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Integrationsprojekt
Spielerischer Kontakt: Pfadfinder besuchen Flüchtlingskinder in Schlebusch

Leverkusen. Eine Hüpfburg und ein Lagerfeuer - das reicht, um Kindern eine Freude zu machen. Und mit guter Laune fällt das Kontakteknüpfen auch gleich viel leichter. Am Samstag veranstalteten die Pfadfinder der Stämme Gezelin und Woodstock aus Schlebusch und Steinbüchel einen Spielenachmittag für Flüchtlingskinder. 40 junge Pfadfinder trafen auf 40 Flüchtlingskinder. Neben der Erstaufnahmeeinrichtung Im Bühl wurde ein Zelt mit Spielmöglichkeiten aufgebaut.

"Für Kinder ist die Herkunft kein Thema. Die brauchen keine großen Pläne, die den Umgang miteinander regeln", sagte Alexander Linker von den Pfadfindern aus Steinbüchel. "Jeden Tag eine gute Tat" ist für den Pfadfinder seit 25 Jahren nicht mehr bloß ein Spruch. Der Plan für die Flüchtlingshilfe sei vor einem halben Jahr entstanden. Auf Landesebene wurde das Thema vom Bund der Pfadfinder NRW zur Jahresaktion ernannt. Eine geeignete Hilfsmöglichkeit zu finden, gestaltete sich in Leverkusen allerdings schwierig. "Das Leverkusener Konzept sieht eigentlich keine gebündelte Unterkunft der Flüchtlinge vor", erklärte Linker. Es sei deshalb zunächst schwer gewesen, mehrere Kinder gleichzeitig zu erreichen.

Vor drei Wochen eröffnete dann die Erstaufnahmeeinrichtung Im Bühl. Für die Pfadfinder sei es kein Problem gewesen, die Veranstaltung spontan auf die Beine zu stellen. "Für uns ist es besonders wichtig, dass wir den jüngeren Stammmitgliedern Engagement vorleben", sagte Linker. Aber auch für die Erwachsenen sei die Begegnung mit den Flüchtlingen eine neue Erfahrung gewesen, die mit Anspannung verbunden war.

Dies erwies sich als überflüssig. Die Kinder gingen den Erwachsenen als Vorbilder voraus. Zuerst halfen die jungen Pfadfinder den kleinsten Flüchtlingen auf die Hüpfburg, dann kamen auch die Erwachsenen am Lagerfeuer ins Gespräch. Die Sprachbarriere sei schnell überwunden worden, sagte Thomas Krisch vom Stamm der Gezelin. "Vor allem viele Kinder können schon überraschend gut Deutsch", bewunderte der Pfadfinder.

Die Familien, die in der Unterkunft wohnen, freuten sich über die Abwechslung. "Wir mögen die Unterkunft und haben sehr viel Spaß", sagte Noor Al.himirg. Die Mutter eines vierjährigen Mädchens und eines achtjährigen Jungen ist mit ihrem Mann aus dem Irak geflüchtet. Vertrieben von dem Krieg in der Heimat sind die vier unter anderem durch die Türkei, Mazedonien, Serbien und Bulgarien geflohen. Zwar genießt die Familie die Ablenkung durch den Spielenachmittag, die Sorge um die Zukunft lässt die Mutter allerdings nicht ganz los. "Die Kinder brauchen einen Schulplatz und auch wir Erwachsenen möchten täglich Deutschunterricht nehmen", betonte sie in gebrochenem Englisch.

(sch)
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