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TSV ehrt seine Paralympics-Helden

Lokalsport: TSV ehrt seine Paralympics-Helden
Unter anderem David Behre, Felix Streng, Heinrich Popow, Hannes Schürmann, Irmgard Bensusan, Johannes Floors, Tobias Pollap und Markus Rehm (v.l.) signierten ein Geschenk zum 70. Geburtstag von Bayer-Aufsichtsratschef Werner Wenning. FOTO: miserius
Leverkusen. Bei einem Empfang des TSV Bayer kamen die Behindertensportler zusammen, die aus Leverkusen Richtung Rio aufbrachen. Sie ließen ihre Erlebnisse Revue passieren und tauschten Erfahrungen aus. Von Tobias Brücker

Stolz steht Geschäftsführerin Anne Wingchen vor der Leinwand, die mitten des kleinen Aufenthaltsraums im Sportinternat des TSV Bayer aufgestellt ist. Zu sehen ist das Maracana-Stadion in Rio de Janeiro - die Stätte, in der das sportliche Herz der brasilianischen Metropole schlägt. Scheinwerfer und Feuerwerkskörper, die vom Rand des Dachs Richtung Innenraum sprühen, erhellen das weite Rund. Es ist eine Aufnahme der Abschlussfeier der Paralympics vor knapp einem Monat. Jetzt ehrte der TSV im beinahe familiären Kreis seine Behindertensportler, die - wie erwartet - mit vielen Erfolgen zurückkehrten.

Sechsmal Gold, sechsmal Silber und dreimal Bronze - eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Bevor die Spiele begannen, und sich der aus 18 Sportlern bestehende Tross des TSV nach Südamerika aufmachte, sprach Jörg Frischmann, Geschäftsführer der Behindertensportabteilung davon, dass die Spiele "historisch" werden könnten. Nun, mit etwas Abstand, ist sich Wingchen sicher: Das wurden sie auch.

Allerdings nicht allein aufgrund der Medaillen. Vielmehr sei die Art und Weise, mit der sich die Athleten als Team präsentierten, und erfolglose Kammeraden wieder aufbauten, imponierend gewesen. Klaus Beck, Vorsitzender des Vereins, betonte: "Die Paralympics waren beeindruckend. Man kam sehr nah an die Athleten ran."

In der allgemeinen Zufriedenheit fielen nur positive Worte über die im Vorfeld wegen der Umstände in Brasilien kritisch beäugte Großveranstaltung. Einige Athleten der Olympischen Spiele, die rund zweieinhalb Wochen zuvor zu Ende gingen, hatten schlechte hygienische Zustände, ein teilweise unfaires Publikum und die insgesamt chaotische Organisation bemängelt.

"Das können wir so nicht bestätigen", betonte Weitspringer Markus Rehm, der sich besonders auf die scheinbare Unfairness des Publikums bezog. "Die Menschen sind ehrlich. Wenn sie einen Politiker im Stadion sehen, den sie nicht mögen, pfeifen sie ihn aus - ich finde das gut", sagt der 28-Jährige.

Unmutsäußerungen gegenüber Sportlern habe er nicht erlebt. Bereits in London 2012 an den Start gegangen, hätte Rehm einen Vergleich zwischen beiden Paralympics ziehen können, aber: "Das kann und sollte man nicht."

In der Leichtathletik war der TSV gewohnt erfolgreich. Unter anderem die Schwimmer Tobias Pollap und Hannes Schürmann konnten ihre Ziele hingegen nur teilweise erreichen. Für den 18-jährigen Schürmann, der an einer spastischen Hemiparese auf der rechten Körperseite leidet, waren es allerdings auch seine ersten Erfahrungen auf der ganz großen Bühne des Sports. Erst als Nachzügler erhielt er den Anruf von Bundestrainerin Ute Schinkitz. Seine Stützpunkttrainerin Marion Haas-Faller stärkte ihm nach der Premiere den Rücken: "Bei Europameisterschaften kann ich die Zuschauer beim Namen nennen - das war in Rio nicht so. Damit muss man auch erstmal umgehen", sagte sie. Im Schwimmbecken konnte der TSV ebenso keine Medaillen bejubeln wie beim Sitzvolleyball - gefeiert wurden die Athleten trotzdem.

Quelle: RP
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