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Leverkusen
Stadt plant für die Reaktorkatastrophe

Leverkusen: Stadt plant für die Reaktorkatastrophe
Das Atomkraftwerk Tihange im belgischen Huy (Archiv). FOTO: dpa
Leverkusen. Das seit jüngster Zeit wegen Zwischenfällen wieder in den Blick der Öffentlichkeit geratene Atomkraftwerk Tihange in Belgien ist weniger als 100 Kilometer von Leverkusen entfernt. Wie arbeitet die Stadt im Katastrophenfall?, fragt die Politik. Die Verwaltung steckt noch in den Planungen. Von Ludmilla Hauser

Der Pannen-Atommeiler Tihange in Belgien ist dieser Tage wieder Thema in der Politik. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zu einem Kurswechsel bei der Versorgung des umstrittenen belgischen Atomkraftwerks aufgefordert. "Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen erwartet von Ihnen, dass Sie keine weitere Lieferung von Brennelementen genehmigen", schrieb Laschet kürzlich an Hendricks.

Nach dem Atomgesetz dürften Kernbrennstoffe nicht ausgeführt werden, wenn sie die innere oder äußere Sicherheit der Bundesrepublik gefährdeten, argumentiert Laschet. Bei Tihange sei dies gegeben. Und während die Städteregion Aachen - liegt Luftlinie rund 60 Kilometer von dem Atomkraftwerk entfernt - gegen Tihange klagt, winkt auch die hiesige Politik bei dem Thema nicht mit den Worten "zu weit weg" ab.

Vielmehr hat sich Ratsherr Kenneth Dietrich (parteilos) bei der Stadt für den Fall eines atomaren Störfalls im Hinblick auf "die Zwischenfälle und Pannenserien in den Atomkraftwerken Tihange 2 und Doel 3" nach dem Katastrophenschutz in Leverkusen erkundigt. Im Fragenkatalog des Politikers interessiert er sich etwa dafür, ob aktuell in der Stadt gesichert sei, dass alle Einwohner im Falle eines Falles Jodtabletten erhalten und wie zudem sichergestellt ist, dass diese auch angemessen verteilt werden, welche Empfehlungen die Stadt an die Bevölkerung in Sachen Notfallbevorratung gibt und wie sie dafür sorgt, dass vor allem auch hörgeschädigte Personen, die nicht über Radio und Sirenen erreicht werden, "entsprechende Warnungen und Hinweise" erhalten.

Die Stadt hat Dietrich jetzt über das Mitteilungsblatt z.d.A. Rat geantwortet. Ganz konkret wird die Verwaltung nicht: "Seitens des Ministeriums für Inneres und Kommunales NRW wurden der Stadt Jodtabletten zur Verfügung gestellt, die bei der Feuerwehr Leverkusen eingelagert sind." Wichtiger Nachsatz: "Diese sind für den Personenkreis: junge Menschen, Schwangere und Stillende bestimmt." So sagt es laut Stadt eine Bestimmung des Landes. Vor einem Jahr hatte Feuerwehrchef Hermann Greven angekündigt, dass die Feuerwehr im Herbst 2016 rund 150.000 einzelne Tabletten (in 50 Paketen mit 500 Packungen mit jeweils Einzelpackungen à sechs Jodtabletten) bekommen und einlagern soll. Damals hatte es geheißen: Im Ernstfall könnte die Zeit zum Verteilen knapp werden. Denn wie viel Zeit eine Stadt im Radius von 100 Kilometern von Tihange - dazu gehört auch Leverkusen - habe, sei unklar. Das hänge unter anderem etwa von der Windrichtung ab. "Wir wären im Wirkkreis um das Kraftwerk gar nicht drin, wäre der nicht von 50 auf 100 Kilometer vergrößert worden", merkte Greven damals an.

Die Tabletten sind mittlerweile "klimatisiert an einem zentralen Ort" gelagert, berichtet die Stadt auf Anfrage. "Das Verfallsdatum ist bekannt." Darauf werde geachtet.

Dazu, wie die Stadt die Tabletten dann verteilen soll, hat es laut Verwaltung mittlerweile eine Infoveranstaltung des Innenministeriums NRW gegeben, "an dem auch die Feierwehr der Stadt Leverkusen teilgenommen hat. Als Ergebnis aus diesem Termin wird der Fachbereich Feuerwehr zeitnah ein Konzept erstellen, wie die Verteilung der Jodtabletten im Ereignisfall erfolgen soll." Vor einem Jahr hatte die Feuerwehr angekündigt, sich bei der Tablettenvergabe an Aachen orientieren zu wollen.

Wie das Konzept aussieht, steht derzeit offenbar noch nicht ganz genau fest. Was "zeitnah" heißt, konnte die Stadt gestern noch nicht sagen. Dafür aber ist klar, wie hörgeschädigte Leverkusener informiert werden sollen: "...über die Warn-App Nina oder über Einblendungen in das laufende Fernsehprogramm", teilt das Finanzdezernat, derzeit noch unter der Leitung von Frank Stein, mit. Ihm untersteht auch die Feuerwehr.

Was die Vorräte angeht, beruft sich die Stadt auf Hiweise des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz. Daraus zitiert die Verwaltung etwa: "• Halten Sie pro Person ca. 14 Liter Flüssigkeit je Woche vorrätig, • geeignete Getränke sind Mineralwasser, Fruchtsäfte, länger lagerfähige Getränke; • Strom weg? Achten Sie darauf, dass Esswaren auch ohne Kühlung länger gelagert werden können und ein Großteil Ihres Vorrats auch kalt gegessen werden kann... • Halten Sie genügend Seife, waschmittel, Zahnpasta, Feuchttücher und Toilettenpapier vorrätig."

Wer sich genauer informieren möchte: www.bbk-bund.de/DE/Ratgeber.

Quelle: RP
 
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