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Leverkusen
Taschendiebe: Opfer fordert jetzt Warnungen auch in Supermärkten

Leverkusen. Margarete Tolksdorf wurde von Dieben im Supermarkt bestohlen. Die Steinbüchelerin verlangt mehr Vorbeugung. Von Roman Zilles

Erst als an der Kasse ihr Griff nach dem Portemonnaie ins Leere ging, registrierte Margarete Tolksdorf den Verlust: "Ich habe von der Tat nichts bemerkt. Dabei hatte ich die Tasche immer in der Hand", berichtet die Steinbüchelerin. Im Nachhinein sei ihr klargeworden, dass es wohl zwei junge Frauen waren, die sie vor fünf Wochen in der Lidl-Filiale in Steinbüchel bestohlen haben. "Die Mädchen standen zweimal neben mir. Immer eine rechts, eine links. Und die rechts ist immer hochgesprungen, als ob sie etwas oben aus dem Regal greifen wollte", sagt Tolksdorf.

Später stellte sie fest, dass das Reißverschlussfach ihrer Handtasche offen, der Geldbeutel mit knapp 100 Euro weg und die Tasche an einer Stelle aufgeschlitzt war. Sie erstattete Anzeige, aber "inzwischen wurde das Verfahren eingestellt", erzählt sie.

Vollständig auf sich beruhen lassen will Tolksdorf das Ganze aber nicht. Mehrfach hat sie beim Kundenservice von Lidl angerufen - zuletzt, nachdem sie in unserer Zeitung gelesen hatte, dass in der Leichlinger Lidl-Filiale zwei Frauen auch bestohlen worden waren. Sie habe angefragt, ob am Eingang der Lidl-Märkte Plakate aufgehängt werden können, um vor möglichen Taschendieben zu warnen und zu sensibilisieren. Aber auch andere Märkte sollten sich aufgerufen fühlen. "Das ist ein Problem, das alle Discounter und Supermärkte betrifft", sagt Tolksdorf.

Ein Lidl-Sprecher teilt auf Anfrage unserer Redaktion mit: "Die beschriebenen Vorfälle können wir nicht bestätigen und haben daher keine Aushänge oder weitere Maßnahmen in unseren Filialen vorgesehen. Davon abgesehen stellen wir keine signifikante Zunahme der Diebstahldelikte fest."

Die Polizei in Köln teilt die Einschätzung der Steinbüchelerin, dass Taschendiebe oft in Supermärkten nach Beute suchen, ebenfalls nicht. "Das sind keine klassischen Schwerpunkte für Taschendiebstähle", sagt Polizeisprecher Dirk Weber. Dies seien eher Rolltreppen oder Türen von Bussen und Bahnen. "Da, wo viele Menschen sind, wo es sich knubbelt", komme es oft zu Taschendiebstählen.

Die Essener Polizei hat dagegen zur Warnung der Bevölkerung erst vor kurzem ein Überwachungsvideo veröffentlicht, das zwei junge Taschendiebinnen in einem Supermarkt auf frischer Tat zeigt. Was in dem Film zu sehen ist, erinnert sehr an das, was Margarete Tolksdorf erlebt hat.

Auch bei der Polizei des Rheinisch-Bergischen Kreises sieht man die Sache etwas anders als die Kölner Kollegen: "Supermärkte und Discounter sind keine unbekannten Tatorte für Taschendiebstähle", sagt Sprecherin Claudia Kammann. Einen Aushang, wie ihn Tolksdorf anregt, hält sie für sinnvoll und macht gleich ein bisschen Werbung für das eigene Angebot: "Es ist zu begrüßen, wenn so etwas in Eigenregie geschieht. Aber unser Kommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz berät unter 02202 205430 auch alle Einzelhändler gerne in dieser Angelegenheit."

Mit einigem Ehrgeiz ringen Kammann und Kollegen dem polizeilichen Computersystem eine Statistik ab - wenn auch ohne Gewähr auf 100-prozentige Genauigkeit. Demnach wurden im Kreis im vorigen Jahr 99 Taschendiebstähle in Super- beziehungsweise Verbrauchermärkten aufgenommen. In Leichlingen waren es drei. Bis einschließlich April waren es in diesem Jahr bereits fünf in der Blütenstadt und im gesamten Kreisgebiet 46 - also fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Margarete Tolksdorf geht derweil mit einer neuen Tasche einkaufen, die sie vor dem Oberkörper trage: "So weit ist es schon gekommen."

Quelle: RP
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