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"Ich habe mich immer durchgebissen"

Lokalsport: "Ich habe mich immer durchgebissen"
Liebling der Fans: Stefan Kießling, den die Anhänger mit einem T-Shirt würdigten. FOTO: Stefanie Sandmeier
Ingolstadt. Nach einem schwierigen halben Jahr, in dem der Stürmer mehr als sonst auf der Bank saß und sogar Wechselabsichten hegte, will der 31-Jährige die Wintervorbereitung für einen Neustart nutzen. Von Stefanie Sandmeier

Rudi Völler setzte gerade gut gelaunt zu einem versöhnlichen Saisonfazit an, als Stefan Kießling die Runde erweiterte. Bayers Sportdirektor klopfte seinem Stürmer kräftig auf die Schulter, um ihm danach die öffentliche Bühne zu überlassen. "Du bist schon alt genug, um mich abzulösen", frotzelte Völler und drehte unverrichteter Dinge wieder ab. Kießling quittierte das mit einem Grinsen. "Habt ihr das schriftlich?", stellte er frech die Gegenfrage.

Rechtzeitig vor der Weihnachtspause ist bei der Werkself die gute Laune zurückgekehrt. Auch Stefan Kießling kann wieder lachen, für den sich die persönlich schwierige und enttäuschende Hinrunde doch noch einmal zum Guten wendete. Sichtlich bewegt und beinahe zu Tränen gerührt verließ er nach diesem letzten Spiel des Jahres den Innenraum des Ingolstädter Stadions, wo ihm nach dem 1:0-Erfolg Minuten zuvor die eigenen Anhänger ein rotes T-Shirt überreicht hatten. "Für immer 11" hatten sie darauf drucken lassen - symbolisch für Kießlings Rückennummer. Der 31-Jährige spielt seine zehnte Saison in Leverkusen, schoss bisher insgesamt 125 Tore - und trug immer die "11".

Einzelkritik: Note 2 für Chicharito, Note 5 für Kramer und Calhanoglu FOTO: ap

"Das ist ein wunderschönes Gefühl, so eine Unterstützung zu erfahren", erklärte Kießling, dem etwas die Worte fehlten, als er gebeten wurde, dieses für ihn so emotionale und turbulente letzte halbe Jahr zu beschreiben. "Das ist ganz schwierig. Vor allem vor dem Hintergrund, was letzte und heute Woche insbesondere vonseiten der Fans passiert ist. Das war Gänsehaut pur. Ich hatte einen dicken Kloß im Hals."

Nach überschaubaren Einsätzen in dieser Spielzeit unter Trainer Roger Schmidt war die Stimmung beim Torschützenkönig der Saison 2012/13 verständlicherweise etwas getrübt. Der hatte die Spekulationen um einen vorzeitigen Wechsel durch eigene Aussagen zwischenzeitlich sogar selbst angeheizt. Wie schnell sich die Dinge im Fußball ändern können, erlebte Kießling binnen drei Tagen. Mit seinem fulminanten Auftritt beim 5:0-Erfolg gegen Mönchengladbach, zu dem er zwei Tore und zwei Vorlagen beisteuerte, und seinem Treffer und der Vorlage im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Unterhaching meldete sich der Stürmer eindrucksvoll zurück.

Fotos: FC Ingolstadt 04 - Bayer Leverkusen FOTO: ap

Von Wechselabsichten keine Spur mehr - zumindest vorerst nicht. Die Klubführung hat dem Stürmer in Gesprächen deutlich gemacht, ihn nicht abgeben zu wollen. Bis Sommer ist das Thema damit zumindest vom Tisch. Kießling versucht nun, mit neuem Selbstbewusstsein um seine Chance und das Vertrauen des Trainers zu kämpfen. "Ich bin fast zehn Jahre in Leverkusen und habe mich immer durchgebissen", sagte Kießling, der ankündigte: "Ich will in der Rückrunde Gas geben, damit es dann besser für mich läuft."

In Ingolstadt untermauerte er auch ohne eigenen Treffer noch einmal seinen Wert fürs Team. Unermüdlich suchte er jeden Zweikampf, warf sich in jedes Kopfballduell und eroberte wichtige Bälle vor dem Gegner. "Das war ein hartes Stück Arbeit. Heute mussten wir den Kampf annehmen", sagte der 31-Jährige, der betonte, wie wichtig es ist, in solchen umkämpften Partien dann einen wie Chicharito zu haben, der wie kein anderer im Team in die freien Räume rennt und in eiskalter Torjägermanier aus wenigen Möglichkeiten Maximales herausholt. "Er braucht nicht viele Chancen, hat ein gutes Näschen", sagte "Kies" voller Respekt. Chicharito selbst wollte dies alles nicht überbewerten. "Das ist ein gutes Gefühl, aber wichtig ist, dass wir drei Punkte geholt haben und wieder an den Champions-League-Plätzen dran sind", sagte der 27-Jährige zu seinem bereits 19. Tor im 22. Pflichtspiel.

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Hier der kleine und flinke Mexikaner, daneben der große und scheinbar unkaputtbare Kießling. Das passt nicht zusammen? In den zurückliegenden drei Partien haben die beiden das Gegenteil bewiesen. Die offensichtliche Verschiedenheit des Sturmduos macht beide vielleicht gerade deshalb auch zu guten Partnern, die in der Rückrunde vielleicht etwas verspätet doch zum Erfolgsmodell werden könnten. Sport Seite

Quelle: RP
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