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Hype um Pokemon Go
Stadt Leverkusen will gegen "Pokestop" an Gedenkstätte vorgehen

Hype um Pokemon Go: Stadt Leverkusen will gegen "Pokestop" an Gedenkstätte vorgehen
Am Gedenkplatz für die abgebrannte Synagoge Opladen gab es bislang einen offiziellen "Pokéspot" als Fanggebiet für virtuelle Monster. FOTO: US
Leverkusen. Das Handyspiel "Pokemon Go" sorgt in Leverkusen für Ärger. Anwohner beklagen sich über laute Gamer, und auch an der Opladener Synagogen-Gedenkstätte können Monster gejagt werden. Darf ein Computerspiel so weit gehen? Von Ulrich Schütz

Pokémon Go oder die Jagd nach den virtuellen Monstern begeistert viele junge Leute - und mich, den 60plus-Spiele-Senior. Es ist einfach witzig, diese kleinen Viecher in der Opladener Fußgängerzone oder vor dem Museum Morsbroich zu entdecken und zu fangen. Irgendwann stellt sich das Jagdfieber nach seltenen Figuren und möglichst hohem Level ein. Das Spiel mit dem Smartphone hat aber in Leverkusen inzwischen für einigen Ärger gesorgt und teils makabre Züge angenommen.

Brennpunkt 1: Gut Ophoven

Die skurrilsten Pokémon-Go-Vorfälle in NRW FOTO: Laura Ihme

Das Biologiezentrum Gut Ophoven zählte zu den ganz beliebten Monster-Jagdgebieten. Als der Hype vor etwa drei Wochen begann, fand Leiter Dr. Martin Kochanek das verstärkte Auftreten von Pokémon-Fans noch lustig: "Wir freuen uns ja über jeden Besucher." Dann hagelte es Beschwerden der Nachbarn. "Nachts um drei Uhr fuhren die Spieler mit heulenden Motoren über die Talstraße, die Musik laut aufgedreht, stoppten und gingen auf Jagd. Dabei ließen sie die Autos laufen", berichtet Kochanek über die Klagen der Anwohner. Andere Gruppen streiften ebenfalls nachts zu Fuß über das weitläufige Naturgelände und stimmten bei jedem Monsterfang Freudengeheul an. Da musste Kochanek handeln. Er ließ die Software-Verantwortlichen anmailen, damit sie das Gut als Hotspot abschalten. "Seitdem haben wir Ruhe", berichtet Kochanek gestern im Gespräch mit unserer Redaktion.

Der Leverkusener Ratsherr Manuel Lindlar kommentiert die überraschende Abschaltaktion von Gut Ophoven bei Facebook so: "War ein paar Mal abends und nachts dort, so massiv kann es nicht gewesen sein... Na ja, Seniorentown Leverkusen halt. Während andere Städte ihren Nutzen daraus ziehen, stinkt Leverkusen einfach mal wieder ab." Ein anderer Nutzer schreibt: "Ich finde es schade. Es waren Leute im Wald, die wohl schon Ewigkeiten kein Tageslicht mehr gesehen haben und so vielleicht mal wieder etwas Bezug zur Natur bekommen hätten." Noch ein Dritter meint: "Ich kann es verstehen, allerdings weiß ich nicht, ob man da nicht hätte versuchen können, eine Lösung zu finden."

Spiel: Pokémon Go - Alles was man wissen muss FOTO: Marcel Salven

Brennpunkt 2: Gedenkstätte an der Lessingstraße

Makaberes passiert derweil an der Lessingstraße in Opladen. Da fungiert die Gedenkstätte für die abgebrannte Synagoge als "Pokéspot". Hier lässt sich beispielsweise ein virtuelles "Enton" fangen. Mit einem Tipp auf den Handy-Bildschirm wird dabei der Gedenkstein mit der Bezeichnung "Synagoge Opladen" auch angezeigt. Mich berührt diese Kombination aus Erinnerung an "Synagogenbrand/Judenverfolgung" und fröhliches Spielen sehr tief. Darf ein Spiel so weit gehen? Selbst im KZ Auschwitz gab es Monsterfanggebiete, schreiben andere Zeitungen. Solche Orte fürs Spiel zu nutzen, so meine ich, überschreitet zulässige Grenzen.

Ein paar Meter nach der Synagogen-Gedenkstätte kommt das Café "Zettel's Traum". Die Betreiber machen klar: Hier ist "Pokémon-freie Zone". Aber offenbar nur dort, denn das nahe Beerdigungsinstitut auf der Altstadtstraße gilt laut Spiele-Software wieder als "Pokéstop". Die Beispielserie ließe sich für Leverkusen (und andere Städte) locker fortsetzen. Auch die im Wald nahe Schloss Morsbroich gelegene Grabstätte der Familie Diergardt ist ein "Monstertreffpunkt", allerdings so schlecht programmiert, dass Unkundige die Stelle nicht finden. Die Stadt Leverkusen wird aufgrund unserer Recherche die Pokémon-Programmierer der Firma "Niantic" bitten, die Synagogen-Gedenkstelle als Hotspot zu entfernen.

Quelle: RP
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