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Ein Sportlerpaar auf Durchreise im Rheinland

Lokalsport: Ein Sportlerpaar auf Durchreise im Rheinland
Vertauschte Rollen: Eishockey-Spieler John Tripp im BBZ-Jersey seiner Frau Taryn Turnbull, die sein Eishockey-Trikot der Kölner Haie trägt. FOTO: Patrick Scherer
Leverkusen. Taryn Turnbull spielt Zweitliga-Basketball für BBZ Opladen. Ihr Mann John Tripp ist für die Kölner Haie in der Deutschen Eishockey Liga am Puck. Beide wollen hier nicht weg, müssen aber wohl erneut umziehen. Von Patrick Scherer

Verschmitzt guckt Taryn Turnbull ihren Ehemann an. Der wirft einen "Erzähl-bloß-nichts-falsches"-Blick zurück. "Nein, nicht wirklich", antwortet die 36Jährige auf die Frage, ob sie ihren Gatten damit aufzieht, dass er nicht in den Play-offs antreten darf - sie hingegen schon. "Wir haben uns aber erst gestern darüber unterhalten, dass es komisch ist, dass Eishockey derzeit die untergeordnete Rolle in unserem Haus spielt."

Wenn Taryn Turnbull heute mit BBZ Opladen gegen Osnabrück in den Play-offs der 2. Damen-Basketball-Bundesliga antritt, wird John Tripp in der Heisenberghalle stehen und seiner Frau zujubeln. Zeit hat er genug, denn Tripp hat es mit den Kölner Haien verpasst, sich für die Entscheidungsspiele um die Meisterschaft in der Deutschen Eishockey Liga zu qualifizieren.

"Es ist schon das zweite Mal, dass das passiert ist. Naja, wenigstens kann einer von uns beiden noch spielen", sagt Tripp, der es großartig findet, dass die Spielpläne der beiden Sportarten parallel laufen. Es mache im Alltag vieles einfacher. Turnbull und Tripp sind Eltern von Zwillingen. Ben und Helena wurden in der kanadischen Heimat ihrer Eltern von einer Leihmutter geboren. "Aber Deutschland ist ihre wahre Heimat", sagt Taryn Turnbull. Auch deswegen will das Paar eigentlich nicht weg aus Köln. Doch Tripp erhält bei den Haien keinen neuen Vertrag, muss im Sommer gehen. Die vierjährige Helena äußerte zuletzt ihre Weigerung, die Domstadt zu verlassen. "Das wird aber vorbeigehen", sagt Tripp. Er ist es gewohnt, seinen Lebensmittelpunkt ständig zu ändern. Die viereinhalb Jahre in Köln waren die Ausnahme. "Es ist das harte Los als Eishockeyspieler. Du musst dich immer darauf gefasst machen, dass du auch in China oder so landen kannst."

Im Alter von 19 bis 27 Jahren zog er in Nordamerika quasi im Jahrestakt um. Immer an seiner Seite: Taryn. Basketball spielte bei der Standortwahl zwar die zweite Rolle, war aber dennoch immer ein Kriterium. Als beide 2004 nach Deutschland kamen, war Mannheim die erste Station. John spielte für die Adler, Taryn für die TG Sandhausen. 2007 stand Tripp vor der Entscheidung, in Ingolstadt zu bleiben, oder zu wechseln. "Sie hatten mir einen fetten Vertrag vorgelegt, ich hätte viel Geld verdienen können. Aber ich bin dann nach Hamburg gegangen, weil es dort für Taryn die bessere Möglichkeit gab, Basketball zu spielen", sagt der 37-Jährige. Taryn Turnbull spielte daraufhin für die Ladybaskets in Wedel.

Wo es jetzt hingeht, wissen beide nicht. Fest steht: Die Wehmut ist groß. "Wir würden gerne im Rheinland bleiben, es ist toll hier", sagt Taryn Turnbull. Es sei aber keineswegs einfach. Die Job-Alternativen wären große Rivalen der Haie: die Düsseldorfer EG, die Krefeld Pinguine oder im Sauerland die Iserlohn Roosters. Vermutlich geht es daher weiter weg. "Noch weiß ich es nicht. Die Teams spielen ja noch in den Play-offs. Es gab ein paar Gespräche, aber noch nichts Spruchreifes", berichtet Tripp. Eines steht fest: "Wir wollen auf jeden Fall in Deutschland bleiben. Die Kinder sollen hier zur Schule gehen und die Sprache lernen, das ist mir wichtig. Es gibt auch Angebote, zu bleiben, wir wissen nur noch nicht, wo genau."

Basketball spielt bei der Wahl keine Rolle mehr. "Ich bin seit vier Jahren in dem Team, und ich finde es schön, wie es jetzt endet", erläutert Taryn Turnbull. Das liegt auch an BBZ. Wenn die Kanadierin über das Opladener Team und Trainerin Birgit Kunel spricht, merkt man an jedem Wort, wie wohl sie sich in dieser Mannschaft fühlt. Vor allem, dass sie die Zwillinge mit auf Auswärtsfahrten nehmen kann, ist eine große Erleichterung für die Familie. Tripp sagt: "Ich könnte das bei uns nie machen. Aber das Opladener Team ist der Hammer. Sie zeigen Filme für die Kinder im Bus. Es gibt quasi einen Babysitter, der auf die Kinder aufpasst. Fantastisch." Taryn Turnbull nickt zustimmend und ergänzt: "BBZ ist großartig. Die Trainerin ist selbst Mutter, hilft uns, wo sie kann. Ich denke andere Teams sind nicht so verständnisvoll."

Und bei Auswärtsfahrten fällt Taryn Turnbull doch noch ein, dass sie ihren Mann geneckt hat: "Ich habe ihn aufgezogen, dass er nicht zum Auswärtsspiel nach Osnabrück mitgekommen ist, wie viele andere Ehemänner." Vielleicht gibt es die Chance zur Wiedergutmachung: Sollte BBZ heute gewinnen, könnte John Tripp am kommenden Samstag im Bus zusammen mit seinen Zwillingen Kinderfilme gucken.

Quelle: RP
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