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Lokalsport
Drei neue Weltrekorde und ein Ticket für Rio

Leverkusen. Heinrich Popow, Birgit Kober sowie Timor Huseni sorgten beim Integrativen Sportfest für Aufsehen - und Mateusz Przybylko sprang Olympia-Norm. Von Bastian Quednau

Beim Integrativen Sportfest auf der Fritz-Jacobi-Sportanlage in Manfort zeigten viele Leichtathleten starke Leistungen. Das Besondere an der Veranstaltung ist, dass sowohl Sportler mit als auch ohne Behinderung gegeneinander antreten. Wer nun aber glaubt, dass es sich um einen lockeren Wettbewerb handelt, der irrt: Die Wettkämpfe werden genauso ernst genommen, wie alle anderen. Schließlich geht es für viele um Rekorde und um Tickets für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Rio.

Mehr als 150 Athleten, unter anderem aus Großbritannien, Südafrika und Italien, hatten sich angemeldet. Vor allem die Sportler des TSV Bayer sorgten für mehrere Höhepunkte. Insgesamt drei neu aufgestellte Weltrekorde konnten die Akteure des TSV am Ende für sich verbuchen.

Den Anfang machte Heinrich Popow. Der gebürtige Kasache, dessen Hauptdisziplinen der Sprint über 100 und 200 Meter, sowie der Weitsprung sind, legte bereits im ersten Sprung eine starke Weite von 6,41 Metern vor. Im zweiten Versuch sprang er sogar noch weiter: 6,72 Meter standen letztlich für ihn auf der Tafel - Weltrekord! "Ich habe letzte Woche in Dormagen schon einen richtige Satz hingelegt", berichtet der 32-Jährige glücklich.

Über 100 Meter kurz zuvor hätte der TSV-Athlet indes beinahe seinen Weltrekord verloren. Sein ärgster Konkurrent, Richard Whitehead, unterbot die Bestzeit um vier Hundertstel. Allerdings wurde der Lauf wegen zu hohen Rückenwindes nicht offiziell anerkannt. Am Ende war der Brite dennoch zufrieden: "Zuerst möchte ich mich für die tolle Atmosphäre bedanken", sagte er. "Das ist eines der Saison-Highlights. Von jetzt an schaue ich aber nur auf Rio. Mein Ziel ist es, den Erfolg von London 2012 zu wiederholen."

Kurz darauf brach die Kugelstoßerin Birgit Kober ihren eigenen Weltrekord, den sie vor wenigen Tagen erst aufgestellt hatte. Mit 11,52 Metern stieß sie die Tagesbestweite. "Wir hatten heute Top-Bedingungen. Jetzt geht es darum, einen großen Vorsprung rauszuarbeiten." Gleichzeitig war es für die frisch gebackene Europameisterin aber auch ein etwas trauriger Tag. Nach acht Jahren verlässt sie den Leverkusener Verein in Richtung ihrer Heimatstadt München. Dennoch war sie glücklich, dass sie ihren Abschied mit einem Weltrekord feiern konnte.

Ebenfalls eine weltweite Bestmarke setzte Timor Huseni in seiner Startklasse. Der Hochspringer überwand die Latte in einer Höhe von 1,73 Metern. "Es ist super, das bei einer so tollen Atmosphäre zu erreichen. Jetzt werde ich trainieren und trainieren, um irgendwann die 1,80 Meter zu knacken."

Zufrieden zeigte sich auch Jörg Frischmann: "Es gibt wenige Sportfeste dieser Art und dieser Größe mit Moderation und in so einem schönen Stadion. Darüber hinaus haben wir mit über 150 Meldungen in diesen Jahr eine neue Rekordbeteiligung erreicht", berichtet der Geschäftsführer der Behindertensportabteilung des TSV Bayer. "Noch dazu haben wir drei Leverkusener Weltrekorde gesehen. Leider nehmen nicht so viele Zuschauer diesen Wettkampf wahr. Darum werden wir versuchen, im nächsten Jahr ein größeres Publikum hier zu versammeln."

Auf die Frage, wie er auf die Idee zu diesem Sportfest kam, antwortet er: "Schon in den Neunzigerjahren habe ich zusammen mit Nichtbehinderten aus dem Leichtathletikbereich trainiert - und wenn man gemeinsam trainiert, kann man auch gemeinsame Wettkämpfe austragen." Den erfreulichen Schlusspunkt setzte Hochspringer Mateusz Przybylko. Der 24-Jährige schaffte es, die magische Höhe von 2,29 Metern zu überspringen. Das war die Norm für die Olympischen Spiele in Rio. Przybylko, der nun auf eine Nominierung hoffen darf, war dies zuvor verletzungsbedingt nicht gelungen.

Enttäuschend verlief der Wettkampf indes für Alyn Camara, Der Weitspringer verpasste die Olympia-Norm. Zwei Tage nach seinem Qualifikations-Aus bei den Europameisterschaften in Amsterdam sprang er 7,87 Meter. Die Norm liegt bei 8,15 Metern. Camara wollte diese gestern in Oberteuringen noch einmal in Angriff nehmen. Im Sprint der Frauen überzeugten Vanessa Low und Irmgard Bensusan mit Saisonbestleistungen von 15,85 beziehungsweise 13,30 Sekunden. Mit 27,14 Sekunden über 200 Meter bestätigte Bensusan ihre gute Verfassung. Leon Schäfer verbesserte sich im Weitsprung auf 5,71 Meter. Bei den Frauen glänzte die Italienerin Martina Caironi (4,62). Vanessa Low verletzungsbedingt konnte den Wettbewerb nicht beenden. Im Staffelwettbewerb unterbot die 4 x 100-Meter-Staffel der U18 deutlich die Norm für die Deutschen Meisterschaften (44,13 Sekunden). Die Leverkusener Europameister Markus Rehm, David Behre, Felix Streng und Johannes FLoors verpatzten beim letzten Wechsel und blieben ohne Zeit.

"Das Sportfest war die beste Werbung für unsere Philosophie der gemeinsamen Wettkämpfe", meint Frischmann. Auch die Bedingungen seien sehr gut gewesen. "Wenn dann auch noch drei Weltrekorde von den eigenen Athleten erzielt werden, können wir als Veranstalter nur zufrieden sein."

Quelle: RP
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