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Leverkusen
Technische Berufe sind nicht "sexy" genug

Leverkusen: Technische Berufe sind nicht "sexy" genug
Jennifer Rehbach und Lurena Manuse (beide 17) informieren sich am ziemlich beliebten Stand des neuen Bayer-Kunststoff-Unternehmens "Covestro" über die Ausbildungsangebote. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Currenta: 200 Bewerbungen auf eine Stelle im kaufmännischen Bereich, nur zehn für einen technischen Beruf. Von Jim Decker

Den meisten Zulauf beim "Tag der Ausbildung" im Chempark hat der Stand von Covestro, der erst kürzlich ausgegliederten Kunststoff-Sparte von Bayer. Die Stellwände zeigen die Covestro-Farben auf schwarzem Grund. Außerdem, das ist nicht zu unterschätzen, gibt es hier Kugelschreiber und Stofftaschen. Dafür interessieren sich Jennifer Rehbach und Lurena Manuse (beide 17) aber wenig. "Wir informieren uns hier über die verschiedenen Möglichkeiten einer Ausbildung", sagt Jennifer, die mit Lurena das Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium machen wird. "Wir können uns das schon vorstellen", sagt Jennifer. Der Tag sei eine gute Informationsquelle, um die Berufsfelder abzuklopfen. Allerdings sind sich beide sicher: "Es wird für uns eher der kaufmännische Bereich."

Beim "Tag der Ausbildung" stellen sich jedes Jahr viele der im Leverkusener Chempark ansässigen Unternehmen wie Bayer, Covestro, Currenta und Lanxess vor und präsentieren ihre Berufs- und Ausbildungsangebote. Das Themenfeld reicht von den kaufmännischen über technische bis hin zu naturwissenschaftlichen Berufen. "Von "Kaufleuten" werden wir dabei förmlich überrannt", sagt Wilhelm Heuken, Leiter der Ausbildung bei Currenta. Auf eine kaufmännische Stelle kämen nicht selten 200 Bewerbungen. Bei den technischen und naturwissenschaftlichen Berufen hingegen seien es auch mal nur zehn Bewerbungen auf eine Stelle. Einen Bewerbermangel gebe es für die Betriebe im Chempark aber noch nicht, versichert Heuken. Das Grundproblem, dass Naturwissenschaften schlichtweg für viele nicht "sexy" genug seien, bestehe aber. "Deswegen muss man da schon eine gewisse Überzeugungsarbeit leisten", betont der Ausbildungschef.

Die Chempark-Konzerne werben mit guten Bedingungen: "Wir übernehmen zumindest bei Currenta alle Azubis später unbefristet", sagt Heuken. Einzig die Kaufleute bekämen zunächst einen befristeten Vertrag. Immerhin würden rund 400 Menschen allein am Standort Leverkusen ausgebildet. Bei den Bewerbungen gebe es gleich "die vierfache Chance", da sich Bewerber bei allen vier Betrieben auf dieselbe Stelle bewerben könnten. Die Ausbildung umfasse dann klassisch jeweils ein Drittel Zeit in der Schule, im Betrieb und im Ausbildungszentrum im Chempark. "Wir achten auch darauf, unsere Ausbildung weiter zu digitalisieren, zuletzt haben wir das durch eine sogenannte E-Kademie getan, mit der online gearbeitet werden kann", schildert Heuken.

Bedauerlich sei lediglich, dass sich immer noch viel zu wenig Mädchen für technische Berufe interessierten. "Bei den Naturwissenschaften ist es ausgeglichen", lobt der Currenta-Ausbilder, bei den Kaufleuten seien fast nur Frauen zu finden. "Dabei tun Frauen so einer Jungentruppe doch meistens sehr gut." Anschluss finden sollen allerdings auch Flüchtlinge, denen ab Oktober die verschiedenen Optionen einer Ausbildung im Chempark aufgezeigt werden sollen.

Quelle: RP
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