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Lokalsport
LTV findet erst nach der Pause ins Spiel

Lokalsport: LTV findet erst nach der Pause ins Spiel
Der 26-jährige David Hansen steuerte elf Tore zum Remis seiner "Pirates" gegen den Lokalrivalen Longericher SC bei. Kurios: Alle seine Treffer fielen erst nach der Pause. FOTO: Uwe Miserius
Leichlingen. Der Handball-Drittligist hat gegen den Lokalrivalen Longericher SC einen scheinbar aussichtslosen Rückstand noch egalisiert und sich ein 30:30 (12:18) erkämpft. David Hansen und Lukas Schulz hatten großen Anteil an der Aufholjagd. Von Jim Decker

Geschichten über den Leichlinger TV handeln stets auch von einem Klub, der immer wieder aufsteht. Am Freitagabend lag der Handball-Drittligist mal wieder am Boden, übel vorgeführt vom Lokalrivalen Longericher SC. Nach nicht einmal 20 Minuten drehte sich Torhüter Mathis Stecken schon entnervt um und schaute auf die Anzeigetafel - wie lange würde er dieses Spiel noch durchstehen müssen? Da lag der LTV mit sieben Toren hinten und sollte zwischenzeitlich sogar mit zehn Treffern abgeschlagen sein.

Doch am Ende konnte selbst Stecken wieder lachen. Das 30:30 (12:18) zum Schlusspfiff war letztlich gerecht. In der zweiten Spielhälfte waren nicht nur die Leichlinger Handballer wieder aufgestanden, sondern auch zwei seiner Spieler, die es zuletzt alles andere als leicht hatten.

Da wäre zunächst David Hansen, am Ende der überragende Mann und beste Schütze. "Ich habe in der ersten Hälfte keinen Wurf getroffen", sagte der Rückraumspieler selbstkritisch. Auch in der Abwehr habe er "ein paar Mal daneben gelangt". Das ist untypisch für den 26 Jahre alten Hansen, der auch an schlechten Tagen zuverlässig trifft. Doch zuletzt lief es nicht mehr, so wie im gesamten Team. Besonders seine gefürchteten Abschlüsse aus dem Rückraum waren nicht zu sehen. Mit dem Seitenwechsel erlebte Hansen seine Wiederauferstehung. Elfmal (!) warf er den Ball ins Netz, in den 30 Minuten zuvor gelang ihm das nicht einmal. "Mit jedem Wurf stieg das Selbstvertrauen", sagte er. Irgendwann habe er sich die Würfe einfach genommen - "ohne groß nachzudenken."

Warme Worte kassierte Hansen auch von seinen Teamkollegen. "Er hat richtig gut gespielt. Er hat halt alles getroffen", lobte Lukas Schulz. Der 23-Jährige ist der zweite Leichlinger, der erst nicht so recht in die Mannschaft fand. Bisher gehörte er zu den Zugängen, die eher untertauchten. Bei den wenigen Einsatzminuten wirkte Schulz wie ein Fremdkörper. Zuletzt fehlte er verletzt. "Für mich ist die Saison bisher nicht so gut gelaufen. Ich hoffe, dass es nun von Spiel zu Spiel besser wird", betonte Schulz.

Die Tendenz ist jedenfalls da. Vor allem die Aufgabe als Spielgestalter blieb nach dem Weggang von Kapitän Tim Hilger zuletzt unzureichend erfüllt. Schulz deutete an, diese Rolle besetzen zu können. Und schließlich dürfte er auch die zuletzt komplett zum Erliegen gekommene linke Angriffsseite beleben. "Ich versuche natürlich zu gucken, dass wir nicht nur rechtslastig sind", sagt Schulz. "Das ist mittlerweile natürlich jedem aufgefallen. Man muss aber auch sagen, dass David Kreckler das überragend gespielt hat in den ersten Spielen. Von daher ist es klar, dass wir versucht haben, ihn einzusetzen. Aber ich glaube, wir haben noch Potenzial auf der linken Seite." Es scheint, als wolle Schulz mit dem Reanimationsprogramm gleich weitermachen.

Was bleibt, ist die ewige LTV-Frage: Wieso nicht gleich so? Mitunter drängt sich der Eindruck auf, dieser Klub braucht die Katastrophe gleichsam wie den Erfolg. "Wir haben versucht, die Emotionen direkt auf die Platte zu kriegen", sagt Kreisläufer Hendrik Rachow. "Aber das hat nicht funktioniert - und die zweite Hälfte war dann das perfekte Beispiel dafür, wie es laufen kann."

Kein Wunder: Wer nicht regelmäßig am Boden liegt, kann auch nicht aufstehen.

LTV Stecken - Rachow (1), Munkel (1), Lange, Hansen (11), Novickis (1), Feuchtmann, M. Schulz, Hertlein, Menzlaff (6), L. Schulz (4), Kreckler (6/3).

Quelle: RP
 
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