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Drei starke Frauen für die WM in Polen

Lokalsport: Drei starke Frauen für die WM in Polen
Auf dem Weg zur nächsten Medaille? TSV-Läuferin Konstanze Klosterhalfen geht über 3000 Meter an den Start. FOTO: BIRKENSTOCK (ARCHIV)
Leichlingen/Leverkusen. Heute beginnen die U 20 Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Michelle Döpke, Konstanze Klosterhalfen und Luisa Schaar gehen an den Start. Von Dorian Audersch

An komische Blicke hat sich Michelle Döpke mittlerweile gewöhnt. Es ist nicht neu für die 18-jährige Athletin des Leichlinger TV, dass sie mitunter für Irritationen sorgt. Denn sie betreibt eine Sportart, die viele nicht unbedingt auf Anhieb mit jungen Frauen verbinden: Hammerwurf - und sie ist gut in ihrer Diziplin. Sehr gut. Bei der heute beginnenden Leichtathletik-WM der Altersklasse U 20 in Bydgoszcz (Polen) misst sie sich erstmals in ihrer noch jungen Sportlerkarriere mit der weltweiten Konkurrenz. Bisher war ein Dreiländerkampf mit Italien, Frankreich und Deutschland Anfang des Jahres ihr größtes internationales Turnier.

"Ich freue mich auf die Wettkämpfe", sagt Döpke, die sich für die WM vorgenommen hat, zumindest das Finale zu erreichen. "Wenn ich noch einmal an meine Bestleistung herankomme, ist das drin." Über 60,22 Meter schleuderte sie den Vier-Kilogramm-Hammer bei einem Wettkampf Ende Mai. Es ist bisher ihr persönlicher Rekord. Die Norm für die WM liegt bei 59,50. "Das Training lief zuletzt gut. Vielleicht geht auch noch ein bisschen mehr", meint die Nachwuchsathletin. Sie startet am Donnerstag vormittags in die Wettkämpfe. Übersteht sie die Qualifikation, wäre am Samstag das Finale (17 Uhr).

Ihren Weg zum Hammerwurf beschreibt die angehende Kauffrau für Büromanagement als eher zufällig. In ihrem Heimatverein nahe Mönchengladbach habe sie sich als Kind zunächst im Sprint und dann im Springen versucht. Als sie Hammerwurf ausprobiert, ist sie schnell Feuer und Flamme für die Sportart. "Kraft, Athletik, Spannung - da ist einfach alles drin", sagt Döpke. Ihr Talent zeigt sich ebenso schnell. Erste Erfolge lassen nicht lange auf sich warten.

Für die LTV-Hammerwerferin Michelle Döpke sind die U20-Weltmeisterschaften in Polen ihr erstes großes Turnier. FOTO: Birkenstock, Wolfgang

2010 wechselt sie mit zum Leichlinger TV - vor allem wegen Kurt Benner. Das Trainer-Urgestein ist im Hammerwurf und im Rasenkraftsport insgesamt eine Koryphäe. "Er hat unfassbar viel Erfahrung", meint die Athletin über ihren mittlerweile 81-jährigen Trainer. "Vor allem im Bereich der Technik habe ich sehr viel von ihm gelernt." Das individuelle Training gefalle ihr besonders. "Ich bin weder die größte, noch die kräftigste Hammerwerferin, aber Technik kann die fehlende Kraft ausgleichen." Döpke weckt auch bei anderen Vereinen Begehrlichkeiten, doch so lange sie mit Benner trainieren kann, will sie beim Leichlinger TV bleiben. "Das ist für meine Entwicklung am besten", ist sie überzeugt.

Eine imposante Entwicklung hat auch Konstanze Klosterhalfen vom TSV Bayer hinter sich. Die Mittelstreckenläuferin ist in diesem Jahr bisher von Rekord zu Rekord geeilt. In Polen geht sie über 3000 Meter an den Start - und eventuell auch über 1500 Meter. Die von Sebasitan Weiß trainierte Athletin siegte bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig über 3000 Meter. Es war ihr erster Titel in der Aktivenklasse. Ihre Zeit (8:56,36 Minuten) war ein neuer Europarekord. Im Mai schaffte die 19-Jährige die Olympia-Norm über 1500 Meter. Kurz danach lief sie bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel zum Titel - und löste damit ihr Ticket nach Rio.

Über die Sommerspiele am Zuckerhut will sie aber nach eigenem Bekunden noch nicht nachdenken. "Erstmal geht es um Polen, dann um Rio", beschreibt sie ihre Maxime. Die Eindrücke, die nach ihrem kometenhaften Aufstieg in den letzten Monaten auf sie eingeprasselt sind, will sie in positive Energie umwandeln. "Das sind schöne Momente und Erinnerungen. Ich empfinde das nicht als belastend", sagt sie über den Rummel um ihre Person.

Ob es in Polen für den nächsten Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere reicht, kann Klosterhalfen nicht einschätzen. Vor allem die Konkurrentinnen aus Äthiopien und Kenia schätzt sie als sehr stark ein. "Ich werde alles geben und schauen, wo es mich hinführt", sagt die Mittelstreckenläuferin. Wichtig sei dabei, dass sie den Kopf frei habe. Ihr Erfolgsgeheimnis auf der Strecke: "nicht zu viel denken." Für sie ist es wie bei Döpke ebenfalls das erste Mal, dass sie sich in ihrer Sportart mit der weltweiten Konkurrenz misst. "Das ist schon noch mal eine andere Nummer", sagt sie. Auch sie kam über Umwege zum Laufen. Viele Sportarten habe sie ausprobiert, aber am Ende habe ihr Leichtathletik am meisten Spaß gemacht - und dann speziell das Laufen. "Das hat sich so entwickelt", sagt Klosterhalfen. Ein Jahr später wechselt sie 2008 zum TSV Bayer. Seitdem habe sie sich "immer weiter gesteigert", meint die Deutsche Meisterin. Wohin sie ihre Sportlerlaufbahn noch führt, weiß sie nicht - ein Grund, warum sie außerdem noch Sportjournalismus studiert. Klosterhalfen läuft am Mittwoch die 3000 Meter (20.25 Uhr). Über 1500 Meter wären die Vorläufe am Freitag (11.20 Uhr) und das Finale am Sonntag (16.45). Ob sie auch die 1500 Meter laufe, entscheide sie spontan vor Ort, meint die TSV-Athletin.

Ebenfalls in Polen am Start ist außerdem ihre Vereinskollegin Luisa Schaar im Stabhochsprung, die bereits heute um 17 Uhr in der Qualifikation antritt. Die Konkurrenz in dieser Disziplin sei sehr groß, meint Paul-Heinz Wellmann, Geschäftsführer der Leichtathletikabteilung des TSV. "Für Luisa wäre es schon ein schöner Erfolg, wenn sie das Finale erreicht." Bei Konstanze Klosterhalfen sei er "vorsichtig optimistisch", sagt Wellmann: "Ich traue ihr eine ganze Menge zu, aber es ist auch schwer einschätzbar, wie stark die Läuferinnen aus Äthiopien und Kenia sind." So oder so freue er sich auf spannende Wettkämpfe in Polen. Bis Sonntag läuft die WM.

Quelle: RP
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