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Annike Krahn
Von Paris über Leverkusen nach Rio

Leverkusen. Heute beginnt für die Fußballerinnen des DFB das Olympische Turnier - vor der eigentlichen Eröffnung am Freitag. Erster Gegner: Simbabwe. Mit an Bord ist Annike Krahn von Bayer 04. Die RP sprach mit der erfahrenen Verteidigerin über die Olympischen Spiele und die anstehende Saison in Leverkusen.

Frau Krahn, die Vorbereitungen mit der Nationalmannschaft laufen mit kleinen Unterbrechungen bereits seit dem 20. Juni. War da überhaupt Zeit für Urlaub?

Krahn Schon vor dem ersten Lehrgang mussten wir zwei Wochen einen individuellen Trainingsplan absolvieren. Zeit für einen kleinen Urlaub war trotzdem - auch, weil ich bei Bayer gleich nach Saisonende aussteigen konnte, während der Rest des Teams noch zwei weitere Wochen trainiert hat. Abschalten ist wichtig. Die ersten drei Tage des Trainingsplans fielen auf die letzten Urlaubstage. Das war zu ertragen, aber einen ganzen Urlaub lang brauche ich sowas nicht.

Das endgültige Olympia-Team wurde erst spät bekanntgegeben. Ihre Nominierung war jedoch keine Überraschung. War Ihnen von Beginn an klar, dass Sie dabei sein würden?

Krahn Wirkliche Gewissheit hatte auch ich erst, als das Team verkündet wurde. Aber ich war guter Dinge, zu den 18 Spielerinnen für Rio zu gehören, wenn ich in den Lehrgängen meine Leistung bringe.

Ist Fußball bei Olympia etwas anderes als bei Welt- oder Europameisterschaft?

Krahn Grundsätzlich nicht. Aber das Drumherum ist größer. Wir sind Teil der deutschen Olympia-Mannschaft. Das war schon beim Einkleide-Termin in Hannover zu spüren.

Waren Sie schon einmal in Brasilien?

Krahn Bislang noch nicht. Deshalb freue ich mich auch darauf, das Land ein wenig zu erkunden - soweit das neben dem Turnier möglich sein wird.

Werden Sie auch etwas vom Leben im Olympischen Dorf mitbekommen?

Krahn Zunächst leider nicht, weil nur eine der drei Vorrundengruppen des Turniers in Rio de Janeiro spielt - und das ist nicht unsere. Wir spielen in Sao Paulo und Brasilia. Vor acht Jahren in China mussten wir ins Halbfinale kommen, um ins Olympische Dorf in Peking umziehen und die Atmosphäre aufsaugen zu können. Das macht auch den Reiz der Spiele aus. Diesmal müssen wir für dieses Erlebnis sogar ins Finale kommen. Früher ginge es nur über ein Weiterkommen als einer der besten Gruppendritten. Aber das ist nicht unser primäres Ziel.

Ziel ist also das Finale?

Krahn Ich möchte grundsätzlich immer gewinnen, wenn ich bei einem Turnier antrete. Das ist auch bei den Olympischen Spielen nicht anders. Wir wollen alles dafür tun, wissen aber auch, dass es nicht einfach wird und dieses Ziel auch andere Teams haben. Und für das Finale ins Olympische Dorf zu wechseln, wäre ein toller Bonus.

Wer sind aus Ihrer Sicht neben dem deutschen Team die Favoriten?

Krahn Sicherlich vor allem die USA als amtierender Weltmeister und Olympiasieger, dazu auch Frankreich. Bei den Brasilianerinnen weiß man nie genau, zu was sie in der Lage sind - gerade bei einer Olympiade im eigenen Land. Auch das australische Team, auf das wir in der Vorrunde treffen, schätze ich als richtig stark ein. Schwächen darf sich bei diesem Feld keine Mannschaft erlauben. Von zwölf Teams wollen sicher zehn eine Medaille gewinnen.

Wie halten Sie in all dem Vorbereitungsstress Kontakt zu Bayer 04?

Krahn Ich höre regelmäßig etwas von Trainer Thomas Obliers und einigen Mitspielerinnen. Zum Trainingsauftakt hatte ich sogar die Gelegenheit, einmal vorbei zu schauen. Leider lief das Training schon, als ich kam. Aber zu dem einen oder anderen Gespräch hatte ich schon die Chance. Am nächsten Tag musste ich dann schon wieder zur Nationalmannschaft.

Einige neue Gesichter waren auch dabei. Insgesamt zehn Zugänge gab es bei Bayer 04 - bei neun Abgängen. Es wird etwas dauern, die Neuen zu integrieren. Ist das ein Problem für den Saisonstart?

Krahn Bis dahin ist meiner Meinung nach genügend Zeit, um die neuen Spielerinnen zu integrieren, auch wenn von denen auch die ein oder andere zwischendurch zur U19-EM oder zum Lehrgang beim DFB war. Dem Trainer ist bewusst, worauf es ankommt. Die Mädels sind hochmotiviert und schon sehr fleißig. Ich hoffe, dass im Zusammenspiel schon vieles gut läuft, bis ich wiederkomme. Das wird erst nach dem ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal sein - hoffentlich. Denn das würde bedeuten, dass wir es bis ins Finale und damit auch ins Olympische Dorf geschafft haben.

Ist es für Sie kein Problem, so spät erst einzusteigen?

Krahn Das ist zwar etwas stressig, aber völlig in Ordnung. Anders als die Neuzugänge muss ich ja nicht mehr unsere Spielidee neu kennenlernen. Deshalb denke ich, dass ich mich schnell zurechtfinden werde - zumal ich durch die Olympischen Spiele schon im Wettbewerbsmodus sein werde.

Wie sehen Sie im Rückblick Ihre erste Saison in Leverkusen? Die Ziele lagen ursprünglich höher als der erreichte zehnte Platz.

Krahn Trotz der enttäuschenden Platzierung war auch in der vergangenen Saison schon das große Potential dieser Mannschaft zu sehen. Aber es lief nicht immer nach Wunsch, was sicher auch mit an unserem Verletzungspech lag. Einige wichtige Spielerinnen haben lange gefehlt.

Was sind vor diesem Hintergrund und angesichts der Neuzugänge die Ziele für die kommende Saison?

Krahn Ich möchte mich immer steigern und das sollte auch unser Ziel als Team sein. Das Zeug dazu haben wir. Deshalb bin ich sehr optimistisch, dass wir in der neuen Saison einen Schritt nach vorne machen.

TOBIAS KRELL STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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