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Lokalsport
TSV Bayer - Zentrum des Stabhochsprungs

Leverkusen. Sieben der elf Springer im DM-Finale stellte der TSV. Tobias Scherbarth hat seinen Deutschen Meistertitel nach 2014 wiederholt. Die Frauen schnitten hingegen enttäuschend ab. Von Stefanie Sandmeier

Als es darauf ankam, bewies Tobias Scherbarth Nervenstärke. Die Stabhochspringer waren im Finale der Deutschen Meisterschaften bei 5,65 Meter angekommen, als der Titelkampf seine entscheidende Phase erlebte. Scherbarth, der im ersten Versuch riss, sah, wie Teamkollege Karsten Dilla die Latte in gleicher Höhe im ersten Anlauf überflog. Scherbarth verzichtete daraufhin auf weitere Versuche über 5,65 Meter und ließ direkt 5,70 Meter auflegen. Die übersprang er wiederum auf Anhieb und setzte damit den finalen Konter.

Dilla konnte nicht mehr nachziehen - Scherbarth war damit nach 2014 wieder Deutscher Meister. "Dass ich in dieser Situation kontern konnte, macht den Titel für mich noch etwas wertvoller", erklärt der 30-Jährige. Nach der verletzungsbedingten Absage von Raphael Holzdeppe galt er als Favorit. "Das sorgte schon für einen gewissen Druck", sagt Scherbarth. "Aber ich wollte diesen Titel unbedingt."

Seiner Ankündigung, Deutscher Meister zu werden - am besten mit der in Zweibrücken erreichten Rio-Norm von 5,70 Meter - ließ er Taten folgen. "Mir war es wichtig, diese Höhe eine Woche später in Kassel noch einmal zu bestätigen."

Damit hat Scherbarth seine EM- und Olympia-Ticket sicher. Die 5,65 Meter reichen Vizemeister Dilla zur EM-Teilnahme in Amsterdam (6. bis 10. Juli). Um auch die Rio-Fahrkarte zu lösen, fehlen ihm noch fünf Zentimeter. Nächste Gelegenheit, diese zu schaffen, gibt es schon am Freitag bei den "Stabhochsprung Classics" in Leverkusen. Spätestens bis 12. Juli hat er Zeit.

Dilla und Scherbarth sind derzeit die beiden heißesten Eisen aus deutscher Sicht. Sie führen die Jahresbestenliste an. Vier weitere Leverkusener gehören zu den Top Zehn. Das spiegelte sich auch im Ergebnis der Deutschen Meisterschaften wider. Scherbarth hat als einziger Deutscher bisher überhaupt die Olympia-Höhe gepackt. Auch Holzdeppe blieb sie bisher schuldig. "Ist er fit, ist er sicher die Nummer eins in Deutschland", sagt Paul-Heinz Wellmann, Geschäftsführer der Leichtathleten. Seit den Hallen-Meisterschaften im Winter kämpft der Ex-Weltmeister aber mit Verletzungen. Er will sich nun kurieren und die Norm dann erneut gesund in Angriff nehmen.

Wellmann traut die 5,70 Meter auch Dilla zu. Selbst wenn Holzdeppe noch auf den Zug aufspringt, stünden Dillas Chancen auf eine Olympia-Teilnahme gut. Denn es müsste dann erst ein weiterer Springer die Norm schaffen, um den TSV-Athleten noch von einem der drei Startplätze zu verdrängen.

Ohne Holzdeppe war es ein einsamer Titelkampf in Kassel. Auch der Zweibrücker Daniel Clemens ist verletzt. Die große Breite ist im deutschen Stabhochsprung derzeit nicht gegeben. Weder aus Leistungssicht, noch weniger aus Vereinssicht. Die Deutschen Meisterschaften glichen einer Vereinsmeisterschaft des TSV Bayer. Sieben der elf Finalteilnehmer kamen aus Leverkusen. Mit Carlo Paech fehlte sogar ein Kandidat für die vorderen Plätze. Und genau genommen könnte man auch Malte Mohr, der beim TSV groß wurde, inzwischen aber für Wattenscheid startet, auch noch als Leverkusener zählen. Der TSV ist wohl mehr denn je Zentrum der deutschen Stabhochspringer.

Wellmann macht die guten Bedingungen dafür verantwortlich. Damit meint er die komfortable Situation, mit Leszek Klima, Jörn Elberding (zugleich Bundestrainer Männer) und Christine Adams drei hauptamtliche Trainer für die Disziplin zu haben. Dazu hervorragende Trainingsmöglichkeiten - in der Halle wie draußen - ausgestattet mit modernster Analyse-Technik, was Leverkusen zu einem Aushängeschild macht. Hinter den Arrivierten hat der Verein Talente wie Luisa Schaar oder Bo Kanda Lita Baehre (Jahrgang 1999) in seinen Reihen, der seine Bestleistung in diesem Jahr auf 5,30 Meter steigerte.

Das positive Bild der Stabhochspringer in Kassel wurde einzig von den Frauen getrübt. Nach Lage der Dinge wird keine Leverkusenerin in Rio starten. Das enttäuschende Abschneiden hatte unabhängig der Plätze fünf und sechs von Lilli Schnitzerling und Regine Kramer (beide 4,30) mehrere Gründe. Victoria von Eynatten und Katharina Bauer fielen bereits im Vorfeld aus. Zu allem Überfluss gelang Silke Spiegelburg kein gültiger Versuch. Die 30-Jährige, die nach ihrer erfolgreich gemeisterten Rio-Norm so positiv gestimmt nach Kassel fuhr, verpasste auch im Vergleich zur Konkurrenz die Bestätigung ihrer Leistung und damit wohl die Nominierung für die Großereignisse.

Spiegelburg, die ihr Umfeld neu sortierte und den Trainer wechselte, um sich die Pendelei zum Training nach Zweibrücken zu ersparen, wirkte niedergeschlagen. Sollte es wirklich so kommen, wäre es ein Rückschlag. Bis auf die EM 2014 verpasste sie seit 2001 keinen Saisonhöhepunkt.

Quelle: RP
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