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Leverkusen
Sven Pistor doziert im Scala-Club herrlich über die "schottische Furche"

Leverkusen. In der Schule findet Fußball nur im Sportunterricht oder als Pausenvergnügen statt. Wie schade das ist, davon bekam nun das Publikum von Sven Pistors "Fußballschule" einen lebhaften Eindruck. Mit seinem Kollegium, das aus Radio-Kollege Burkhard Hupe und Ex-Torwart Oliver Reck besteht, machte der "Klassenlehrer" im Scala-Club Station mit einer Bildungsoffensive rund um den liebsten Sport des Landes. Von Tobias Krell

Ihre kurzweilige Doppelstunde begeisterte auch ausgesprochene Schul-Muffel. Der WDR-2-Moderator aus dem Kölner Norden philosophierte in "System und Taktik" mit Reck neben aktuellen Spielsystemen auch über mehr oder weniger erfolgreiche historische Varianten. Sie behandelten etwa die 1872 praktizierte "schottische Furche", das so genannte "WM-System", das Fritz Walther & Co. 1954 zum Titel führte, und die Rolle von Franz Beckenbauer im 1974er Weltmeister-Team.

In "Geschichte" gab es einen Rückblick auf die Anfänge der Sportreportage im Radio - und natürlich den unvergesslichen Endspiel-Kommentar, den Herbert Zimmermann 1954 aus dem Berner Wankdorfstadion in die Wohnzimmer der jungen Bonner Republik sandte. Spannend machten diese Unterrichtseinheit die O-Töne von einst - und der Seitenblick auf die Kommentatoren-Kollegen Zimmermanns, die das Finale in die DDR und Ungarn übertrugen.

Pistor, Reck und Hupe fanden genau die richtige Mischung aus nerdigem Fußball-Wissen ("Didi war der Erfinder der Bananenflanke"), Scherzen ("Wer Fan von Bielefeld ist, der meint es mit dem Fußball wirklich ernst"), Anekdoten (Recks Erzählung über Helmut Kohls Kabinenbesuch beim EM-Sieg 1996), Expertentalk (Reck: "Bayer müsste mit diesem Kader in die Championsleague kommen") und Interaktivität (beim "Klassenquiz" wurde der "Fußball-Klugscheißer von Opladen" gesucht).

Reck ist zwar nicht so ein Sprücheklopfer wie Peter Neururer (bei anderen Terminen der Tour Pistors Gast-Lehrer), trumpfte dafür mit Fachwissen auf - etwa zur Fanfreundschaft von Bayer-Fans mit denen von Offenbach oder zum aktuellen Ligageschehen.

Das Sahnehäubchen steuerte der Chor Cantabile bei. Die rüstigen Damen mit Fußballschal aus dem Ruhrpott gaben Fangesänge und Fußballsongs zum Besten - von "Fußball ist unser Leben" bis zum "Zebra-Twist" des MSV Duisburg.

Pistor verzichtete auf die Verhängung von Hausaufgaben. Allerdings bat er zum zwanglosen "Nachsitzen". Wer mochte, konnte nach Ende des Unterrichts in der "Mixedzone" noch mit ihm und den übrigen Lehrern ins Gespräch kommen.

Auch wenn die Opladener Abschlussklasse sogar freiwillig nachgesessen hätte, muss sie sich nun etwas gedulden. Aber Ende November gibt es ein Wiedersehen. Dann lädt Klassenlehrer Pistor wieder in die Scala-Lehranstalt - zur "Lektion Bundesliga", deren Vorpremiere hier stattfindet.

Quelle: RP
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