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Schiedsrichter Rainer Maack
"Profis haben Vorbildcharakter für Jugend- und Amateurfußballer"

Schiedsrichter Rainer Maack: "Profis haben Vorbildcharakter für Jugend- und Amateurfußballer"
Leverkusen. Herr Maack, ganz Fußball-Deutschland diskutiert über die Spielunterbrechung im Spiel Bayer Leverkusen gegen Borussia Dortmund. Wie sehen Sie den Fall?

Maack Als jemand, in dessen Brust ein Leverkusener Herz schlägt, sehe ich die Sache zwiegespalten. Auf der einen Seite kann ich den Ärger von Roger Schmidt verstehen. Immerhin handelte es sich um eine Spielentscheidende Szene. Andererseits hat der Trainer sich und dem Sport insgesamt mit dieser Aktion einen schlechten Dienst erwiesen. Als erfahrener Bundesliga-Trainer sollte man mit so einer Situation besser umgehen können - und es vor allem besser wissen. Das war ziemlich trotzköpfig von ihm. Aber der Schiedsrichter hätte sicherlich auch glücklicher agieren können.

Inwiefern?

Maack Es bricht sich niemand einen Zacken aus der Krone, wenn er zur Seitenlinie läuft und dem Trainer seine Entscheidung, ihn aus dem Innenraum zu verweisen, mitteilt. Von der Mittellinie ein Zeichen zu geben, hatte schon etwas von Arroganz - auch wenn es regelkonform war.

Haben Sie als Schiedsrichter jemals eine vergleichbare Situation erlebt?

Maack Nein. Das ist schon ein relativ einmaliger Vorgang. Ich habe über 1500 Spiele gepfiffen und etwas Ähnliches ist dabei noch nie vorgefallen. Allerdings gehe ich auch immer persönlich zu den Trainern, wenn ein derartiger Fall vorliegt und weise sie darauf hin, dass bei weiterem Fehlverhalten Schluss mit lustig ist. Es ist immer besser, so etwas von Angesicht zu Angesicht zu klären. Dass es um Entscheidungen der Schiedsrichter immer wieder Diskussionen gibt, ist wohl leider auf jedem Fußballplatz der Welt so.

Viele sehen in dem Vorfall einen Angriff auf die Autorität der Schiedsrichter insgesamt, andere kritisiere, dass die handelnden Akteure ihrer Vorbildfunktion nicht nachkommen...

Maack Ja, natürlich haben die Profis einen gewissen Vorbildcharakter für Jugend- und Amateurfußballer. Es kommt immer wieder zu Diskussionen auf und neben dem Platz - auch in den unteren Ligen. Dass der Schiedsrichter in der BayArena konsequent durchgegriffen hat, bis hin zum möglichen Spielabbruch, kann auch als positives Zeichen gewertet werden: Wenn sich jemand nicht an die Regeln halten will, gibt es Konsequenzen. Jeder hat gesehen, was passieren kann, wenn den Anweisungen des Spielleiters nicht gefolgt wird.

Denken Sie, dass der Vorfall auch eine Wirkung bis in den Amateurfußball hat?

Maack Nein, eigentlich nicht. Ich habe als Schiedsrichter auch schon Trainer vom Platz geschickt, wenn sie sich nicht benehmen konnten. Das kommt immer wieder vor. Allerdings hat sich von denen noch nie einer geweigert, das auch zu tun. Das liegt wohl daran, dass die im Ernstfall fälligen Geldstrafen Amateure härter treffen.

D. AUDERSCH STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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