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Leverkusen
Theaterstück über rechtsradikale Gewalt

Leverkusen: Theaterstück über rechtsradikale Gewalt
Das Junge Theater Leverkusen stimmt nachdenklich mit seinem Stück über rechtsradikale und fremdenfeindliche Gewalt. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Das Junge Theater Leverkusen bringt einen tatsächlichen Kriminalfall auf die Bühne. Die Handlung ist auf viele aktuelle Geschehnisse übertragbar. Es geht um Fremdenfeindlichkeit, rechtsradikale Gewalt und deren Verharmlosung. Von Monika Klein

Ein vergnüglicher Theaterabend wird das nicht: Die neueste Produktion des Jungen Theaters Leverkusen ist harte Kost. Erst recht, wenn man sich bewusst macht, dass die Realität die Vorlage für das Theaterstück "Der Kick" von Andres Veiel und Gesine Schmidt die Realität lieferte. Tatsächlich misshandelten und töteten die Brüder Marco und Marcel Schönfeld mit ihrem Kumpel Sebastian Fink den 16-jährigen Marinus Schöberl in der Nacht zum 13. Juni 2003 in einem Dorf in der Uckermark. Sie wurden zu unterschiedlich langen Haftstrafen verurteilt, die sie gerade abgesessen haben. Die Bausteine zum Drehbuch stammen aus originalen Gesprächs- und Verhörprotokollen mit den Brüdern Marco und Marcel, deren Eltern, der Mutter und Freunden des Opfers, der Staatsanwaltschaft und Bewohnern.

Die Zusammenstellung von deren Aussagen ergeben ein Bild von den Menschen im Dorf Potzlow, 60 Kilometer von Berlin entfernt. Mit jedem Beitrag wird dieses Bild schärfer und vielschichtiger. Da tun sich Abgründe auf, wenn rechtsradikales Gedankengut verharmlost wird. Wenn die Eltern der Haupttäter im Brustton der Überzeugung versichern, dass ihre Kinder eigentlich gute Jungs sind. Minuten zuvor hat Marcel genau beschrieben, mit welcher Brutalität er in seinen Springerstiefeln den Kopf des am Boden liegenden Marinus zertreten hat, so wie er es vorher in einem Gewaltvideo gesehen hatte. Es hätte in dieser Nacht auch einen anderen treffen können, so das Fazit der Staatsanwaltschaft, Marinus war zur falschen Zeit am falschen Ort. Als würde die Schuld der Täter dadurch gemindert, verweisen die Eltern auf das Sündenregister des Opfers, das so manchen Diebstahl begangen hat und sich am verhängnisvollen Abend als Jude geoutet hat.

Die fremdenfeindlichen Sätze von nahezu allen Beteiligten liegen schwer im Magen. Die Verknüpfung zur Gegenwart geschieht in den Köpfen: Dieses auf der Realität beruhende Theaterstück ist von erschreckender Aktualität. Nach fast zwei Stunden Daueranspannung ohne Pause fragen sich die Zuschauer, wo die Zeit geblieben ist. Und das liegt an der eindrucksvollen Regieführung von Petra Clemens, die ihre sieben Darsteller in eine Reihe setzt, auf gleiche Stühle und in der gleichen schwarz-weißen Grundkleidung. Mit einem zusätzlichen Kleidungsstück schlüpfen die Einzelnen in Rollen, die aber nicht festgelegt sind. Die Figuren werden von mehreren gespielt, was eine gewisse Übertragbarkeit ausdrückt. Für das Publikum ist immer klar erkennbar, wer gerade spricht, die Namen werden per Beamer auf die schwarze Wand projiziert.

Das verjüngte Ensemble des JTL hat mit dieser Produktion einen beachtlichen Bühneneinstand gegeben. Für Kim Biele, Mira-Belle Rose Bryld, David Martinez Morente, Nathalie Nölle, Marina Poltmann, Angelo Pojer und Christina Thießen war dies die erste Produktion im JTL. Ihnen gebührt Achtung.

Weitere Termine im Bunker Karlstraße 9a, 8., 9., 23. Mai , 20 Uhr; 10., 24., 31. Mai, 18 Uhr. Kartenbestellung unter Tel. 02171 949806

Quelle: RP
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