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Leverkusen
Stadt entlässt ihren "sehr erfolgreichen" Sparkassenchef

Leverkusen. Der Trennungsvertrag zwischen Stadt Leverkusen und Sparkassen-Vorstandschef Manfred Herpolsheimer ist fast unterschriftsreif. Von Ulrich Schütz

Die Stadt Leverkusen, genauer: die Politiker und Arbeitnehmervertreter im Sparkassen-Verwaltungsrat (Aufsichtsgremium) wollen den Leverkusener Sparkassenchef Manfred Herpolsheimer frühzeitig loswerden. Der offiziell angegebene Grund für die Auflösung des bis zum 30. September 2019 laufenden Vertrages: unüberbrückbare Differenzen zur strategischen Ausrichtung der Sparkasse Leverkusen. Wie die neue Geschäftspolitik des Geldinstitutes allerdings aussehen soll, sagte Verwaltungsratsvorsitzender und Oberbürgermeister Uwe Richrath nicht. Dies alles werde im Detail noch intern beraten: "Wir sind aber auf einem guten Weg."

Gestern legte der Oberbürgermeister jedoch eine Presseerklärung des Verwaltungsrates vor, die nur noch staunen lässt: "Es gibt keinerlei Zweifel daran, dass Manfred Herpolsheimer sein Amt stets loyal, ... und engagiert ... und wirtschaftlich sehr erfolgreich zum Wohle des Institutes und der Stadt ausgeübt hat", heißt es in der Mitteilung.

Und ein solcher Manager soll gefeuert werden, wie es der Verwaltungsrat schon am 22. März einstimmig beschlossen hat? "Wir blicken nicht zurück, sondern in die Zukunft", sagte Richrath nur knapp.

Vom Zeitpunkt und von der Art der Trennung hatte sich Herpols-heimer Mitte März noch überrascht und empört gezeigt. Oberbürgermeister Richrath habe ihm die Trennungsabsichten in einem dreiminütigen Treffen mitgeteilt, hatte der Sparkassenchef unserer Redaktion berichtet. Gestern sagte uns Herpolsheimer zu der neuen Entwicklung nichts mehr. "Ich bitte um Verständnis, dass ich keinen Kommentar abgeben werde."

Immerhin sollen die Anwälte der Stadt und von Herpolsheimer sich über einen Auflösungsvertrag und die finanziellen Auswirkungen schon geeinigt haben. Dazu scheint auch eine öffentliche Ehrenrettung für den in der Vergangenheit oft kritisierten Sparkassenchef zu gehören. In einer 15-zeiligen Presseinformation schrieb Richrath: "Der Verwaltungsrat der Sparkasse bedauert es sehr, dass ärgerliche Indiskretionen über einvernehmliche Erwägungen einer möglichen vorzeitigen Beendigung des ... Dienstvertrages mit dem Vorstandsvorsitzenden Manfred Herpolsheimer zu öffentlichen Herabsetzungen und unbegründeten Vorwürfen in den Medien geführt haben." Der Verwaltungsrat trete diesen Vorwürfen "entschieden und mit Nachdruck entgegen". Und: "Der Verwaltungsrat hebt ausdrücklich hervor, dass die annähernd 17-jährige Tätigkeit von Manfred Herpolsheimer für die Sparkasse außerordentlich erfolgreich war und es keinerlei Anlass für irgendwelche Beanstandungen gab oder gibt."

Die weiteren Verhandlungen mit Herpolsheimer würden "nun in Ruhe und im besten gegenseitigen Einvernehmen hinter verschlossenen Türen geführt". Insider berichten allerdings, dass fast jeder aus der Runde der Verwaltungsratsmitglieder negative Geschichten über den Sparkassenchef berichtet hatte. Herpolsheimer wurde dabei "Realitätsverlust" und "Großmannssucht" vorgeworfen. Das drängte die kleinen und großen finanziellen Hilfen der Sparkasse (Vereinsförderung, Museum, Neue Bahnstadt) in den Hintergrund.

Hinter den Kulissen läuft offenbar auch eine Schlammschlacht ab, bei der Mitglieder des Verwaltungsrates als "Alkoholiker, Rentner, Arbeitslose und ahnungslose Damen" bezeichnet werden. Auch die Homosexualität eines Gremium-Mitgliedes wurde wohl als Diskreditierungsversuch eingesetzt. In einem anonymen Brief an einen Gesprächspartner unserer Redaktion werden Richrath zudem längst behobene finanzielle Schwierigkeiten mit seinem Modeunternehmen vorgeworfen, bei denen Richrath und die Sparkasse Leverkusen wegen Zahlungen Streitigkeiten gehabt hätten. Und dieser Mann führe jetzt die Aufsicht der Sparkasse, schreibt jemand, der sich sehr gut in den Details der Sparkasse auskennen muss. Richrath entkräftete den Vorwurf: "Ich habe alles bezahlt, auch die Verbindlichkeiten meines Ex-Partners. Die Bankenfinanzaufsicht kennt meine Vorgänge genau", sagte Richrath.

Der Briefschreiber hätte ohnehin wissen müssen, dass seine Beschuldigungen ins Leere gehen. Die Bankenaufsicht (BaFin) durchleuchtet jeden Kandidaten, der in ein Sparkassen-Aufsichtsgremiun will, sehr genau. Das war auch bei Uwe Richrath so. Er hat die Prüfungshürden erfolgreich gemeistert.

Quelle: RP
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