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Lokalsport
Ein Sprungbrett in die Weltspitze

Lokalsport: Ein Sprungbrett in die Weltspitze
Filigrane Einlagen und beeindruckende Körperbeherrschung gab es beim 41. Leverkusen-Cup zu sehen. FOTO: miserius
Leverkusen. Beim 41. Leverkusen-Cup starteten acht Mannschaften aus fünf Nationen. Den Wanderpokal sicherte sich diesmal Italien. Das hochwertige Nachwuchsturnier brachte bereits einige Olympiateilnehmer hervor. Von Tobias Brücker

Entspannt steht Candice Lee Cronje neben dem Stufenbarren. Mit zwei Turnerinnen ist die südafrikanische Trainerin rund 13.000 Kilometer in das ferne Rheinland gereist. Der Ruf des Leverkusen-Cups, der am Wochenende bereits zum 41. Mal in den olympischen Disziplinen des Kunstturnens ausgetragen wurde, dringt bisweilen bis in den Süden des schwarzen Kontinents.

So also beobachtet die 26-Jährige, die neben ihrem Trainer-Dasein weiterhin aktiv turnt, die Aufwärmübungen der englischen Mannschaft. Was an diesem Sport so toll sei, sagt sie, sei schwer zu sagen. "Es ist einfach schön anzusehen", erläutert sie kurz. Auf Einladung des Turn-Clubs 72 Leverkusen kam bereits vor vier Jahren ein südafrikanisches Team zum Wettbewerb -schon damals mit Cronje als Verantwortliche. Die schwärmt von den Bedingungen rund um den Cup: "Es ist ein großartiges Turnier."

Dessen ist sich auch Dieter Schulz, Begründer des Wettbewerbs, bewusst. Nahezu nirgendwo, sagt er, fände man derart gute Voraussetzungen. "Ohne die Halle und das Lindner Hotel gebe es die Veranstaltung nicht", betont der 76-Jährige.

Die Bleibe der insgesamt acht Teams, die direkt gegenüber der Ostermann-Arena (ehemals Smidt-Arena) liegt, ist demnach Gold wert. Derart kurze Wege von Unterkunft zu Wettkampfort seien fast einzigartig in der Republik. "Wir gehören zu den großen Turnieren in Deutschland - und von denen gibt es nicht viele", sagt Gabriele Pfeffer, Vorsitzende des Turn-Clubs.

Das sehen die Zuschauer offenbar genauso. Rund 1000 - hauptsächlich junge Mädchen - nutzten die Chance, die akrobatischen Übungen an Stufenbarren, Boden, Schwebebalken und Sprungtisch anzusehen. Während der Übungen ist es totenstill in der Halle. Misslingt eine Übung, klatscht das Publikum aufbauend - egal für welche Nation. Schließlich handelt es sich um Turnerinnen, die mehr oder weniger am Anfang ihrer Karriere stehen. Der Cup ist ein international stark besetztes Nachwuchsturnier. "Der Wettkampf ist eine Chance für die Mädchen, die dann nach ein bis zwei Jahren in Weltfinals turnen", erklärt Pfeffer. Als aktuellstes Beispiel nennt die 50-Jährige Elisabeth Seitz. Die Jugendliche gastierte noch im vergangenen Jahr in Leverkusen, ehe sie in diesem Sommer bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro an den Start ging.

Eine ähnliche Zielsetzung verfolgt auch Cronje mit ihrer südafrikanischen Auswahl. "Ziel ist, dass die Mädchen in den nächsten zwei Jahren an den Weltmeisterschaften teilnehmen können", erzählt sie. Das gilt auch für den englischen Tross, der gleich mit zwei Mannschaften und insgesamt sechs Athletinnen anreiste. "Einige der Mädchen haben bereits Stipendien in den USA, andere werden von Jamaika abgeworben", sagt Trainerin Michelle Guiseris. Die Verbliebenen will sie dennoch auf die ganz große Bühne bringen.

Den Cup gewannen allerdings weder Südafrika, noch England. In der Gesamtwertung setze sich letztlich Italien mit 102,15 Punkten vor Team 2 aus England (99,85) und der ersten von insgesamt drei deutschen Auswahl-Mannschaften (97,35) durch.

In der Einzelwertung konnte die Niederländerin Tisha Vollemann mit 52,55 Zählern ihren Titel aus dem Vorjahr verteidigen.

Quelle: RP
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