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Lokalsport
Leichlinger TV nimmt Platz zwei ins Visier

Leichlingen. Der 38:36-Sieg gegen Bayer Dormagen war ein Kraftakt, den Trainer Frank Lorenzet gar als "historisch" bezeichnet. Von Jim Decker

Wenn Frank Lorenzet über seine Spieler spricht, ist das oftmals etwas übertrieben. So auch am Freitagabend, als der Trainer des Handball-Drittligisten Leichlinger TV beim Spiel gegen den TSV Bayer Dormagen (38:36) einen "historischen Abend" erlebt haben wollte. Historisch war das Spiel wohl nicht, aber es war unterhaltsam, streckenweise spektakulär und ein mehr als deutliches Signal an die West-Liga: Der LTV plant den Angriff auf Platz zwei.

Besonders bemerkenswert war dieser Sieg im Derby vor allem deshalb, weil Leichlingen mal wieder selbst für Spannung und Dramatik sorgte. Dormagen durfte zu Beginn frei schalten und walten, allein der Ex-Leichlinger Kevin Christopher Brüren warf acht Mal ins Tor von Keeper Mathis Stecken. "Das Problem war hinten. Die haben zu viele einfache Tore gemacht", sagte Linksaußen Bastian Munkel später selbstkritisch. Schlussmann Stecken räumte gar ein: "In der ersten Halbzeit hatten wir gar keine Torhüterleistung." Ein hartes Fazit, doch vier Tore Rückstand zur Pause deuteten an: Nach acht Siegen in Folge ist Schluss mit der Serie.

Was dann geschah, ist umso bemerkenswerter. Der LTV kam mit schier brachialer "Stehauf-Männchen"-Mentalität zurück und zeigte den aufstiegswilligen Gästen ihre Grenzen auf. "Wir haben uns gesagt: Wenn wir schon dran sind, obwohl wir schlecht spielen: Wie sieht es dann aus, wenn wir gut spielen?", verriet Stecken die Gedanken zur Pause. Munkel erzählt Ähnliches: "Irgendwann ist Dormagen die Puste ausgegangen. Die haben überragend gespielt und das konnte nicht so weitergehen." Kraftakte gehören allerdings auch zum Repertoire des LTV. Fast sechs Minuten lang gelang Dormagen kein Treffer, zudem entschärfte Stecken einen Siebenmeter Brürens. "Das hat mir natürlich Selbstvertrauen gegeben", sagte er im Nachgang.

Von da an hatte Leichlingen die Dormagener routiniert im Griff. Die Manndeckung für Lukas Stutzke, am Ende trotzdem der beste Torschütze der Gäste, funktionierte - und Stecken hielt plötzlich fest, was zu halten war. Munkel bestach zudem vorne als Verwerter sowie hinten als giftiger Abräumer. "Wenn wir gewinnen, kann man immer zufrieden sein", sagte Stecken, der sich von seinem Trainer noch ein Sonderlob abholen durfte. "Mathis ist in der zweiten Halbzeit zum Helden geworden", lobte Lorenzet.

Der Rückstand auf Dormagen beträgt nun drei Punkte und die Blütenstädter haben noch eine Nachholpartie gegen den Tabellenletzten ATSV Habenhausen in der Hinterhand. "Für uns war dieser Sieg das i-Tüpfelchen", bemerkte Munkel und ergänzte mit Blick auf den Kampf um die Vizemeisterschaft: "Wir haben keinen Druck."

Das Credo "Nichts müssen aber alles Können" ist gleichzeitig größte Stärke und Schwäche des Klubs. Nun aber scheint die Vizemeisterschaft in greifbare Nähe zu rücken. "Wenn Dormagen patzt und wir das ausnutzen können, wäre das sehr schön", sagte David Hansen, am Freitag offensiv wie defensiv einer der Besten auf dem Feld - und fügt hinzu: "Zum zweiten Platz sage ich nicht nein."

LTV Stecken, Mundhenk - M. Schulz (3), Bouali (2), Novickis (5), Hertlein, Hansen (7), Munkel (6), Menzlaff (2), Kreckler (8/5), Rachow (4), L. Schulz (1).

Quelle: RP
 
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