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Leverkusen
Spritziges Konzert mit mystischen Passagen

Leverkusen. Das Orchester "l'arte del mondo" wurde gut unterstützt. Von Monika Klein

Alles Mozart oder was? Rund um das sinfonische und Opernschafen des großen Klassikers spielte die Musik beim letzten Abend der Sinfoniekonzertreihe von Bayer-Kultur in dieser Saison. Und das begann zunächst mit dem artverwandten "schwedischen Mozart" , der im selben Jahr geboren ist wie der Salzburger und nur ein Jahr später gestorben ist. Joseph Martin Kraus wurde zu Lebzeiten durchaus genauso geschätzt, nur im Bewusstsein der Nachwelt ist er noch wenig präsent.

Zu Unrecht, findet der Geiger, Orchesterleiter und Archäologe in Musikarchiven Werner Ehrhardt. Schon deswegen hat er die Suite aus dem Ballett Fiskarena, für die man Kraus in seiner Wahlheimat Stockholm frenetisch feierte. Ehrhardt und sein Orchester "l'arte del mondo" sorgten dafür, dass die Zuhörer im Erholungshaus das sehr gut nachvollziehen konnten. Spritzig und voller Lebensfreude gingen sie die Tanzsätze an, manchmal klang es gar ein wenig nach Zauberflöte, und bei der "Ungherese" zum Abschluss versprühten die feurigen Musiker auf ihren historischen Instrumenten noch mehr Temperament. Hier wurde jeder kompositorische Gedanken durchleuchtet und ernst genommen, wurden deutliche Akzente gesetzt, mit dynamischen Unterschieden gearbeitet, Tempo angezogen und wieder abgefangen. Nur kein gefälliges Gleichmaß, das die besten Kompositionen zum Langweiler macht.

Ehrhardt und sein ausgesprochen engagiertes Orchester boten einmal mehr genau durchdachte Interpretationen. Aber das Schöne ist: man merkt es nicht. Die theoretische Auseinandersetzung ist vorher, auf der Bühne wird ganz einfach lebendige Musik gemacht.

Und das galt natürlich auch für Wolfgang Amadeus Mozart, dessen Jupitersinfonie (Nr. 41 C-Dur KV 551) mit fast ruppigen Akzenten begann. Mit ungeheurem Schwung präsentierten die Musiker den ersten Satz, um das folgende Andante cantabile umso schwereloser zu führen. Eine emotionale Mischung von weicher, zauberhafter Melodik und geradezu mystischen Passagen. Beim Finale wurde an der Temposchraube gedreht, so dass der Abend wie im Rausch zu Ende ging.

Während das Programm-Konzept mit der siebensätzigen Sinfonia Concetante im empfindsamen Stil des Wieners Carlo d'Ordonez als Mittelstück von langer Hand konzipiert war, gab es bei der Besetzung gewisse Probleme. Zwei Mal sagte der vorgesehene Tenor für die Arien der Opernkomponisten Kraus und Mozart ab. Als Ersatz für den Ersatz sprang schließlich Benjamin Bruns ein und der füllte die Partien ungeheuer nuancenreich.

Samtweich und geschmeidig, dann aber packend und mit vollem, energischem Sound etwa in der Ottavio-Arie "Dalla sua pace" aus Mozarts Don Giovanni. Einfühlsam und mit großem Gestaltungsspektrum brachte er dem Publikum die Arie des Timante "Misero pargoletto" von Joseph Martin Kraus nahe. Das Publikum jedenfalls war so beglückt, dass es den Ersatzmann so lange feierte, bis er noch eine Mozart-Zugabe nachlegte.

Quelle: RP
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