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Spiegelburg: Mit Rio im Kopf geht's voran

Lokalsport: Spiegelburg: Mit Rio im Kopf geht's voran
Leverkusen/Stuttgart. Die TSV-Stabhochspringerin steigert sich nach knapp einjähriger Pause von Wettkampf zu Wettkampf. Nun stehen die Deutschen Meisterschaften an. Das Fernziel Olympia 2016 in Rio ist die Motivation. Von Patrick Scherer

Das Gespräch beginnt mit einer Entschuldigung. Silke Spiegelburg ist noch etwas außer Atem. "Sorry, ich muss noch kurz ausschnaufen", sagt die Stabhochspringerin mit vibrierendem Lachen in der Stimme. Die 29-Jährige hat kurz zuvor "In-and-Out"-Läufe hinter sich gebracht - Intervallläufe für die Spritzigkeit. "Ich bin eigentlich ziemlich zufrieden, wie es läuft", sagt sie. "Der Fuß hält gut." Das war nicht zwingend so zu erwarten. Nach einem Wettkampf in Rom im Juni 2014 lässt sich Spiegelburg untersuchen. Anhaltende Schmerzen in der Wade und im Sprunggelenk waren der Auslöser. Die Diagnose: Haarriss im Kahnbein des rechten Fußes - Operation. "Als ich mich damit abgefunden hatte, habe ich viel Positives aus der miesen Situation gezogen", sagt sie rückblickend.

Seit über zehn Jahren ist Spiegelburg Teil des A-Kaders der deutschen Leichtathleten, von schweren Verletzungen blieb sie immer verschont. Stattdessen zog die Frohnatur jede Saison voll durch. "Ich kann mich nicht an einen Sommer erinnern, in dem ich nicht das Deutschland-Trikot übergestreift habe", sagt sie - bis zum vergangenen Jahr. "Aber in dieser Pause haben sich mein Körper und mein Kopf mal völlig regeneriert", sagt die Studentin, die vor ein paar Tagen ihre Bachelorarbeit in Gesundheitsökonomie an der Universität Köln abgegeben hat.

Anfang November 2014 hat sie mit dem Aufbautraining angefangen. Neben Koordinationsübungen mit dem Stab hieß es vor allem Radfahren. "An den Sattel hat sich mein Hintern aber nie wirklich gewöhnt", erläutert Spiegelburg breit grinsend. Die 40 Minuten auf dem Ergometer hat sie genutzt, um sich auf den neuesten Stand im Bereich TV-Serien zu bringen. Die amerikanische Krimi-Komödien-Produktion "Castle" hat es ihr dabei besonders angetan. "Aber ich war dennoch froh, als ich wieder mit dem Lauftraining beginnen konnte." In Leverkusen läuft die TSV-Athletin allerdings nicht mehr. Während ihrer Verletzung zog Spiegelburg nach Stuttgart. Ihr Mann bekam ein Jobangebot, das er nicht ausschlagen konnte. "Der TSV hat dafür Verständnis gezeigt. Es stand auch nie zur Debatte, dass ich deshalb den Verein wechsele", betont die im Münsterland aufgewachsene Niedersächsin. Nun pendelt Spiegelburg zwischen Stuttgart und dem rheinland-pfälzischen Zweibrücken, wo ihr Trainer Andrei Tivontchik - seines Zeichens auch Bundestrainer - beheimatet ist.

Das Credo für 2015 lautete ursprünglich: Fit werden. Denn im Hinterkopf schwebt das große Ziel, Olympische Spiel in Rio de Janeiro 2016, wo sich Spiegelburg nach dem enttäuschenden vierten Platz in London 2012 den Traum einer Medaille erfüllen möchte. Bestimmte Höhen und Erfolge wurden deshalb in diesem Übergangsjahr nicht anvisiert. Wenn der Fuß schmerzen sollte, soll er Ruhe bekommen - es werde nicht mit Schmerztabletten nachgeholfen. Aber die Form steigt stetig, Schmerzen Fehlanzeige. "Ich werde immer fitter. Dass es so rasant geht, hätte ich nicht gedacht", sagt sie. Shanghai 4,38 Meter, Hengelo 4,55 Meter, Zweibrücken 4,60 Meter und bei der Team-EM in Cheboksary sprang Spiegelburg 4,75 Meter, nahe an ihrem deutschen Rekord (4,82 Meter). In Luzern reichte es zwar nur zu Platz sieben und 4,40 Meter. "Aber ich habe erstmals wieder aus 16 Schritten Anlauf genommen. Nur das Stab-Set hat noch nicht dazu gepasst", erklärt sie. Für die Deutschen Meisterschaften Nürnberg (24. bis 26. Juli) und die WM in Peking (22. bis 30. August) hat sie die Vorsicht nun abgelegt: "Wenn ich mich so gut fühle, will ich auch angreifen.".

Quelle: RP
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