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Leverkusen. Was Olympische Spiele angeht, ist Felix Drahotta bereits ein Routinier. Die Wettkämpfe in Rio werden seine dritte Olympiade sein. In Peking (2008) und London (2012) war er bereis am Ruder - im Zweier ohne Steuermann. Danach etablierte er sich im Deutschland-Achter, dem Flaggschiff des Ruderverbandes (DRV). Bei der EM 2013 gewann er mit der Goldmedaille im Achter seinen ersten internationalen Titel in der Erwachsenenklasse. Es war der Start einer Serie aus seitdem vierfachem EM-Gold. Von Dorian Audersch

Bei Weltmeisterschaften allerdings blieb es zuletzt drei Mal hintereinander bei Silber. Gegen Großbritannien hatten die deutschen Ruderer stets das Nachsehen. In Rio, sagt Drahotta, soll der Bann gebrochen werden. "Dass wir zuletzt bei drei Weltmeisterschaften knapp Gold verpasst haben, schmerzt natürlich", meint der 27-Jährige, "aber es motiviert auch zusätzlich." Allein bei der WM 2015 seien die ersten Fünf innerhalb einer Bootslänge ins Ziel gekommen. "Das zeigt, wie eng es in der Spitze zugeht." Neben den Dauerrivalen von der Insel sind unter anderem die USA oder die Niederlande traditionell starke Rudernationen. "Mit denen müssen wir rechnen", sagt Drahotta.

Im Achter sind seit jeher besondere Fähigkeiten gefragt. Der Ruderer des RTHC beschreibt die Erfolgsformel als eine Mischung aus sportlichen und menschlichen Faktoren. Natürlich gehe es um Kraft, Ausdauer, Technik, Rhythmusgefühl und Beweglichkeit, aber ebenso wichtig sei Vertrauen. "Jeder muss für den anderen Kämpfen und sich auf den anderen verlassen können - zu mehr als 100 Prozent." Eine weitere wichtige Zutat sei die Einstellung: "einfach durchziehen, egal was passiert", lautet demnach Drahottas Devise.

Das mag banal klingen, ist aber gerade im Rudern elementar. In den anstrengenden und extrem kraftraubenden Rennen ist es wichtig, ans Limit zu gehen - und bisweilen darüber hinaus. "Auch, wenn die Muskeln brennen und man nicht mehr kann", betont Drahotta. Der Achter rudert im Schnitt rund 6000 Kilometer pro Jahr. "Das reicht, um sich gut aufeinander einzustellen."

Den Diskussionen rund um die Spiele in Rio über das Zika-Virus, verschmutztes Wasser oder schlechte Unterkünfte für die Athleten will der Sportsoldat, der seit 2008 bei RTHC-Coach Ralf Möller trainiert, nur bedingt folgen. "Es ist vor fast jedem großen Turnier irgendwas. Die Probleme werden immer größer dargestellt als sie tatsächlich sind. Das wird diesmal wohl auch so sein." Zudem fliege er nicht nach Rio, um Urlaub zu machen. "Bis zum Zielwettkampf zählen nur Training, Regeneration, Ernährung - und die Stimmung oben halten." Drahottas Minimalziel? "Das Finale."

Interessanterweise sind auch bei den Frauen die Britinnen die wohl größten Rivalen der deutschen Ruderinnen. Kathrin Marchand, ebenfalls vom RTHC, geht im Zweier ohne Steuerfrau an den Start - im Duo mit Kerstin Hartmann. Ihre Konkurrentinnen aus Großbritannien gewannen beim Heimspiel in London Gold. Ebenfalls stark schätzt die 25-Jährige, für die es nach 2012 die zweite Olympia-Teinlahme ist, die USA, Neuseeland, Rumänien, Dänemark und Südafrika ein. Auch sie nennt das Finale der letzten sechs Boote als Ziel. "Insgesamt wollen wir einfach möglichst schnell sein", bringt sie es knapp auf den Punkt.

Seit ihrem 14. Lebensjahr ist Marchand am Ruder. Vorher war sie bereits im RTHC als Hockeyspielerin aktiv. Dass es sie früher oder später doch ins Boot verschlagen würde, ist angesichts ihrer Familie geradezu logisch. Ihr Vater Gerhart ist Vorsitzender der Ruderabteilung im Verein, Bruder Florian ist ebenfalls Ruderer und überzeugte sie damals, es auch zu probieren. "Mich hat es sofort gepackt", sagt sie - und die ersten Erfolge ließen auch nicht lange auf sich warten. Auch sie will sich die Spiele am Zuckerhut nicht von etwaigen Diskussionen verderben lassen. "Ich habe vier Jahre darauf hingearbeitet und vertraue den Verantwortlichen, dass es ein schönes Turnier wird."

Termine Der Achter der Männer greift am Montag, 8. August, ins Geschehen ein (Vorläufe). Das Halbfinale wäre am 10. August und das Finale am 13. August. Der Zweier ohne Steuerfrau geht am Sonntag, 7. August zu den Vorläufen ins Rennen. Am 10. August wäre das Halbfinale und am 12. August das Finale.

Quelle: RP
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