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Paralympics
Goldener Abschluss für TSV-Überflieger

Leverkusen. Gold für Rehm, Kober und Popow, Silber für Low sowie Bensusan und Bronze für Streng - viel besser hätte der Abschluss der Paralympics aus Leverkusener Sicht kaum laufen können. Insgesamt gewannen die Athleten des TSV 15 Medaillen in Rio. Von Dorian Audersch

Rio de Janeiro (SID) Für Birgit Kober waren es besondere Momente nach ihrem Sieg im Kugelstoßen - und das lag nicht nur an ihrer dritten paralympischen Goldmedaille, nachdem sie 2012 in London bereits in Speerwurf und Kugelstoßen triumphierte. Die Athletin des TSV Bayer feierte ihren Sieg mit einem Brasilien-Hut und einer deutsch-brasilianischen Flagge, die ihr aus dem Publikum zugeworfen wurden. "Da saß ein richtiger Fanclub. Die haben eine La Ola angestimmt und alle sind aufgestanden. Das war ein echter Gänsehaut-Moment", sagte sie. Den Hut setzte sie aber nur kurz auf: "Sonst wird die Frisur für die Siegerehrung zerstört."

Obwohl sie als eine der Favoritinnen in den Wettkampf gegangen war, ist ihr Sieg alles andere als selbstverständlich. "Als ich die Woche eine fiebrige Erkältung bekam, habe ich gedacht: Das war es jetzt", meinte Kober. "Dass es trotzdem geklappt hat, ist unglaublich."

Ihre 11,41 Meter brachten in den jeweiligen Schadensklassen das fünfte Gold im Kugelstoßen für den Deutschen Behindertensport-Verband (DSB) in Rio. Bemerkenswert: Jeder ihrer sechs Versuche hätte für Gold gereicht.

Ohnehin haben die Leichtathleten für ein glänzendes Finale bei den Paralympics gesorgt. Maßgeblich an dem krönenden Abschluss beteiligt waren Sportler des TSV Bayer. Weitspringer Markus Rehm, zweifellos einer der Superstars des Behindertensports, blieb mit 8,21 Metern zwar hinter seinem Weltrekord (8,40 Meter), aber gewann dennoch ungefährdet Gold. Bei den Olympischen Spielen, die eigentlich Rehms Ziel waren, wäre er damit Fünfter geworden. Sein Anliegen, in den Wettkämpfen der Nichtbehinderten zu starten, hatte er aus Zeitgründen kurzfristig (und vorerst) auf Eis gelegt.

Mit seiner Goldmedaille im Weitsprung habe er allerdings erneut gezeigt, "dass sich paralympische Athleten hinter olympischen Athleten nicht verstecken müssen. Das ist die Botschaft dieser Spiele", sagte Rehm und blickte voraus. "Vielleicht kann ich ja nächstes Jahr in direkter Konkurrenz starten, dann kann man die Weiten auch richtig vergleichen", sagte der 28-Jährige mit Blick auf die Weltmeisterschaften der Leichtathleten 2017 in London. Rehm hat gute Erinnerungen an die Stadt. 2012 gewann er bei den Paralympics ebenfalls Gold.

Verhandlungen über einen möglichen Start laufen. Eine eigens zu dem Thema vom Leichtathletik-Weltverband eingerichtete Arbeitsgruppe soll bis Ende des Jahres eine Einschätzung zu dem Anliegen geben. Knackpunkt ist nach wie vor, ob Rehm durch seine Prothese einen Vorteil hat, oder nicht.

Der entthronte 100-Meter-Champion Heinrich Popow siegte zum Abschluss seiner Paralympics-Karriere mit 6,70 Metern im Weitsprung - in einer anderen Schadensklasse als Rehm. "Wir haben uns heute morgen geschworen, dass wir die Radfahrer noch abfangen wollen", sagte Popow zum internen Medaillenspiegel des deutschen Teams in Rio. Er trug mit seinem Sieg dazu bei, dass die Leichtathleten den Goldvergleich gegen die Radfahrer 9:7 für sich entscheiden konnten. "So kann ich guten Gewissens die Paralympics-Bühne verlassen", sagte der 33-Jährige, der seine beeindruckende Karriere im Behindertensport nun ausklingen lässt. Sein Wunschziel, eine Weite über sieben Meter, blieb ihm indes verwehrt.

Vanessa Low musste sich hingegen nach Gold im Weitsprung über 100 Meter mit Silber (15,17 Sekunden) begnügen. "Ich hätte wohl das Rennen noch gewonnen, aber leider sind es 100 und nicht 110 Meter", sagte Low zu ihrem Endspurt.

Irmgard Bensusan führte in ihrem 100-Meter-Lauf gar bis zehn Meter vor dem Ziel, musste sich dann aber in 13,04 Sekunden mit der Silbermedaille zufrieden geben - ihre insgesamt dritte in Rio. Felix Streng gewann wie über 100 Meter auch im Weitsprung Bronze (7,13 Meter). Es war der erste Sprung über sieben Meter für den 21-Jährigen.

Für Leverkusens paralympische Helden steht nun allerdings erstmal Urlaub an: "Jetzt wird durchgeatmet. Ich bin durch - und müde", fasste Rehm stellvertretend zusammen. Ihm und seinen Vereinskollegen sei die Pause gegönnt, um die Eindrücke aus Rio sacken zu lassen.

Quelle: RP
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