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Olympische Momente Volker Fried, Trainer Des Rthc Bayer Leverkusen
"Ich gehe von mindestens einer Medaille aus"

Olympische Momente Volker Fried, Trainer Des Rthc Bayer Leverkusen: "Ich gehe von mindestens einer Medaille aus"
Volker Fried (links) und Sven Meinhardt jubeln über den Olympiasieg 1992 in Barcelona. FOTO: IMAGO
Leverkusen. Der Goldmedaillen-Gewinner von 1992 fiebert mit den deutschen Hockey-Teams in Rio - und übt Kritik an der Kommerzialisierung des Sports. Von Tobias Knüfermann

LEVERKUSEN Was für ein dramatiches Viertelfinale: In letzter Sekunde gelang den deutschen Hockey-Herren ein 3:2-Sieg gegen Neuseeland. Der Traum vom dritten olympischen Gold in Folge geht also heute (22 Uhr MESZ) weiter. Im Halbfinale wartet Argentinien. Volker Fried, Trainer des RTHC Leverkusen, wird garantiert vor dem Fernseher sitzen und das Abschneiden des Teams von Bundestrainer Valentin Altenburg verfolgen. "Die Spiele sind etwas ganz Besonderes" sagt er. Allerdings gehe es ihm nicht nur um Hockey. "Ich werde mir wie jeder Sportbegeisterte möglichst viel ansehen."

Im Gegensatz zum durchschnittlichen TV-Zuschauer saß der 55-Jährige aber nicht immer auf dem Sofa und schaute zu. 1984 in Los Angeles, 1988 in Seoul, 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta nahm Fried als Hockeyspieler an vier Olympischen Spielen teil. Nicht nur wegen einer Gold- und zwei Silbermedaillen waren das die Höhepunkte der beeindruckenden Hockeykarriere des gebürtigen Osnabrückers, der 290 Länderspiele für Deutschland absolvierte und lange Rekordnationalspieler war.

"Die Spiele kann man nicht mit Welt- oder Europameisterschaften vergleichen. Das sind andere Dimensionen. Für Hockeyspieler gibt es nichts Größeres", erklärt Fried, der vielfältige Olympia-Erlebnisse verinnerlicht hat: "In Los Angeles herrschte eine besondere Atmosphäre. Die Amerikaner haben sich für Hockey interessiert. Da kam es einem tatsächlich so vor, als ginge es um einen selbst und den Sport."

Die Illusion sei dann aber über die Jahre verflogen. "Spätestens 1996 in Atlanta drehte sich alles nur noch um das große Geschäft und ums Geld verdienen. Als Sportler warst du nur noch das kleine Blümchen, das mit guten Leistungen die Spiele schmücken sollte", meint Fried. Dennoch sind bei Volker Fried viele gute Erinnerungen geblieben. In Los Angeles und Seoul gab es noch vielfach die Möglichkeit, andere Wettkämpfe zu besuchen: "Das war damals ganz leicht. Du bist im Olympischen Dorf einfach zu einem Büdchen gegangen und hast dir Eintrittskarten abgeholt. Wir haben sehr viele Sportstätten besucht."

Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm das 100-Meter-Finale 1988 zwischen Ben Johnson, Carl Lewis und Linford Christie. "Sowas vergisst man nicht - auch, wenn später ein Beigeschmack mit den Dopingvorwürfen dazugekommen ist."

Ab 1992 sei es nur noch schwer möglich gewesen, andere Events zu besuchen. "Wir wollten das amerikanische ,Dreamteam' gegen unsere deutschen Basketballer spielen sehen. Leider haben wir als unbedeutendes Hockeyteam aber keine Karten bekommen - im Gegensatz zu Steffi Graf und Boris Becker, die auf der Prioritäten-Liste weiter oben standen und beste Plätze hatten."

Obwohl es bei allen vier Olympischen Spielen letztlich immer um Gold, Silber und Bronze ging, gab es für Volker Fried große Unterschiede. 1984 herrschte demnach eine fröhliches Miteinander, während 1988 in Südkorea sowohl die Kommunikation mit dem Gastgeberland, als auch eine "spürbare Herzlichkeit" gefehlt habe. "Alles war kontrolliert und geregelt. Überspitzt könnte man sagen, dass bei einzelnen Veranstaltungen auf den Tribünen 3000 Schüler mit blauen, und 3000 Schüler mit roten Fähnchen saßen. Einmal war man für Indien, einmal für Australien und einmal für uns." Barcelona vier Jahr später habe einen besonderen Reiz gehabt: "Viele Freunde und Hockeygefährten waren vor Ort. Unser Olympiasieg hat das nochmal auf eine höhere Stufe gestellt." 1996 in Atlanta sei hingegen der Kommerz heftig zu spüren gewesen. Die Sponsoren waren überpräsent."

Auch rein sportlich konnte sich der Erfolg des vierfachen Familienvaters mit drei Medaillen sehen lassen. Frieds Ehrgeiz war nach eigenem Bekunden schon immer groß. 1992 war der Höhepunkt mit der Goldmedaille, davor gab es zwei Mal Silber. Für die Olympischen Spiele 1996 war Volker Fried eigentlich mehr nicht vorgesehen. Doch Bundestrainer Paul Lissek überredete den Innenverteidiger nach dreijähriger Pause zum Comeback - und so kam der heutige Leverkusener Hockeycoach noch zu einem vierten Platz, ehe er das Nationaltrikot an den Nagel hing. Den Hockeystock beiseite gelegt hat Fried indes noch nicht. Äußerst versiert jagt der 55-Jährige in der zweiten RTHC-Herrenmannschaft dem kleinen weißen Hartgummiball hinterher. Entsprechend interessiert verfolgt der Trainer auch die Leistung der beiden deutschen Hockeyteams in Brasilien: "Ich gehe davon aus, dass mindestens eine Medaille herausspringen wird. Damit wären die Damen wahrscheinlich zufrieden. Die Herren sind für mich im Kreis der Favoriten, aber dazu gehören einige gleich starke Teams, aber es wäre natürlich der Knaller, wenn es zum dritten Mal in Serie der Olympiasieg werden würde."

Quelle: RP
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