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Rehm hakt Olympia ab - und nimmt WM ins Visier

Lokalsport: Rehm hakt Olympia ab - und nimmt WM ins Visier
In kleinen Etappen nähert sich Markus Rehm seinem Ziel, dass Sportler mit Behinderungen auch an Wettkämpfen der Nichtbehinderten teilnehmen können. FOTO: IMAGO
Leverkusen. Der Prothesen-Weitspringer des TSV Bayer verzichtet auf die Bewerbung um eine Teilnahme in Rio und konzentriert sich nun auf die Paralympics im September. Sein Anliegen verfolgt der 27-Jährige indes weiter. Das nächste Ziel: Die Weltmeisterschaften 2017 in London. Von Dorian Audersch

Entspannt sitzt Markus Rehm neben der Bühne auf dem Gelände des TSV Bayer. Während im Hintergrund die Offiziellen des Vereins feierlich die umgestaltete Kurt-Rieß-Anlage einweihen, spricht er über seine Ambitionen, an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilzunehmen - und warum er nun doch auf den lang ersehnten Start verzichtet. "Die Zeit wird einfach zu knapp", sagt er. "Es müssen noch ein paar letzte Daten ausgewertet werden und es sind viele Institutionen beteiligt." Das sei sehr zeitintensiv. "Ich will mich jetzt auf den Sport konzentrieren."

Dass der Paralympics-Sieger von 2012 den Doppelstart in Rio de Janeiro (Olympia und Paralympics) nun doch abhakt, hat indes nichts damit zu tun, dass er resigniert - im Gegenteil. Die Gespräche mit dem Leichtathletik Weltverband (IAAF) seien "konstruktiv und positiv" gewesen, betont Rehm. Er habe es als sehr wichtigen sowie guten Schritt empfunden, unter anderem endlich ein offenes und persönliches Gespräch mit IAAF-Generalsekretär Jean Gracia geführt zu haben. "Vorher haben wir im Grunde nur mit Briefen kommuniziert, die von allen Seiten fünffach geprüft und abgesegnet waren. Nun haben wir informell, offen und klar Probleme und Chancen meines Anliegens besprochen." Er denke schon, dass dieses Treffen etwas bewegt habe, sagt Rehm.

Zur Erinnerung: Markus Rehm setzt sich vehement dafür ein, dass behinderte Sportler auch an den internationalen Wettkämpfen nichtbehinderter Sportler teilnehmen können - zum Beispiel Weltmeisterschaften und Olympische Spiele. Nicht nur der Weltverband betrachtet das Vorhaben skeptisch. Zuerst müsse nachgewiesen werden, dass die Athleten mit Behinderungen durch ihre Prothesen keine Vorteile haben, lautete eine der Vorgaben.

Rehm hat eine unabhängige wissenschaftliche Studie initiiert, um genau das zu untersuchen. Das Ergebnis: Der Weltrekordhalter (8,40 Meter) hat durch seine Unterschenkelprothese am rechten Bein beim Weitsprung keine gravierenden Vor- oder Nachteile im Vergleich mit Athleten ohne Behinderung. "Zu diesem Zeitpunkt kann nicht eindeutig ausgesagt werden, dass die Prothese von Markus Rehm ihm beim Weitsprung einen oder keinen Gesamtvorteil bietet", heißt es in der Analyse. Nun will er mit dem Weltverband an Regeländerungen mitwirken, um künftig behinderten Sportlern die Teilnahme an Wettkämpfen der Nichtbehinderten zu ermöglichen. Dafür will sich der 27-Jährige in einer IAAF-Arbeitsgruppe einsetzen. Vorschläge für eine Regelreform sollen beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppe im September diskutiert werden.

Rehms persönliches Ziel ist die Teilnahme an der WM 2017 in London. Er verstehe aber auch, dass sein Anliegen ein langer und mühsamer Weg sei. Immerhin handele es sich um eine Entscheidung sporthistorischen Ausmaßes. "Ich möchte diese Veränderung erreichen, indem sich alle Beteiligten einig werden - in einem offenen Diskurs und nicht vor Gericht. Ich setze lieber auf Kommunikation und nicht auf eine Klage." Sein Eindruck: "Insgesamt sind beide Seiten nicht so weit voneinander entfernt."

Ihm gehe es dabei nicht um Medaillen oder darum, anderen einen Startplatz wegzunehmen, betont er. "Obwohl die Paralympics eine große und anerkannte Veranstaltung sind, gibt es bei vielen Menschen noch Vorbehalte und falsche Bilder im Kopf", meint Rehm. "Ich will auch Werbung für unseren Sport machen."

Nun trainiert der 27-Jährige aber erst einmal für die bevorstehende Aufgabe in Amsterdam. Am Mittwoch startet dort die Leichtathletik-EM. Die Behindertensportler treten in einem eigenen Wettkampf an. Geht es nach Rehm, ist das schnellstmöglich ein Teil der Vergangenheit.

Quelle: RP
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