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Lokalsport
Sexuelle Diskriminierung bei Handball-WM?

Leverkusen. Jutta Ehrmann-Wolf, Ehefrau der Leverkusener Trainerin Renate Wolf, erhebt den Vorwurf sie sei wegen ihrer Ehe mit einer Frau nicht als Delegierte für die WM in Dänemark nominiert worden. Von Simon Janssen

Eigentlich war der Termin schon fest eingeplant. Während der gerade abgeschlossenen Handball-WM der Frauen in Dänemark war Jutta Ehrmann-Wolf eigentlich als Delegierte vorgesehen. "Jedenfalls habe ich im Frühjahr dieses Jahres einen Hinweis erhalten, dass ich für das Turnier eingeplant bin", sagte die ehemalige Schiedsrichterin im Gespräch mit unserer Redaktion. Daraus wurde jedoch nichts. Nicht etwa, weil eine Krankheit eine Reise nach Dänemark verhindert hätte - sie sei wegen ihrer sexuellen Orientierung für das Turnier von der Internationalen Handball-Föderation (IHF) nicht berücksichtigt worden, lautet ihr Vorwurf. Die 52-Jährige habe von einem hohen Verbandsfunktionär erfahren, dass der Grund für die Nicht-Nominierung in ihrem privaten Umfeld liege nachdem sie gefragt hatte, wie es mit der Nominierung für das Turnier aussehe - schließlich wollte sie ihren Urlaub planen. Die ehemalige Schiedsrichterin ist seit 2008 mit Renate Wolf, Trainerin der Leverkusener TSV-Handballerinnen, verheiratet. Aus dem gleichen Grund sei ihre spanische Kollegin Carmen Manchado als Delegierte abgelehnt worden, die ebenfalls mit einer Frau verheiratet ist. "Wir haben beide eine sehr hohe Qualifikation - und wurden beide nicht berücksichtigt, das kann doch kein Zufall sein", sagte Ehrmann-Wolf.

Eigentlich wollte sie den Fall gar nicht öffentlich machen, im Rahmen eines Champions-League-Spiels im norwegischen Larvik äußerte sie sich jedoch in einem TV-Interview zu der Nicht-Nominierung, die sie nach eigenen Angaben "in Schockstarre" versetzte.

"Ich denke, so etwas darf man nicht unter den Tisch kehren. Wir tun ja nichts Unrechtes", sagte die 52-Jährige, die auch von der norwegischen Weltklasse-Spielerin Gro Hammerseng-Edin motiviert wurde, den Fall öffentlich zu machen.

"In Norwegen geht man mit dem Thema wesentlich offensiver um als hier in Deutschland", sagte Jutta Ehrmann-Wolf, die als Schiedsrichterin im Gespann mit Susanne Künzig unter anderem 115 Spiele für die Europäische Handball-Föderation (EHF) und die IHF leitete.

Handfeste Belege für ihre These habe sie jedoch nicht. Die IHF habe sie bereits um Beweise gebeten. "Aber warum soll ich es behaupten, wenn es mir nicht so gesagt wurde?", fragt sie. Nach Angaben von Manfred Prause, Chef der IHF-Regel- und Schiedsrichterkommission gebe es keine offizielle Begründung für die Nicht-Berücksichtigung.

Ehrmann-Wolf sieht die Gründe in der konservativen Führung der IHF. Insbesondere der ägyptische Präsident Hassan Moustafa, der in Leipzig studierte, habe ein Problem mit Homosexualität. Für eine Stellungnahme war gestern keiner der IHF-Entscheider zu erreichen.

Die Handball-WM in Dänemark wurde vom 15. bis zum 20. Dezember ausgetragen. Weltmeister wurde Norwegen.

Quelle: RP
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