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Katharina Molitor im Interview
"Mein Leben hat sich nullkommanull verändert"

Das ist Katharina Molitor
Das ist Katharina Molitor FOTO: dpa
Leverkusen. Im August wurde sie Weltmeisterin im Speerwerfen, bald ist sie wieder bei den Volleyballerinnen des TSV Bayer 04 aktiv: Katharina Molitor (31) spricht über ihr bemerkenswertes Jahr und Probleme bei der Sponsoren-Suche. Von Roman Zilles

Frau Molitor, Sie waren gerade im Urlaub. War der diesmal besonders nötig nach dem WM-Titel?

Molitor Ich mache jedes Jahr Urlaub in der Sonne. Ich kann da gut runterkommen. Das war jetzt nicht anders als sonst. Ab und zu wurde ich angesprochen auf die WM, habe aber ansonsten nicht viel darüber nachgedacht.

Wissen Sie noch, wie alles anfing in diesem Jahr?

Molitor Im Frühjahr kam ich erst gar nicht so richtig in Gang. Geplatzt ist der Knoten erst beim Wettkampf in Luzern: Es war schönes Wetter, ich konnte es genießen, die Technik stimmte, so dass mir im letzten Versuch 66 Meter gelungen sind.

Ahnten Sie da, dass es ein großartiger Sommer werden könnte'?

Molitor Es ging mir damals nur darum, die Weite bei der Deutschen Meisterschaft zu bestätigen. Das ist mir gelungen, auch wenn keine Bestleistung dabei herausgesprungen ist. Dass ich den Titel gewinne, war durchaus mein Ziel. Aber wichtiger war mir zu beweisen, dass die 66 Meter keine Eintagsfliege sind.

Wie war Ihre Zielsetzung für die WM?

Molitor Ich habe mit einer Medaille geliebäugelt. Allerdings habe ich mir, wie meine drei deutschen Kolleginnen, in der Qualifikation nicht ganz so leicht getan. Ich war in der ersten Gruppe, und am Ende fehlten mir 27 Zentimeter für die direkte Qualifikation, so dass ich erst die zweite Gruppe abwarten musste, bis klar war, dass ich im Endkampf dabei bin. Da hatte ich dann den Riesenvorteil, dass ich mich mit dem dritten Wurf an die Spitze setzen und danach immer am Ende jeden Durchgangs werfen konnte.

Vor Ihrem letzten Versuch lagen Sie aber nur noch auf Rang drei.

Molitor Ja, aber die Gewissheit, dass ich Bronze sicher hatte und die Weite der in Führung liegenden Chinesin drauf habe, hat mir die nötige Lockerheit verschafft.

Das Resultat waren 67,69 Meter: Weltjahresbestleistung.

Molitor Dass es Weltjahresbestleistung war, habe ich nicht registriert. Ich habe mich einfach gefreut, als ich auf der Leinwand gesehen habe, dass mein Speer hinter der eingezeichneten Goldlinie gelandet ist.

Was ist seitdem anders?

Molitor Nichts. Es gab natürlich mehr Anfragen an mich. Aber der WM-Titel hat mein Leben nullkommanull verändert.

Aber stapeln sich bei einer Weltmeisterin Werbeverträge nicht nur so?

Molitor Das wäre schön. Aber dem ist leider nicht so. Allerdings wird es uns in der Leichtathletik auch nicht leicht gemacht. Denn der Ausrüster wünscht, dass nur ein Sponsor auf dem Trikot steht. Bei den Wettkämpfen in der Diamond League ist das genauso. Und es schwierig, möglichen Interessenten zu erklären, dass sie nur auf meiner Internetseite oder dem Auto auftauchen.

Hat es Sie in der Vergangenheit beschäftigt, dass Sie oft etwas im Schatten anderer Werferinnen wie Steffi Nerius oder Linda Stahl standen?

Molitor Darum ging es mir nicht. Ich habe in all den Jahren nur auf mich und meine Weite geschaut. Hätte ich vorher stabil 66 Meter geworfen, hätte ich vielleicht damit gehadert, wenn ich nicht ganz oben gestanden hätte. Aber so nicht.

Der Erfolg in diesem Jahr hat auch nichts daran geändert, dass Sie nun wieder beim Volleyball einsteigen?

Molitor Nein. Es wurde und wird mir ja sehr leicht gemacht, sportlich zweigleisig zu fahren. Mannschaft, Trainer und Verein - alle beim TSV akzeptieren, dass ich bei einigen Spielen nicht dabei bin. So werde ich etwa Ende November Spiele verpassen, weil ich im Trainingslager in Südafrika bin. Aber deshalb ist keiner sauer, sondern eher traurig.

Die ersten drei Spiele hat das Team ohne Sie gewonnen. Jetzt steigt eine Mittelblockerin ein, von der Ihr Trainer sagt, Sie könnte in der Volleyball-Bundesliga spielen. Kein gute Nachricht für die Konkurrenz.

Molitor Das ist ein schönes Lob. Aber wir verfügen über einige gute Spielerinnen, und vor allem wird der Zusammenhalt gefragt sein. Denn nicht nur ich, sondern in Isabel Schneider und Theresa Mersmann fehlen auch immer wieder mal zwei Beachvolleyballerinnen.

Welches Ziel strebt eine Speerwurf-Weltmeisterin im Volleyball an?

Molitor Ich hoffe, dass wir mal wieder den Titel in der Zweiten Liga holen können. Aber die letzten Jahre haben gezeigt, dass das kein Selbstläufer ist.

Und wie läuft abseits des Sportlichen Ihr Lehramts-Studium?

Molitor Wie immer: Im Sommer habe ich es ruhen lassen, und jetzt muss ich wieder verstärkt ran. 2017 will ich fertig sein.

Quelle: RP
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