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Leverkusen
Streit um Gies-Erbe im Forum

Leverkusen. Weil das Forum kein angemessener Ort für Werke von Ludwig Gies sei, wird die Stadt verklagt. Von Monika Klein

Über 16 Jahre lang präsentierte das Museum Morsbroich dauerhaft einen Ausschnitt des Nachlasses von Ludwig Gies in einem kleinen Nebenraum der Grafiketage unter dem Dach. Damit erfüllte man das Versprechen, das die Stadt Leverkusen 1975 gegeben hat. Denn das umfangreiche Vermächtnis, das 80 Kleinplastiken, 100 Medaillen und Plaketten, 65 Holz- und Metallplastiken sowie Zeichnungen und Entwürfe umfasst, war an die Auflage geknüpft, ständig einen repräsentativen Ausschnitt des Ouevres zu zeigen. Nachdem ein Großteil der Werke zur Kleinplastik Triennale in Fellbach ausgeliehen war, kehrten sie nicht an den angestammten Platz zurück, der jetzt für wechselnde Präsentationen, etwa Neuerwerbungen genutzt wird.

Stattdessen werden Ausschnitte aus dem Gies-Nachlass nun im Forum-Foyer gezeigt. Weil sie diesen Ort für ungeeignet hält und zurück ins Museum will, hat die Letter-Stiftung nun gegen die Stadt Leverkusen geklagt. Die Stiftung hält die Bildrechte, die in der Regel bis 70 Jahre nach dem Tod eines Künstlers festgeschrieben sind. Vergangene Woche wurde der Fall am Landgericht verhandelt, ohne dass das Gericht zu einer abschließenden Entscheidung kam. Die Verhandlung ruht, nachdem beide Parteien zur Zusammenarbeit aufgerufen wurden.

Die wird nun so aussehen, dass man sich in der Stadtverwaltung, sprich KulturStadtLev, auf die Suche nach einem geeigneten Ort begibt, an dem dauerhaft ein Ausschnitt des Gies-Nachlasses für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Vitrinen im Forum-Foyer, das täglich von vielen Menschen besucht wird, sollen es jedenfalls nicht länger sein, verlangt die Letter-Stiftung.

Ins Museum zurücknehmen will Leiter Dr. Markus Heinzelmann eine solche Dauerpräsentation auch nicht, das hat er vor Gericht klar gesagt und begründet. Statische Ausstellungen entsprechen nicht der Philosophie des Hauses, das mit wechselnden Exponaten zu verschiedenen Themenstellungen arbeitet. Übrigens recht erfolgreich, wie diverse Auszeichnungen in den vergangenen Jahren und das überregional wieder gewonnene Renommee zeigen. Die Spielregeln gelten schließlich auch für die umfangreiche eigene Sammlung, aus der immer nur Einzelstücke präsentiert werden, wo sie inhaltlich passen.

Umfangreicher vorgestellt wird sie in großen Wechselausstellungen wie "Eine Handvoll Erde aus dem Paradies. Magische Bilder und Objekte aus dem Museum Morsbroich" in 2013 oder Ende dieses Jahres die "Drama Queens. Die inszenierte Sammlung". "So halten wir sie lebendig, arbeiten sie historisch auf und machen sie für ein überregionales Publikum interessant", betont Heinzelmann. Im übrigen dürften die meisten Museumsbesucher der Grafik-Etage während der letzten 16 Jahre an dem kleinen Gies-Kabinett vorbeigegangen sein, ohne einen Blick hineinzuwerfen. Nach dem Motto: Das war ja schon immer da und gehört sowieso nicht zur Ausstellung.

Die Frage nach der Besucherzahl im Gies-Raum kann Markus Heinzelmann, der sich wegen des ruhenden Verfahrens derzeit nicht öffentlich in der Sache äußert, nicht beantworten. "Wir zählen nur die Museumsbesuche insgesamt, nicht die einzelnen Bereiche."

Die einstweilige Verfügung hat Heinzelmann akzeptiert. Darin sind die Bedingungen aufgelistet, unter denen der Gies-Nachlass präsentiert werden soll. Beispielsweise konservatorische Auflagen wie eine Durchschnittstemperatur von nicht mehr als 25 Grad, für Holz- und Elfenbeinobjekte ist eine Maximaltemperatur von 20 Grad vorgeschrieben. Die relative Luftfeuchte muss zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Beides dürfte nun im Forum eher gegeben sein als unter dem nicht klimatisierten Schloss-Dach. "In der Grafik-Etage ist es im Sommer wärmer als 25 Grad", bestätigt Heinzelmann auf Nachfrage, und: "Das ist etwas, das wir unseren Leihgebern für Sommerausstellungen auch immer mitteilen."

Bei der Suche nach einem geeigneten Ort für die Arbeiten von Ludwig Gies will der Museumsleiter die Kollegen von KulturStadtLev unterstützen und sie darüber hinaus fachlich beraten.

Das Foto von Heinz-Friedrich Hoffmann zeigt eins der Werke aus dem Nachlass von Ludwig Gies, die im Forum zu sehen sind.

Quelle: RP
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