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Leverkusen
Suchthilfe kennt 220 Junkies mit Namen

Leverkusen. Einen Diskussionsabend zum Thema Sucht lockte am Donnerstag rund 25 Gäste an - darunter Experten von Polizei, Suchthilfe und Malteser-Hilfsdienst. Organisiert durch die Frauen Union gesellten sich auch (ehemals) Betroffene hinzu, mit denen ein lebendiger Austausch entstand. Ein Bericht zur Lage. Von Tobias Brücker

Seit Gründung der Suchthilfe Leverkusen arbeitet Peter Helgers dort. Das ist 19 Jahre her. In dieser Zeit hat er viele Menschen kommen und auch gänzlich gehen sehen. "Erst heute war ich auf einer Beerdigung einer langjährigen Klientin", betonte er im Haus Reuschenberg.

In Küppersteg sei gerade die Heroin-Problematik vorhanden. "220 Leute kenne ich namentlich", erzählte er. Das sei eine verlässliche Größe, eine Dunkelziffer gibt es aber wohl dennoch. Insgesamt nähmen der Missbrauch von synthetischen (Amphetamine) und leichten Drogen (Cannabis) zu - gerade bei jungen Leuten zwischen 20 und 30 Jahren. "Das geht meist mit einer Doppeldiagnose einher", sagte Helgers. Das bedeutet: Der Drogenkonsum führt zu psychischen Erkrankungen. Einen Appell an die Politik konnte sich der Betreuer nicht verkneifen. Es gebe zu wenig Mitarbeiter, um die Menge an Leuten zu erreichen.

1978 begann Michael Gober seinen Dienst bei der Polizei - bis vor drei Jahren im Außendienst. "Als ich anfing, gab es eine deutlich begrenzte Anzahl von Drogen", erzählte er. Seitdem sei Bandbreite größer geworden. Besonders schlimm sei es für ihn gewesen, wenn Süchtige nicht verstanden, was sie sich selbst und anderen antaten. "Für Eltern ist oft eine Welt zusammengebrochen." Drogenverstecke seien nur schwer zu finden, die meisten Funde Zufall. Man erwische niemanden mit vollen Taschen. Und meist nur bei Auffälligkeiten im Straßenverkehr.

Stephan Heller, Beschäftigter beim Malteser Rettungsdienst, mahnte die Vorgänge karnevalsdonnerstags an, wenn sich in Schlebusch tausende Jugendliche treffen, um den Beginn der Straßenkarnevalszeit zu feiern. "Das ist das Paradebeispiel", betonte er. Dort werde nicht nur mit Alkohol, sondern auch anderen Drogen über die Stränge geschlagen, etwa mit Ecstasy-Pillen oder Hasch.

Die 20 Zuhörer erfragten die Ursachen für Drogenkonsum, wollten verstehen, welchen Gründe Menschen dazu bewegt, bewusstseinserweiternde Mittel einzunehmen. Helgers: "Meist erfolgt im Leben derer ein Bruch, jedem kann das passieren - auch mir." Die Droge eröffnet dann einen Zufluchtsort.

Quelle: RP
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