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Leverkusen
"Tausende auf der Stelze - ein starkes Symbol"

Leverkusen: "Tausende auf der Stelze - ein starkes Symbol"
Die A1 samt Leverkusener Kreuz wird ausgebaut. Die Stadt kämpft für einen A1-Tunnel vom Kreuz Richtung Rheinbrücke statt einer neuen Stelze (auf dem Bild ist rechts der Bay-Arena die derzeitige Stelze zu erkennen). FOTO: UM
Leverkusen. In Berlin hilft für die A1-Tunnellösung nur massiver Druck auf Minister Dobrindt, sagt Abgeordneter Lauterbach. In Leverkusen muss mehr Öffentlichkeit her, sagt Ratsherr Scholz. Von Ludmilla Hauser und Ulrich Schütz

Einfach so und ohne Genehmigung auf das Leverkusener Autobahnkreuz marschieren und die Autobahn blockieren? Zivilen Ungehorsam zeigen, wie es SPD-Ratsherr Oliver Ruß im Stadtrat jetzt gefordert hat? "Nein, das geht so nicht. Da bin ich nicht dabei, nur bei einem genehmigten Protest", sagt CDU-Bundestagsabgeordneter Helmut Nowak im Redaktionsgespräch. "Ich bin aber ganz klar für eine Tunnellösung zwischen Kreuz und Rheinbrücke", betont der Schlebuscher, der vor 40 Jahren nach Leverkusen gekommen ist. Der Tunnel könne ein Stück zerschnittene Stadt heilen. Immerhin führten drei große Verkehrstraßen durch Leverkusen.

"Nächste Woche bin ich mit Minister Alexander Dobrindt verabredet. Ich werde ihm die Situation schildern, die in Leverkusen zu massivem Ärger führt", verspricht Nowak. Wer sich aber die neue Straßenkarte von Straßen.NRW ansehe, erkenne schon die neue Rheinbrücke. "NRW-Minister Groschek (SPD) hat sich doch im Grunde schon festgelegt, dass es keinen Tunnel für die A1 geben wird", sagt er. Eine Riesenstelze quer durch Küppersteg könne der Staat den Menschen nicht zumuten.

Leverkusen: Ein Ortsbesuch an der Autobahnstelze

Dass Gespräche mit dem Bundesverkehrsminister viel bringen, davon ist Karl Lauterbach, SPD-Bundestagsabgeordneter für Leverkusen, nicht ganz überzeugt. Vielmehr watscht er, "nachdem ich mich lange mit Kritik zurückgehalten habe", den CSU-Mann verbal ab. "Ich erhalte aus Richtung Dobrindt ausschließlich negative Nachrichten. Der Mann tritt verständnisvoll in Leverkusen auf, vertritt aber, so wie ich das mitkriege, die knallharte Ablehnung eines Tunnels."

Anders kann sich Lauterbach nämlich nicht erklären, dass Dobrindt sagt, das Land solle den A1-Tunnel bauen und die Stadt soll dessen Betrieb zahlen, "obwohl er weiß, dass Leverkusen sich im Nothaushalt befindet", schimpft Lauterbach im RP-Gespräch. "Dobrindt rechnet doch damit, dass Leverkusen sich das nicht leisten kann. Das Verhalten ist völlig inakzeptabel."

Vor allem, weil Leverkusen ein bundesweiter Knotenpunkt in den Bereichen Eisenbahn, Verkehr und Chemie sei. Gerade Letzteres sorge auch mit für die schwarze Null in Deutschland. "Man kann nicht Leverkusen für den Erhalt des Wirtschaftsstandorts Deutschland melken und tut dann nichts für die Stadt. Leverkusen hat in den vergangenen Jahren nichts vom Bund gewollt. Die Bürger waren hier immer sehr bereit, ihren Beitrag zu leiten für die Wirtschaft und sich auch mit den Gefahren, die Chemieanlage haben, zu arrangieren." Aber von Dobrindt kämen keine Signale, dass sich was bewegt. "Eine Straßenblockade wäre nur die Ultima Ratio. Das ist noch nicht nötig", sagt Lauterbach, der in dieser Sache vorerst nicht zusagt, mitzumachen. Was jetzt wichtig sei: massiver Druckaufbau in Berlin, sagt er, "2017 sind Wahlen". Der A1-Ausbau sei ein wichtiger Wahlprüfstein.

Für den Rheindorfer CDU-Ratsherrn Rüdiger Scholz wäre ein Protest auf der Autobahn "ein starkes Symbol, wenn Tausende auf der Stelze entlanglaufen". Viel Zeit, um für den Tunnel zu kämpfen, habe Leverkusen nicht mehr. "Wir müssen jetzt in Düsseldorf klar machen, dass wir den Tunnel wollen." - "Die Begründung für das Verbot der ersten beantragten A1-Demo, dafür müsse man eine halbe Stunde den Verkehr stoppen, ist nicht stichhaltig. Die Initiative muss nochmal einen Antrag stellen." Falls dies wieder nicht genehmigt würde, "muss man immer weiter diesen Antrag stellen."

Scholz, der nach eigenen Angaben in Kontakt mit Landespolitikern ist, meint auch, man müsse das Thema stärker in die Öffentlichkeit tragen: Avea-Autos, Wupsi-Busse mit "Tunnelwerbung", den EVL-Turm erstrahlen lassen. Dass die Wupsi es abgelehnt habe, auf Bussen in diese Richtung zu plakatieren, kann Scholz nicht nachvollziehen. "Es heißt, das sei versteckte Gewinnausschüttung für die Stadt. Ja, dann muss man dem anderen Eigentümer, dem Rheinisch-Bergischen Kreis, eben ein ähnliches Angebot für ein Projekt machen", schlägt Scholz vor und wettert: "Wenn man sich 1974 so verhalten hätte, als es um die Eingemeindung nach Köln ging, dann wäre Leverkusen heute gar nicht mehr."

Quelle: RP
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