. FOTO: uwe miserius
Leverkusen. Menschen wie Ralf Künzel, selbst über 40 Jahre Teil des Leverkusener Klubs und mit seiner gesamten Familie eng verbunden mit der Fußball-Abteilung, gibt es einige in diesem Verein. Vom Enkel bis zur Schwiegermutter fühlen sich alle wohl. Von Markus Neukirch

LEVERKUSEN Im Vereinsleben ist es nicht unüblich, dass "Familienbande" geknüpft werden und sich einbringen. Bei den Fußballern des SV Bergfried Leverkusen aber ist dies besonders intensiv. "Es gab früher etwa zehn Familien, die sich hier eingebracht und uns das Image des 'Familienclubs' verliehen haben. Heute sind es weniger, aber es geht nicht weniger familiär zu", erläutert Sportwart Ralf Künzel.

Nicht nur er ist besonders mit dem Verein verbunden. "Mit fünfeinhalb Jahren habe ich hier angefangen, Fußball zu spielen, war dann mal für zehn Jahre weg. Aber als mein Sohn Sascha spielen wollte, sind wir zurückgekommen", sagt er rückblickend. Über 40 Jahre ist Künzel Teil des Vereins und trainierte so ziemlich alle Altersklassen im Juniorenfußball und auch die Senioren während dieser Zeit. "Nur die B-Jugend habe ich nie trainiert."

Seine Schwiegermutter Karin Hielscher steht wie auch Maria Schröter, Sonja Möller und Astrid Napoli trotz ihres rüstigen Alters noch gerne im Vereinsheim und bedient dort. Enkelin Nicole tut es ihr nach. Karins Sohn Dirk Hielscher - Ex-Profi von Bayer 04, der es auf 20 Bundesligaspiele und ein Tor brachte - kickt noch ab und an in der zweiten Mannschaft, obwohl er eigentlich mit knapp 53 Jahren nicht mehr möchte. "Wenn Not am Mann ist, dann geht es eben nicht anders", sagt der Routinier, der zusammen mit seinem Bruder Marc derzeit die B-Junioren des SV Schlebusch in der Mittelrheinliga coacht, aber noch oft am Höfer Weg anzutreffen ist.

Verheiratet ist Ralf Künzel mit der Schwester der beiden Hielschers, Iris hat zwar keine offizielle Funktion im Verein, aber spätestens zum großen traditionellen Osterturnier ist auch sie mit eingebunden - wie so ziemlich alle Bergfrieder um den Jugendleiter Andreas Zahn: angefangen von den Platzwarten über die Eltern, die Gastkinder bei sich aufnehmen und für die Verköstigung sorgen, bis hin zu den A-Junioren, die die Getränkevorräte nachts bewachen, weil es einmal zu einem Diebstahl kam, sowie den Trainern, Betreuern und Spielern. "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir mal über Ostern Urlaub gemacht haben", sagt Künzel und spricht für die vielen fleißigen Helfer, die das Turnier in dieser Form ermöglichen.

Für den Nachwuchs sorgen die Künzels auch selbst: Enkel Milan ist mit zwei Jahren zwar noch zu jung, um aktiv zu spielen, auf der Platzanlage aber wirbelt der Kleine mit seinen Freunden Finn, Lena, Ben, Jonas und Marie Christin oft herum - natürlich muss ein Ball im Spiel sein. Sascha Künzel hat es zwar zum Bezirksligisten SV Schlebusch verschlagen, eine Rückkehr des 24-Jährigen, der über Jahre auch die C-Junioren des Vereins betreute, ist aber nicht ausgeschlossen.

Man bleibt irgendwie immer dabei, wie auch Adolf Schlickwei, der sich große Verdienste um den Verein erworben hat. Nicht nur in den knapp 30 Jahren, die er Jugendleiter war. Sein Sohn Klaus ist aktuell Geschäftsführer im Seniorenfußball - Sportlicher Leiter könnte auf der Visitenkarte stehen. Und beim SVB wird man auch nie vergessen: Ende September wurden zwei langjährige Spieler verabschiedet: Daniel Thiel, der wegen seiner grauen Haare, die schon weit vor 30 auftraten, "Opi" gerufen wird, und Jan Röder haben ihre Fußballschuhe (vorerst) an den Nagel gehängt. Vom Team bekamen sie T-Shirts mit "Danke" auf der Brust und besonderen Rückennummern. Thiel, der seinen Doktor in Chemie gemacht hat, bekam die 23 für eben diese Anzahl Jahre im Verein. Röder, der für seine "linke Klebe" gefürchtet war, sogar die 24. "Ich kann mit richtig gutem Gewissen jedem empfehlen, hier zu kicken", sagt Künzel voller Stolz und spricht damit für eine überaus gut funktionierende Fußballabteilung - von Junioren bis Senioren.

Diese besteht natürlich aus noch weiteren Familienbanden, deren Aufzählung beileibe keine Vollständigkeit darstellt: Thorsten Schmick spielt in der ersten Mannschaft, seine Mutter Birgit Sonneborn-Schmick ist Jugendgeschäftsführerin und stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Gesamtvereins. Der Trainer der Ersten, André Fanroth, hat seinen Bruder Marc vor der Saison ins Team geholt. Bei den Frauen spielen in Claire und Helen Alfes sowie Debora und Tabea Plum gleich zwei Schwesternpaare.

"Von Außen betrachtet sieht das bestimmt schwierig aus, hier reinzukommen", betont Künzel. "Aber das ist es ganz und gar nicht."

Quelle: RP
 
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