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Die Englische Woche und ihre Folgen

Augsburg. Zwei Niederlagen, ein Remis, 5:10-Tore, ein Abrutschen auf Platz acht und die dadurch entstandene Gefahr, sogar die Qualifikation für die Europa League zu verpassen - so lautet das Fazit der Woche ohne Trainer Roger Schmidt auf der Bank. Von Stefanie Sandmeier

Roger Schmidt sprach gestern von einer "Ausnahmesituation", in der sich Bayer 04 in den vergangenen Tagen befunden habe. Nun war der Trainer der Leverkusener mit seinem provozierten Spielabbruch gegen Borussia Dortmund, der eine Sperre für ihn nach sich zog, daran nicht ganz unschuldig. Umso mehr freut sich der 48-Jährige, dieses Kapitel wieder hinter sich lassen zu können. "Hinter einer Glasscheibe sitzen und keinen Einfluss nehmen zu können - ich habe mich in der Rolle als Beobachter nicht wohl gefühlt", entgegnete er.

Schmidt hat seine Strafe von drei Spielen Innenraumverbot verbüßt, am Donnerstag im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League beim FC Villarreal wird er auf die Bank zurückkehren. Unbeschadet wird er dies aber nicht tun. Vielmehr muss Schmidt den sportlichen Schaden, der während und durch seine Abwesenheit in der zurückliegenden Englischen Woche entstanden ist, begrenzen und wieder gutmachen. Die Zahlen und Fakten der vergangenen drei Partien weisen eine ernüchternde Bilanz auf.

Abschneiden: Als Tabellenvierter ging Bayer 04 in diese Englische Woche (ein Punkt hinter Hertha BSC auf Platz drei). Zwei Niederlagen, ein Unentschieden und acht Verletzte später liegt die Werkself auf Rang acht - mit inzwischen sechs Zählern Rückstand auf den Dritten Berlin. Das trübte die Stimmung gewaltig und ließ Kritik aufkommen am talentierten Kader und seinem innovativen Trainer, weil die Minimalziele der Saison in Gefahr geraten sind. Auf Rang acht würde Bayer derzeit in der nächsten Saison nicht einmal Europa League spielen und dürfte sich schwer tun, Spieler wie Chicharito zu halten.

Am Donnerstag geht es darum, sich im laufenden Wettbewerb eine gute Ausgangsposition für das Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Villarreal zu erspielen. "Der Punkt in Augsburg und wie er zustande kam, geben uns dafür positive Energie", glaubt Karim Bellarabi.

Statistik: Alarmierend ist bei der Bilanz dieser drei Partien das Torverhältnis von 5:10-Toren. Gegen Mainz setzte es drei, gegen Bremen zu Hause gar vier und in Augsburg ebenfalls drei Gegentreffer. Zweimal gelang den gegnerischen Stürmern dabei ein Hattrick. Das spricht nicht für die Abwehr, der man allerdings zugestehen muss, dass ihr mit Ömer Toprak, Kyriakos Papadopoulos und Jonathan Tah nacheinander gleich drei Innenverteidiger wegbrachen.

Dazu kommt die Tatsache, dass nur zwei der fünf eigenen Treffer aus dem Spiel heraus fielen. Zwei waren Eigentore der Gegner, eines ein Handelfmeter. Für eine Leverkusener Offensive, die trotz aller Verletzungssorgen noch gestandene Spieler aufbieten konnte, ist das ebenfalls keine gute Quote.

Positiv war indes der letzte Eindruck, den die Mannschaft nach dem Ablauf dieser Woche hinterließ. Da leuchtete schließlich noch ein 3:3 auf der Anzeigentafel, das beim Stande von 0:3 wohl nur noch die größten Optimisten für möglich gehalten hätten. Hakan Calhanoglu sicherte das 3:3 mit einem verwandelten Strafstoß in der Nachspielzeit. "Die Mannschaft hat eine überragende Moral gezeigt. Die Mentalität, die ihr in der letzten Zeit abgesprochen wurde, hat sie heute an den Tag gelegt", lobte Interimschef Markus Krösche sein enorm ersatzgeschwächtes Team, das zuvor in der Bundesliga drei Niederlagen in Serie kassiert hatte.

In der zweiten Hälfte habe Leverkusen eine "überragende Willensleistung" gezeigt.

Christoph Kramer sprach von einem Sieg der Mannschaftsmoral. Diese verhalf dann doch noch zu einem positiven Eintrag in die Vereinsstatistik: Nie zuvor gelang es, einen Drei-Tore-Rückstand in der Bundesliga aufzuholen. Dass dies gegen eine keineswegs überzeugende Augsburger Mannschaft gelang, sollte nicht verschwiegen werden.

Rückstände: Bayer tut sich offenbar schwer, ein Spiel von Beginn an auch durch Torerfolge an sich zu reißen. In Augsburg ging die Werkself wettbewerbsübergreifend zum bereits 22 Mal in dieser Saison mit 0:1 in Rückstand. Um Spiele zu gewinnen, ist das denkbar ungünstig. Zumal es den Leverkusenern danach nur vier Mal gelang, den Rückstand noch in einen Sieg umzuwandeln (sechsmal unentschieden).

Standardtore: Die abgelaufene Woche verging nicht, ohne dass die Leverkusener weitere Gegentore nach ruhendem Ball kassierten. Die Schwäche beim Verteidigen von Standards zieht sich bereits durch die gesamte Spielzeit. Allein gegen Bremen waren es die Treffer 16, 17 und 18, denen überdies ein völliger Einbruch der Mannschaft einherging.

Verletzte: Bayer hat das Verletzungspech hart getroffen. Im Laufe der Woche erhöhte sich die Zahl der Ausfälle auf insgesamt acht. Dazu fehlte Chicharito gelbgesperrt in Augsburg. Die Hoffnung ist groß, dass nach der Rückkehr von Roger Schmidt auf die Bank auch in Bezug auf das Spielerpersonal schnellstens wieder Normalität einkehrt. Tah wird in Spanien aller Voraussicht wieder spielen können. Toprak, Papadopoulos und Chicharito trainierten gestern individuell.

Schmidt hofft, dass sich das Lazarett nach der Länderspielpause um Ostern weiter gelichtet hat. Im Saisonendspurt wird es auf jeden Einzelnen ankommen.

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Quelle: RP
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