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Lokalsport
Für den Moment am Boden zerstört

Leverkusen. Beim Final Four in eigener Halle hat es nach drei Deutschen Meisterschaften in Folge diesmal nicht zum Titel gereicht. Die Juniorelfen unterlagen im Finale dem Buxtehuder SV. Mit etwas Abstand können aber auch sie sich als Sieger fühlen. Von Tobias Krell und Lars Hepp

Mit einer Mischung aus Verzweiflung und Ärger über sich selbst zog Amelie Berger sich den Kragen des Trikots übers Kinn, biss herzhaft hinein und verfolgte missmutig den Gegenangriff. Die junge Rechtsaußen von Bayers Juniorelfen war sich der Tatsache ganz offensichtlich nur zu genau bewusst, was ihr Fehlwurf rund drei Minuten vor dem Ende des Endspiels für Folgen haben würde. Mit einem vergleichsweise laschen Wurf verpasste sie die Chance, ihre Farben vor eigenem Publikum bis auf ein Tor heranzubringen - im Gegenzug vergrößerte Buxtehude den Vorsprung auf (vorentscheidende) drei Treffer.

Doch der Trikot-Biss war nur ein Vorgeschmack auf das, was wenig später folgte. Als die 22:26 (9:13)-Niederlage zum Abschluss des Final-Four-Turniers amtlich war und der Buxtehuder SV völlig aus dem Häuschen sein Meisterschaftstänzchen hinlegte, boten die Leverkusenerinnen ein Bild des Jammers. Allen voran Berger. Sie saß nicht nur frustriert auf dem Boden der Smidt-Arena wie einige Kolleginnen, sondern legte sich sogar hin, schluchzend, die Hände vor das Gesicht geschlagen und war kaum zu beruhigen. Es dauerte Minuten, ehe sie zum Aufstehen zu bewegen war und bis ihr nach der Siegerehrung - eher mehr aus Versehen - wieder ein Lächeln über das Gesicht huschte.

Zumindest zwei Auszeichnungen blieben den kleinen Elfen - für die beiden Spielerinnen mit Bundesliga-Erfahrung. Kim Braun erhielt den Pokal für die beste Schützin des Vierer-Turniers. Vanessa Fehr, die Buxtehudes Feier-Marathon zwischenzeitlich etwas genervt aus dem Augenwinkel verfolgte, wurde als beste Keeperin ausgezeichnet.

Finale: Buxtehuder SV - Elfen 26:22 (13:9). Nach etwas mehr als einer Viertelstunde träumten die Elfen-Fans unter den mehr als 1.500 Zuschauern bereits vom vierten Nachwuchstitel in Folge. Und es war ihnen nicht zu verdenken angesichts einer 7:5-Führung und einer bis dahin starken Vorstellung der Leverkusenerinnen. Keine rechte Erklärung fanden alle Beteiligten für die kollektive Auszeit, die nun folgte. Fast zehn Minuten traf keine Elfe mehr das Tor, teilweise aus Unvermögen oder Hast, teilweise auch mit viel Pech. Gleichzeitig nahm sich auch Fehr im Tor eine Auszeit - und das Unglück nahm seinen Lauf.

Erst sieben Treffer des BSV später nahm Bayer wieder am Spiel teil und rannte dem Rückstand mit viel Herz hinterher. Für ein glücklicheres Ende gegen einen Klassegegner fehlten bei allem Einsatz aber die eigene Überzeugung und hin und wieder etwas mehr Zielstrebigkeit und Konsequenz im Abschluss. In dieser Hinsicht befand sich Braun in bester Gesellschaft. Sie war nicht die einzige, die einen guten Gesamteindruck - in ihrem Fall vier Treffer, drei herausgeholte Siebenmeter und zwei Ballgewinne - mit manch unnötigem Fehlwurf etwas trübte.

Halbfinale: HSG Bensheim/Auerbach - Elfen 18:21 (4:10). Der Finaleinzug hatte vor allem einen Namen: Vanessa Fehr. Gegen den Herausforderer (und späteren Dritten) HSG Bensheim/Auerbach war die Leverkusener Torhüterin, die später auch im Finale manch Rettungstat vollbrachte, der Sieggarant. In den ersten 20 Minuten parierte sie alleine drei Siebenmeter sowie etliche weitere schwere Bälle. Davon sichtlich beeindruckt verwarfen die Gäste aus Hessen noch einen vierten Strafwurf über das Tor, so dass die Begegnung ganz nach dem Geschmack aller Leverkusener Anhänger verlief. Bis zum Seitenwechsel hielten die Bayer-Mädchen einen sehr klaren Vorsprung, hätten bei konsequenterer Chancenverwertung sogar noch weiter davonziehen müssen.

Durch den Hattrick von Mia Zschocke direkt nach der Pause schien die Partie beim 13:4 (34.) entschieden. Doch vor gut 650 Zuschauern entwickelte sich in Durchgang zwei durchaus noch ein offener Schlagabtausch. Das Team aus der Nähe von Darmstadt zeigte nun sein Können, gerade spielerisch wusste die HSG zu überzeugen und holte Tor um Tor auf - und die Blicke aller Beteiligten gingen immer mehr in Richtung Hallenuhr. "Letztlich sind wir verdient ins Endspiel eingezogen", befand Co-Trainer Rainer Adams.

Verdient war neben dem eigenen Finaleinzug aber - leider aus Leverkusener Sicht - auch der Titel für Buxtehude. "Wir sind im Moment sehr traurig. Aber wenn sich das gelegt hat, können wir uns dann auch über eine tolle Saison freuen. Ich bin stolz auf mein Team. Es gibt Schlimmeres, als die Nummer zwei in Deutschland zu sein", betonte Trainerin Kerstin Reckenthäler.

Und die Bilanz der letzten vier Jahre - drei Meisterschaften und nun der Vize-Titel - kann sich natürlich ohnehin sehen lassen.

Und noch aus einem anderen Grund durften die Leverkusener sich als Sieger fühlen. Sie erhielten reichlich Lob von allen Seiten für ein wirklich titelreifes Turnier-Wochenende in der Smidt-Arena. Für strahlende Gesichter bei Organisationschefin Jutta Ehrmann-Wolf und den insgesamt mehr als 60 Helfern sorgte zusätzlich auch die Kulisse am Finaltag. Über 1.500 Zuschauer sorgten zum Endspiel für eine tolle Atmosphäre und viel Stimmung. Nur das sportliche Happy End fehlte.

Quelle: RP
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