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Klosterhalfen - lieber Laufen statt Laufsteg

Lokalsport: Klosterhalfen - lieber Laufen statt Laufsteg
Konstanze Klosterhalfen freut sich über ihren zweiten Platz. FOTO: birkenstock
Leverkusen. Die 18-Jährige Läuferin des TSV Bayer verbesserte ihre 1500-Meter-Zeit im vergangenen Jahr um zehn Sekunden. Bei den Deutschen Meisterschaften lief sie im Frauenfeld überraschend zu Silber. Paul-Heinz Wellmann spricht von einem "Ausnahmetalent". Von Stefanie Sandmeier

Konstanze Klosterhalfen streckt die Arme weit in die Luft. Ausgepumpt und erschöpft nach intensiven 1500 Metern schafft sie es dennoch, mit einem Lächeln über die Ziellinie zu laufen. Die 18-jährige Sportlerin des TSV Bayer Leverkusen erreicht das, was ihr im Vorfeld der Deutschen Meisterschaften kaum jemand zugetraut hatte. Im Duell mit den besten deutschen Frauen über diese Distanz läuft die Nachwuchs-Athletin, die im ersten Jahr der Altersklasse U 20 angehört, zu Silber. Noch dazu in einer Zeit, die selbst Fachleute staunen ließ.

In 4:09,58 Minuten pulverisierte sie ihre alte Bestmarke um mehr als vier Sekunden und zeigte sich selbst überrascht: "Ich kann meinen Erfolg kaum fassen", beschreibt Klosterhalfen. Eine Medaille hatte sie nicht wirklich im Kopf. "Ich bin zu den Deutschen gereist, um eine gute Zeit zu erzielen. Dass ich Silber habe, ist unglaublich."

Der Rennverlauf spielte ihr dabei in die Karten. "Dass vorne das Tempo hochgehalten wurde, war optimal." Von Beginn an marschierte die Athletin von Sebastian Weiß gewohnt im vorderen Feld mit, um rund 300 Meter selber das Zepter in die Hand zu nehmen und sich an die Spitze zu setzen. Am Ende musste sie nur Maren Kock (LG Finanz Regensburg) den Vortritt lassen. Die verlieh ihrer Freude über den Sieg aber weit weniger Ausdruck als Klosterhalfen über Rang zwei, die sich in diesem Jahr in erstaunlicher Weise einen Namen machte.

Die Sportlerin aus Königswinter überraschte schon bei den Deutschen Hallenmeisterschaften, als sie bei den Aktiven über 1500 Meter Silber gewann und eine europäische U20-Hallenbestleistung aufstellte. Binnen eines Jahres verbesserte sie ihre Freiluft-Bestzeit von 4:19,97 Minuten um knapp zehn Sekunden. "Das ist außergewöhnlich", sagt Paul-Heinz Wellmann, Geschäftsführer der TSV-Leichtathleten. "Sie hat offenbar eine besondere Gabe, ihre Muskeln einzusetzen und ist sicher ein Ausnahmetalent. Ich kann mich nicht erinnern, wann zum letzten Mal eine Athletin ihres Alters so schnell war."

Mit elf kam sie zum TSV. Viele Jahre fuhren ihre Eltern sie - anfangs noch mit dem Bruder - nach Leverkusen. "Dass ich nun den Führerschein habe, erleichtert vieles", sagt Klosterhalfen. Seit dem Winter hat sie das Training auf sechsmal pro Woche erhöht. Drei- bis viermal kommt sie dafür zum TSV. Die Dauerläufe absolviert sie zu Hause.

Da bleibt derzeit wenig Zeit für eines ihrer Hobbies: das Modeln. Dass die Läuferin dank ihrer langen und schmalen Beine offensichtlich auch dafür Talent besitzt, durfte sie nicht nur bei der Fashion Week in Berlin vor zwei Jahren beweisen.

High Heels statt Spikes? Kein Problem für die junge Frau, die sich inzwischen aber ganz auf ihre Karriere als Sportlerin konzentriert. Um ihre Ziele zu erreichen, trat Klosterhalfen als Model kürzer. Der höhere Trainingsaufwand und das Abitur hatten zuletzt Priorität. Mit einem Notendurchschnitt von 1,7 gelang ihr der Abschluss. Nun möchte sie an der Kölner Sporthochschule studieren. Alternativ hat sie sich für Jura eingeschrieben. Bis sie einen Platz an der "Spoho" hat, wird sie als Gasthörerin ein halbes Jahr die Uni besuchen. Denn Klosterhalfen hat den gefürchteten Sport-Eignungstest nicht geschafft. "Da hilft es nicht, nur schnell laufen zu können", sagt sie mit einem Augenzwinkern. Ihre Aufnahme scheiterte am Bodenturnen und Kugelstoßen. "Da fehlt mir als Leichtgewicht etwas die Kraft. Aber ich übe fleißig."

Es sollte sich also niemand wundern, wenn er die Läuferin mit der Kugel antrifft. Was ihre sportlichen Ziele betrifft, bleibt die 18-Jährige ebenso bescheiden, die man beim TSV behutsam und ohne Druck an die nächsten Herausforderungen heranführen will. "Gesund bleiben und mich weiter verbessern", lautet ihre Devise. Die nächsten Olympischen Spiele kommen sicher noch zu früh. 2020 aber will Klosterhalfen dabei sein. Im Moment mag man daran nicht zweifeln.

Quelle: RP
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