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Leverkusen
TMD: Umzug nach Essen ist verschoben

Leverkusen: TMD: Umzug nach Essen ist verschoben
FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leverkusen. In diesem Frühjahr sollten nach Ursprungsplan die ersten von 570 Mitarbeitern des Bremsbeläge-Herstellers, ehemals Textar, ins neue Leitwerk nach Essen umziehen. Noch laufen aber die Sozialplanverhandlungen mit dem Betriebsrat. Von Ludmilla Hauser

Die Tage von TMD Friction in Leverkusen - früher Textar - sind gezählt: Ende 2017 ist Schluss in der Fixheide. Bis dahin will der Bremsbelägehersteller komplett an den Standort in Essen umgezogen sein, den TMD für mehr als 50 Millionen Euro ausbauen will - so jedenfalls war der ursprüngliche Zeitplan. Mittlerweile ist offenbar klar: Der Umzug ist um ein Jahr verschoben.

Im Herbst 2014, als der japanische Mutterkonzern Nisshinbo das Großprojekt freigegeben hat, hatte TMD angekündigt, die 450 Mitarbeiter aus der Produktion und die 120 aus dem Technikum und angeschlossenen Bereichen mit nach Essen zu nehmen. "Unser Ziel ist es, alle Arbeitsplätze zu sichern. Jeder Betroffene in Leverkusen bekommt ein Jobangebot in Essen. Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben", hatte damals Manager Berthold Schlinge von der Geschäftsführung versprochen. "Mitarbeiter, die nicht mitgehen können, werden wir unterstützen, bis hier die Produktion ganz stillliegt", hatte er zugesagt.

Hauptgrund für die Verlagerung nach Essen: In der Fixheide gebe es keine Kapazitäten für einen Ausbau, in Essen stehen TMD in einem Industrieareal 100.000 Quadratmeter zur Verfügung. 45.000 davon für die Produktion - das Fünffache der Produktionsfläche in der Fixheide. Ein Umzug innerhalb Leverkusens, etwa in den Chempark, "wäre wesentlich teurer geworden", kommentierte Schlinge. Anlieferung, Lager, neue Mischerei, Fertigung und Versand sollen im Ruhrgebiet ineinandergreifen. "Wir erweitern das Werk insgesamt auf eine Kapazität von 65 Millionen Bremsbeläge", kündigte Schlinge damals an. Bisher stellt TMD in der Fixheide im Jahr 30 Millionen Beläge her, 18 Millionen in Essen.

Noch werden bei Textar in der Fixheide aber offenbar keine Umzugskartons gepackt, keine Büromöbel verladen und den Mitarbeitern die neuen Firmenadresse im Ruhrgebiet ausgehändigt. "Derzeit laufen noch Gespräche mit dem Betriebsrat. Wir sind noch in der Abklärungsphase", sagt ein Firmensprecher auf RP-Nachfrage.

Der Betriebsrat bestätigt auf RP-Anfrage: "Seit Ende vergangenen Jahres laufen die Interessens- und Sozialplanverhandlungen. Bevor das alles nicht steht, können Mitarbeiter nicht nach Essen umgezogen werden." Und: Mittlerweile sei der Starttermin in Essen vom 1. Januar 2018 auf den 1. Januar 2019 verschoben worden. Laut gewöhnlich gut informierten Unternehmenskreisen soll der Betriebsrat der TMD-Geschäftsführung ein Gegenkonzept vorgestellt haben, das vorsieht, Leverkusen und den zum Leitwerk ausgebauten Standort Essen zu erhalten. Dies sei aber nicht auf Gegenliebe auf der Manageretage gestoßen.

Für die Mitarbeiter bedeutet der Umzug wohl vor allem eines: lange Anfahrten zur Arbeit. Zwischen Leverkusen und Essen liegen rund 70 Kilometer. Teils kämen die Mitarbeiter in Leverkusen auch aus dem Umland, teils bis aus Bonn. Auf sie käme dann ein Anfahrtweg von bis zu 120 Kilometern zu. "Manche TMDler müssten gar erst einen Führerschein machen, um die Strecke bewältigen zu können. Das wird sehr schwierig für die", sagt ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte. "Was TMD derzeit macht, ist nicht sozial. An einem Job hängen doch komplette Familienschicksale dran", moniert er.

Von seinen Kollegen seien die meisten von einem Umzug nach Essen nicht begeistert. "Viele wollen lieber in Leverkusen bleiben. Sie können auch nicht verstehen, warum das Werk hier ohne Not stillgelegt werden soll."

Quelle: RP
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