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Lokalsport
Für den Sport Namibia verlassen

Lokalsport: Für den Sport Namibia verlassen
Auf der Tartanbahn fühlt sie sich wohl: Sylvia Schulz wohnt bei dem ehemaligen Weltklasse Hammerwerfer Markus Esser und seiner Familie. Nur mit dem deutschen Wetter muss sich die 16-Jährige noch anfreunden. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Eigentlich wollte Sylvia Schulz (16) nur vier Wochen in Leverkusen bleiben. Nach der Deutschen Jugendmeisterschaft brach die talentierte Läuferin jedoch die Zelte in ihrer Heimat Namibia ab, um beim TSV Bayer einen Neustart zu wagen.

Ereignisreiche Wochen und Monate liegen hinter Sylvia Schulz. Eigentlich ging alles viel zu schnell, um es wirklich realisieren zu können. Im Sommer dieses Jahres lebte die 16-Jährige noch bei ihrer Familie im rund 15 Flugstunden entfernten Windhoek (Namibia). Es folgte eine Teilnahme bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Jena, die ihr Leben nachhaltig verändern sollte. Die hochtalentierte Läuferin sorgte aus Leverkusener Sicht für eine der großen Überraschungen bei den Wettkämpfen. Im Siebenkampf, 400 Meter Hürden, 400 Meter und 800 Meter hatte sie sich zuvor in Namibia für die Deutschen Jugendmeisterschaften qualifiziert. Schulz hatte jedoch die Qual der Wahl, denn einen Start über alle Strecken ließ der Zeitplan nicht zu und die Belastung wäre wohl auch zu groß gewesen. Die Wahl fiel zugunsten der 400 Meter Hürden aus - eine goldrichtige Entscheidung, wie sich im Nachhinein herausstellten sollte. Denn schon im Vorlauf pulverisierte Sylvia Schulz ihre bis dato gültige Bestzeit und sicherte sich einen der begehrten Plätze im A-Finale. Dort lief sie nur knapp, aber mit erneuter Bestleistung (62,04 Sekunden), am Podest vorbei und wurde überraschend Vierte.

Eigentlich wollte Sylvia Schulz nur für rund vier Wochen in Leverkusen bleiben. Während ihrer Zeit am Rhein nahm ihre Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes aber einen anderen Lauf. "Sylvia stellte fest, dass die Bedingungen für ihren Sport in Leverkusen nicht besser sein können. Sie fragte uns, ob sie in Deutschland bleiben kann. Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Wir haben mit toller Hilfe vor Ort alles organisiert", sagt Mutter Heike Schulz, die ebenso wie Vater Schulz Deutscher ist. "Sylvias Vorfahren sind im 19. Jahrhundert nach Namibia ausgewandert. So sind auch wir hier gelandet", erklärt sie weiter.

Seit August dieses Jahres hat Sylvia Schulz ihre Zelte nun in Leverkusen aufgeschlagen. Sie besucht die Theodor-Heuss-Realschule an der Wiembachallee und ist Teil des Bayer-Sportinternats. Eine Pflegefamilie, die sich bestens mit dem Hochleistungssport auskennt, wurde ebenfalls binnen weniger Tage gefunden: Sylvia Schulz wohnt bei dem ehemaligen Weltklasse Hammerwerfer Markus Esser und seiner Familie. Nur mit einer Sache muss sich die Nachwuchshoffnung noch ein wenig anfreunden: Dem Wetter. Denn während es in Deutschland häufig wie aus Kübeln gießt, freuen sich ihre Eltern in Namibia Ende Oktober über den ersten Niederschlag nach vielen trockenen Monaten. Mit ihrer Familie tauscht sie sich regelmäßig aus. "Dank der modernen Technologie habe ich täglich Kontakt zu meiner Familie. Ich bin unheimlich dankbar, dass ich hier so nett aufgenommen wurde. Deswegen habe ich auch mit Heimweh keine Probleme", erklärt Schulz, die in Windhoek mit wenig angebotenen Wettkämpfen und geringer Konkurrenz keine optimalen Bedingungen hatte.

Dass Sylvia Schulz sportlich äußerst begabt ist, steht außer Frage. In ihrer Heimat Namibia spielte sie bis vor kurzem neben der Leichtathletik auch Tennis und Feldhockey. Ihr Vater war ebenfalls begeisterter Leichtathlet, zudem spielte er Fußball und Tennis. Als Turnerin, Kunstspringerin und Hockeyspielerin war auch ihre Mutter sportlich unterwegs - eine sportbegeisterte Familie also.

Im nächsten Jahr soll es sportlich gesehen mit Hilfe vom neuen TSV-Jugendtrainer Markus Irrgang bei den Deutschen U18-Meisterschaften auf's Podest gehen. Am besten ganz nach oben. Als langfristiges Ziel gibt Sylvia Schulz die Teilnahme an Olympischen Spielen an. Mit dem Umzug nach Leverkusen ist der erste Schritt auf dem langen Weg dorthin getan.

Quelle: RP
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