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Leverkusen
Theaterkurs soll Flüchtlingskindern Sicherheit geben

Leverkusen. Mit einem breiten Grinsen hält Mohammad ein kleines Megafon in den Händen. Gerade stehen er und seine beiden Schwestern vor den Regalen im Fundus des Jungen Theater Leverkusen (JTL). Sich etwas aus den vielen Dingen herauszusuchen, fällt den Kindern, die vor acht Monaten aus Syrien nach Deutschland kamen, etwas schwer. Von Tobias Brücker

Im Rahmen eines Theaterworkshops ist das Trio mit Vater Maisam al Assad am Samstagmorgen zu den Räumlichkeiten in der Karlstraße gekommen. Hier sollen sie ihre Stimme kennenlernen, ihren Körper, damit einhergehende Bewegungsabläufe und Mimik lesen können und etwas Kontrolle zurückgewinnen. "Sie sind hier total fremd, das ist immer mit Kontrollverlust verbunden", erläutert Dominik Breuer, der die zwei Stunden an diesem Tag leitet und zum künstlerischen Leitungsteam des Brachland Ensembles gehört.

Eine Gruppe, die ein ganz besonderes Projekt auf die Beine gestellt hat. Ein Projekt, das nicht nur vom Land und einigen Stiftungen unterstützt wird, sondern gar für den Innovationspreis für Soziokultur nominiert ist. Dabei wird es Geflüchteten ermöglicht, mit deutschen Senioren, die ebenfalls eine Fluchtvergangenheit haben, in Briefform Kontakt aufzunehmen. "Das gestaltet sich manchmal etwas schwierig. Man merkt, dass etwas Verdruss da ist", sagt Breuer. "Ist diese Kruste aber erstmal durchbrochen, zeigt sich, was alles möglich wäre, würden alle mitziehen", betont der 38-jährige Theatermann.

Und innerhalb dieses Projekts, das nicht nur in Leverkusen, sondern auch in anderen Städten stattfindet, treffen sich seit geraumer Zeit täglich sechs bis neun Jugendliche im JTL - an diesem Tag sind es eben nur der sechsjährige Mohammad und seine Schwestern Tala (9) und Rita (11). Als sie über Kopfhörer ihre eigenen Stimmen verzerrt hören können, kommen sie aus dem Lachen nicht mehr heraus - Vater Maisam filmt. Die Kinder können sich bereits gut in Deutsch ausdrücken, ist die Lernfähigkeit doch gerade in diesem Alter besonders hoch. "Da muss die Politik viel mehr Ansätze finden", fordert Breuer. Von all dem bekommen die Kinder wenig mit, die freuen sich einfach: "Es macht Spaß, wir spielen und lernen viel", erzählt die aufgeweckte Tala.

Quelle: RP
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