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Lokalsport
Drama ohne Happy End

Lokalsport: Drama ohne Happy End
Am Boden: Nach seinem verworfenen Siebenmeter sackt Kevin-Christopher Brüren (rechts) zusammen. FOTO: Uwe Miserius
Leichlingen. Die Leichlinger verloren 35:36 gegen den VfL Fredenbeck. Kevin-Christopher Brüren wird zur tragischen Figur. Von Moritz Löhr

Dieses Bild dürfte niemand auf Seiten des Handball-Drittligisten Leichlinger TV so schnell vergessen: Kevin-Christopher Brüren sackt zusammen, um ihn herum explodieren die Gefühle der aufs Feld gelaufenen Fans des VfL Fredenbeck. Sie feiern, weil der junge Leichlinger Spieler bei bereits abgelaufener Uhr den entscheidenden Siebenmeter verworfen und der LTV die Partie damit verloren hatte.

Beim Tabellenführer gibt es kein Halten mehr, die Enttäuschung der Leichlinger ist nach einem wahren Handballfest, aber der damit verbundenen 35:36 (16:17)-Niederlage natürlich umso größer. "Ein Spiel auf diese Art und Weise zu verlieren, tut doppelt weh", sagte Leichlingens Trainer-Manager Frank Lorenzet kurze Zeit später enttäuscht.

Wenn die bittere Pleite ein Gesicht hatte, dann das von Brüren. Der 22-Jährige ging nach seinem Wechsel zum TSV Bayer Dormagen (der LTV hat ein Zweitspielrecht) besonders motiviert in das Heimspiel und wurde schließlich zur tragischen Figur. Besonders in den ersten Minuten haderte die Leichlinger Waffe aus dem Rückraum noch mit sich selbst, traf nur selten und wurde nach wenigen Minuten von Coach Lorenzet auch durch David Kreckler ersetzt. Im zweiten Abschnitt hingegen war Brüren dann die Leichlinger Lebensversicherung. Seine konstanten Treffer hielten die Gastgeber im Spiel - bis zur letzten Minute, als er nach der Siebenmeterentscheidung dem etatmäßigen Schützen Tim Hilger den Ball aus der Hand nahm, selbst antrat - und scheiterte.

Die Szenen am Ende der Begegnung waren allerdings nur die Spitze des Eisberges. Die mit 250 Zuschauer spärlich gefüllte, aber sehr stimmungsvolle Halle sah ein echtes Spektakel. Angefangen mit einer Leichlinger Dominanz in den ersten Minuten, in denen der LTV sogar auf 4:1 (5.) davonzog. Eine schludrige Chancenverwertung verhinderte in der Folge, dass die Gastgeber den Vorsprung hielten. Fredenbeck kam wieder heran. Von da an entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit bester Unterhaltung. Allein die insgesamt 71 erzielten Treffer lassen grob vermuten, wie sehr es an diesem Abend rauf und runter ging.

"Es war ein Spiel auf Messers Schneide", fand auch Gäste-Coach Andreas Ott, der nach der Partie ebenfalls betonte: "Wenn Leichlingen hier mit einem Treffer gewinnt, dürfen wir uns auch nicht beschweren." Lorenzet war ähnlicher Ansicht. "Die Partie war irrsinnig schnell. Wir hätten beide gewinnen können."

Die hitzig geführte Partie schien zu keinem Zeitpunkt in die Richtung eines Teams zu kippen. Auch nicht, als die Schiedsrichter Fredenbecks Zdenek Polásek mit Rot vom Feld stellten und auch nicht, als die Leichlinger in Unterzahl mehrfach glänzend im Spiel blieben und dem Gegner zur Verzweiflung brachten. "Unsere Überzahlsituationen haben wir katastrophal ausgespielt", sagte Fredenbeck Trainer Ott, der am Ende aber das Lachen auf seiner Seite hatte.

In einer Sache waren sich Lorenzet und er einig: Die Stimmung in der Halle war herausragend, die Zuschauerzahl aber katastrophal. "Dass wir bei so einem Topspiel vor einer Geisterkulisse spielen müssen, ist mir ein absolutes Rätsel", sagte Lorenzet verständnislos.

Die zu Hause gebliebenen Zuschauer hätten eine starke Leichlinger Leistung gesehen, die jedoch nicht belohnt wurde.

LTV: Vukas, Bungart - Reuland, Lange, Hilger (4/2), Hansen (6), Novickis (6), Lajnef (4), Padeken (2), Brüren (7), Kreckler (6), Kirfel.

Quelle: RP
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