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Leverkusen
Stadtchef weist Kreisverkehr-Kritik zurück

Leverkusen: Stadtchef weist Kreisverkehr-Kritik zurück
FOTO: Schütz, Ulrich
Leverkusen. Die von der SPD angestoßene Diskussion um den Berliner Platz kann Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn nicht nachvollziehen. Und er erhält dabei indirekt Unterstützung von Expertenseite. Von Peter Korn

Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn (CDU) hat sich unlängst mit den Leitern der Fachämter Tiefbau und Verkehr am Kreisverkehr Berliner Platz getroffen, um noch einmal in Augenschein zu nehmen, ob der Kreisel problematisch ist, wie die SPD aus ihren jüngsten Diskussionen mit Bürgern herauszuhören glaubt.

Ergebnis aus Sicht des Stadtchefs: "Der Kreisverkehr funktioniert einwandfrei und erfüllt modernste Ansprüche." Auch die Kritik, Lkw oder Busse hätten dort Probleme, konterte Buchhorn am Montag. Er sei mit Wupsi-Chef Kretkowski und einem Busfahrer im Gelenkbus am Berliner Platz auf Testfahrt unterwegs gewesen. Fünf Umläufe. "Und es gab nicht die geringsten Schwierigkeiten."

Taugt nicht als Vorbild: Die Place d'Etoile in Paris ist Standort des ältesten Kreisverkehrs. Er stammt aus dem Jahr 1907 und hat Platz für 16 Spuren. Einzige Regel: Wer von rechts kommt, hat Vorfahrt. FOTO: dpa

Die Genossen haben den Kreisverkehr im Wahlkampf um den Oberbürgermeisterposten zum wichtigen Thema erhoben. Buchhorn verweist dagegen darauf, der Kreisel sei vor einiger Zeit durch eindeutige Fahrbahnmarkierungen noch einmal optimiert worden. Auch habe er in den vergangenen Tagen zu diesem Thema Rückendeckung aus der Bevölkerung erhalten.

Und Buchhorn hat die Statistik in weiten Teilen auf seiner Seite: Eine bundesweite Untersuchung im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer (UDV) an 100 Kreisverkehren in ganz Deutschland hat nämlich ergeben, dass Kreisel innerorts ein deutlich höheres Sicherheitsniveau erreichen als einfache Kreuzungen oder Ampelkreuzungen.

Kreisverkehr-Experte: der Ingenieur Professor Werner Brilon. FOTO: uni Bochum

Einer der Hauptgründe dafür: Eine normale vierarmige Kreuzung hat Experten zufolge 32 mögliche Konfliktpunkte, bei einem Kreisverkehr seien es dagegen gerade einmal acht. Ein klarer Vorteil.

Der mittlerweile emeritierte Professor Werner Brilon, der lange Jahre an der Ruhruniversität Bochum gearbeitet hat, zählt zu den führenden Fachleuten in Sachen Kreisverkehre. Er sagte gestern im Gespräch mit unserer Zeitung: "Wenn es in einem mehrspurigen Kreisverkehr Probleme gibt, hat das meist mit unsicherem Fahrverhalten der Autofahrer zu tun."

Vom Kreisel überzeugt: Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn. FOTO: UM

Im Gegensatz zu Großbritannien gebe es hierzulande nämlich keine einheitlichen Verkehrsregeln, an denen sich die Autofahrer orientieren könnten. "In England gilt eindeutig: Wer auf der inneren Spur unterwegs ist, hat immer Vorfahrt", sagt Brilon. Alle, die von außen kämen, würden entsprechend vorsichtig fahren und auch nicht überholen. Deutschland dagegen habe sich in dieser Hinsicht nicht festgelegt. Und das sorge eben für Verunsicherung.

Der Wissenschaftler, der 2011 den renommierten Heureka-Lifetime-Award für sein Lebenswerk zur Verbesserung der Mobilität erhielt, hat in diesem Zusammenhang ein bestimmtes Verhalten immer wieder beobachtet: "Autofahrer bleiben auf der rechten Spur,, selbst wenn sie die dritte Ausfahrt im Kreisverkehr nehmen wollen - und alles nur, weil sie Angst haben, nicht wieder rechtzeitig herauszukommen."

Eine Einschätzung, die auch in Fahrlehrerkreisen geteilt wird. Jürgen Domke beispielsweise ist seit 33 Jahren Fahrlehrer. Der Leverkusener bestätigt: "Die meisten Fahrschüler sind mit dem Kreisel hoffnungslos überfordert, übrigens genauso wie mit dem in Wiesdorf." Er glaubt allerdings: "Mit noch deutlicheren Markierungen könnte man die Situation verbessern."

Quelle: RP
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