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Leverkusen
Stadtmusikanten auf Morsbroich

Leverkusen. Das Renaissance-Ensemble "Capella de la Torre" vermittelte dem Publikum beim Matineekonzert im Spiegelsaal die musikalische Vielfalt des Mittelalters. Von Gabi Knops-Feiler

Die "Stadtpfeifer" waren in der Stadt. Sie spielten aber nicht, wie einst üblich, zu festlichen Ereignissen oder vom Turm. Vielmehr eröffnete das Ensemble "Capella de la Torre" beim Matineekonzert im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich einen faszinierend kreativen Lebensraum. Die "Ministriles", die reisenden Stadtmusikanten, rückten bei ihrem Spiel am Valentinstag ganz die fröhlichen Weisen und Instrumente des Mittelalters und der Renaissance in den Mittelpunkt ihrer Vorführungen.

Die Tonkünstler ließen den musikalischen Glanz ferner Zeiten wieder auferstehen, indem sie ihre Gäste mit Hilfe der damals in ganz Europa verbreiteten "Hauts Instruments" auf eine Zeitreise und eine musikalische Tour durch Europa mitnahmen. Hildegard Wippermann betörte auf dem Pommer, aus dem die heutige Oboe entwickelt wurde. Gerd Schnackenberg spielte die Renaissance-Posaune, Regina Hahnke bezauberte auf dem Bassdulzian, einem Vorgänger des heutigen Fagotts. Peter A. Bauer begeisterte mit lautmalerischer Perkussion, während Katharina Bäuml die Schalmei perfekt beherrschte.

Unter den Besucher war auch ein deutsch-spanisches Ehepaar aus Schlebusch mit seinen Töchtern Bejoña (12) und Mónica (9). Sie wollten die Veranstaltung nutzen, um den Kindern die Vielfalt der Musik zu demonstrieren. Letztlich waren alle vier von der Musik des Mittelalters und der Art, wie sie vorgetragen wurde, gleichermaßen begeistert. Etliche andere Zuhörer schlossen die Augen und fühlten sich um Jahrhunderte zurückversetzt, als die franko-flämische Musik stilbestimmend war, ehe ab Mitte des 16. Jahrhunderts Impulse aus Italien kamen. Aber auch Kompositionen von Josquin Desprez (Flandern), Claudin de Sermisy (Frankreich) oder Juan del Encina (Spanien) vermittelten einen Eindruck von der einstigen Vielfalt.

Der Name "Capella de la Torre" (wörtlich: "vom Turme") deutet zum einen hin auf die historischen Blasinstrumente, zeitgenössisch als "Capella Alta" bekannt. Zum anderen ist er als Reminiszenz an den spanischen Komponisten Francisco de la Torre zu verstehen.

Seit Gründung im Jahr 2005 hat sich das Renaissance-Ensemble unter Leitung von Katharina Bäuml zu einer der meistgefragten Formationen für Musik des 16. und frühen 17. Jahrhunderts entwickelt.

Quelle: RP
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