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Paralympics
Feuer und Flamme

Paralympics: Feuer und Flamme
Daumen hoch: Irmgard Bensusan freut sich auf ihre Starts in Rio. FOTO: TSV
Leverkusen. Jörg Frischmann spricht von einem 18-köpfigen "Jahrhundert-Team", das der TSV Bayer zu den Paralympics entsende - und das für einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte sorgen könne. Von Stefanie B.-Sandmeier

Leverkusen Seinen Koffer hatte Heinrich Popow schon Tage vor der Reise gepackt. Der Leichtathlet des TSV Bayer konnte den Abflug nach Brasilien kaum erwarten. Seit Donnerstag ist er nun in Rio de Janeiro, wo morgen die Paralympics, die Spiele der Behindertensportler, eröffnet werden. Popow ist vor seiner vierten Teilnahme so aufgeregt wie bei seiner ersten. "Ich freue mich tierisch", sagt der 33-Jährige. Nichts überließ er in seiner Vorbereitung dem Zufall. Jede Schraube seiner Prothese, jedes Scharnier wurde mehrfach überprüft.

Nach einem von Verletzungen geplagten Jahr 2014 und der WM-Absage 2015 will er es sich in Rio noch einmal beweisen. Im Weitsprung geht er als Weltrekordler an den Start (6,77 Meter), über die 100 Meter als Titelverteidiger. Ob es bei seinen womöglich letzten Spielen erneut zum großen Coup reicht? "Ich hoffe es", entgegnet Popow. "Mir ist am allerwichtigsten, dass ich den Wettkampf beende und sagen kann: Ich habe mein Bestes gegeben."

Hannes Schürmann profitierte vom Rückzug Sebastian Iwanows. FOTO: hertgen

Mit insgesamt 27 internationalen Medaillen hat er ohnehin alles erreicht. Beweisen muss er nichts mehr. Neben ihm ist der TSV Bayer mit 17 weitere Athleten in Südamerika vertreten. Damit stellen die Leverkusener einmal mehr das größte Kontingent im deutschen Team.

In der Leichtathletik sind zehn Sportler am Start - die meisten mit guten Medaillenchancen. Neben Popow sind das im Sprint in ihren jeweiligen Startklassen Felix Streng, Vanessa Low und Irmgard Bensusan. Für Nachwuchsmann Léon Schäfer, der als Nachrücker von der Suspendierung der Russen profitierte, wäre die Finalteilnahme ein Erfolg. Über 200 Meter gehen David Behre, Johannes Floors und Bensusan aussichtsreich ins Rennen.

Lukas Schiwy (links) und Stefan Hähnlein sind zwei der sechs Leverkusener, die mit dem deutschen Sitzvolleyball-Team den Sprung ins Halbfinale anstreben. FOTO: miserius

Über 400 Meter sind Prognosen kaum möglich. Während der Saison explodierten dort die Leistungen der Athleten. David Behre und Johannes Floors gehören nach ihren starken Auftritten bei der WM in Doha und einer guten Saison sicher zum Favoritenkreis. Bensusan - die als Nummer zwei der Welt antritt - hofft bei den Frauen auf eine neue Bestleistung.

Das "Herzstück" wie es Jörg Frischmann, Geschäftsführer der Behindertensportabteilung, nennt, ist die 4 x 100-Meter-Staffel. Mit Behre, Streng, Floors und Markus Rehm kommen alle vier Läufer aus Leverkusen. Nach den Titelgewinnen bei der WM in Doha und der EM in Grosseto gehört das Quartett von Trainer Karl-Heinz Düe auch in Rio zu den Favoriten hinter den USA. Frischmann schwärmt vom "herausragenden Teamgedanken, den diese Staffel versprüht. Wenn die Jungs laufen, fiebert die gesamte Mannschaft mit. Ich würde es Karl-Heinz Düe wahnsinnig gönnen, dass er auch eine olympische Medaille mit dieser Truppe gewinnt".

Zur Goldgrube könnte aus Leverkusener Sicht die Weitsprunganlage werden. Neben Popow sind mit Vanessa Low und Markus Rehm drei Weltrekordler und zugleich Weltranglistenerste am Start.

Bei den Unterschenkelamputierten liegt Felix Streng in der Weltrangliste auf Platz drei. Sollte ihm ein Sprung über sieben Meter gelingen, ist eine Medaille möglich.

Die wünscht sich auch Franziska Liebhardt. Noch besser stehen ihre Chancen aber im Kugelstoßen, wo sie wie Birgit Kober (die in neuer Klasse startet) als Weltrekordlerin und Weltranglistenerste antritt.

Im Schwimmen ist die Situation für die TSV-Starter Tobias Pollap und Hannes Schürmann ungleich schwieriger. Pollap startet in vier Wettbewerben - über 50 und 100 Meter Freistil sowie über 200 Meter Lagen hofft er auf das Finale. Nachwuchs-Athlet Schürmann, der vom Rückzug des verletzten Leverkuseners Sebastian Iwanow profitiert, will nach einer eher durchwachsenen Saison mit neuen Bestleistungen überzeugen.

Im Sitzvolleyball strebt das deutsche Team mit gleich sechs TSV-Spielern den Sprung ins Halbfinale an. Bereits die erste Partie gegen die Ägypter könnte dem Team von Bundestrainer Rudi Sonnenbichler den Weg dorthin ebnen.

Ein Medaillenziel seitens des TSV gibt es nicht. "Jeder für sich hat sehr gut trainiert. Wichtig ist, dass alle gesund bleiben, dann kommt der Rest von alleine", sagt Frischmann, der zehn Medaillen allerdings für realistisch hält. Die Nominierung von 18 Sportlern sei eine überragende Zahl für den Verein. "In dieser Konstellation ist das für mich ein ein Jahrhundert-Team, das für einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte sorgen kann."

Quelle: RP
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