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Lokalsport
Oeser fährt über eine Hintertür zu Olympia

Ratingen. Die Siebenkämpferin des TSV Bayer Leverkusen verpasste beim Ratinger Mehrkampf-Meeting zwar die geforderte Norm. Doch in Rio wird sie wohl trotzdem dabei sein. Von Nils Jewko

Das Lächeln und ihren Humor hatte Jennifer Oeser am Ende nicht verloren. Auf der Ehrenrunde beim 20. Ratinger Mehrkampf-Meeting griff die Athletin des TSV Bayer Leverkusen zum Mikrofon und richtete noch einige Worte an das auf der Haupttribüne versammelte Publikum. "Es waren unglaubliche zwei Tage mit verrückten Bedingungen", sagte die 32-jährige Siebenkämpferin, die mit 6058 Punkten die geforderte Norm (6200) für die Olympischen Spiele verpasste. "Es gibt aber eine Hintertür für mich. Und in Rio will ich dann eine bessere Leistung zeigen und auch über die Hürde kommen", scherzte Oeser nach dem kräftezehrenden Wettkampf.

Gleich in der ersten Disziplin verspielte die Leverkusenerin eine bessere Punktzahl in Ratingen, als sie beim Hürdenlauf nur knapp einen Sturz verhindern konnte. Mit einer Endzeit von 15,21 Sekunden war sie mehr als zwei Sekunden langsamer als bei ihrer persönlichen Bestleistung und büßte dadurch rund 200 Zähler ein, die ihr in der Endabrechnung fehlten. "Ich bin in die Hürde getreten, stehengeblieben und weitergelaufen. Das ist einfach Pech", sagte Oeser nach einem komplett verregneten ersten Wettkampftag.

Das Wetter sei in 20 Jahren an einem Meeting-Tag noch nie so schlecht gewesen, erklärte Marion Weißhoff-Günther vom Organisationsteam des TV Ratingen. In Decken eingehüllte Athleten und aufgestellte Heizstrahler waren kein seltenes Bild, während die Tartanbahn mit Wasserwalzen und der Kugelstoßring mit einem Laubbläser vom Wasser weitgehend befreit wurden. "Bei diesen Bedingungen kann man die Leistungen nicht hoch genug anrechnen. Das war fantastisch anzusehen und für die Athleten eine enorme Herausforderung", sagte der Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Idriss Gonschinska.

Allen voran Jessica Ennis-Hill zeigte in Ratingen eine überzeugende Vorstellung und untermauerte abermals ihre Favoritenrolle für die Olympischen Spiele in Rio. Mit 6733 Punkten verpasste sie nur um 54 Zähler den Meeting-Rekord von Sabine Braun aus dem Jahr 1997 und sicherte sich mit großem Vorsprung den Gesamtsieg vor Carolin Schäfer (6476). Für Jennifer Oeser reichte es trotz drei Saisonbestleistungen im Kugelstoßen, Hochsprung und Speerwurf nur zu Rang drei.

Das Ticket für Rio hat sie trotzdem so gut wie sicher, weil mit Schäfer und Claudia Rath, die wegen einer Muskelverletzung kurzfristig auf ihren Start in Ratingen verzichtete, nur zwei DLV-Siebenkämpferinnen die Norm geknackt haben. So kann Oeser auf ihre 6308 Punkte von der Weltmeisterschaft in Peking bauen, die noch in den Nominierungszeitraum für Olympia fallen. Die finale Entscheidung fällt zwar der Deutsche Olympische Sportbund, aber Oeser fand am Mikrofon schon klare Worte: "In Rio will ich zeigen, was ich drauf habe."

Quelle: RP
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