| 00.00 Uhr

Leverkusen
Tod und Trauer aus Tabuzone geholt

Leverkusen: Tod und Trauer aus Tabuzone geholt
Die vielschichtige Arbeit des Hospizvereins wird dargestellt im Jubiläumsbild der Leverkusener Künstlerin Myria Stricker. FOTO: Hospizverein
Leverkusen. Vor 20 Jahren gründete sich der Verein Hospiz Leverkusen. 70 Ehrenamtler als Strebebegleiter im Einsatz. Von Monika Klein

Es hat sich einiges getan, seit der Hospiz-Verein vor 20 Jahren mit acht Gründungsmitgliedern und chronischer Finanznot startete. Tod, Sterben und Trauer waren damals Tabuthemen in einer dynamischen Gesellschaft. Heute wird Gisela Theis, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit, häufig angesprochen, wenn sie am Hospizstand in Fußgängerzonen steht. Zwei Mal pro Jahr erscheinen die Hospiz-Nachrichten mit vielen Informationen und Adressen.

Seit 2009 gibt es einen Rechtsanspruch auf Hospizversorgung, und die Vorsorgevollmacht muss umgesetzt werden. In England war man schon lange so weit. Das Londoner St. Christopher's Hospiz feiert in 2018 bereits das 50-Jährige. Leverkusener Vorstandsmitglieder sind kürzlich zum Jubiläum hingereist, um von der "Mutter" der Hospize zu lernen. Absolut vorbildlich sei schon die Homepage, schwärmt Gisela Theis. In Leverkusen suche man - neben Menschen für die Sterbe- und Trauerbegleitung - dringend jemanden, der die eigene Seite auf Vordermann bringt. Was sie einigermaßen überraschte, dass die Londoner die stationäre Versorgung wieder zurückbauten und in Zukunft stärker auf Hilfen durch Nachbarschaft, Gemeindekreise und ambulante Hilfen setzen. Auch weil sie sowohl bei den finanziellen als auch personellen Ressourcen an die Grenzen gelangt seien. Das habe sie zum Nachdenken gebracht, sagt Theis. Der Leverkusener Hospizverein arbeitet ohnehin nur ambulant, wenn auch Menschen ohne Angehörige in Altenheimen betreut werden. Mit dem geplanten stationären Hospiz in der Größenordnung von zwölf Plätzen hat der Verein nicht direkt zu tun. Und natürlich ist er mit 70 ausgebildeten ehrenamtlichen Sterbebegleitern viel kleiner aufgestellt als in der Metropole mit 1200 Freiwilligen.

Hauptaufgabe ist, genauso wie 1997, Menschen in ihren letzten Lebenswochen zu begleiten und die Angehörigen zu stärken. Auch nach dem Tod, denn die Trauerarbeit ist ein weiteres Arbeitsfeld, auch wenn man diese Leistungen nicht über die Krankenkasse abrechnen kann. Da muss die Finanzierung durch Spenden gesichert sein. Die Altersstruktur des Vereins ist gemischt und erstaunlich viele Ehrenamtliche seien noch voll berufstätig, erzählt Gisela Theis. Auch auf sie trifft das zu. Und sie findet es vorteilhaft, wenn Menschen ihre Erfahrungen und Kenntnisse an die Arbeitsstelle tragen. Als Multiplikatoren, die nicht selten um Rat gefragt werden, wenn in der Familie jemand lebensbedrohlich erkrankt ist. Überhaupt setzt man beim Hospiz auf möglichst frühzeitige Information, lange bevor ein Pflegefall eintritt. Dann ist die Zeit erfahrungsgemäß ohnehin knapp.

Kurse in "Letzte Hilfe" als Pendant zu "Erste Hilfe" bietet der Verband ambulant niedergelassener Ärzte APZ an. Die seien der Renner, so Theis. In Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk, in dessen Manforter Haus derzeit das Büro eingemietet ist, biete der Verein nun Basis-Schulungen in Sterbebegleitung für alle an. Wer sich danach für Hospiz-Mitarbeit entscheidet, kann einen Aufbaukurs anschließen. Solche Kurse flächendeckend einzurichten, sei ein Ziel für die Zukunft. Auch sollte es in allen Stadtteilen und auf allen Friedhöfen Trauer-Cafés geben. Ein Wunsch lautet: Angehörige sollten den Kontakt zum Hospiz früher suchen. In den letzten Wochen sei es mehrfach vorgekommen, dass die Patienten schon vor dem Erstkontakt verstorben waren. Und drei Besuche reichen nicht aus, um eine Beziehung aufzubauen. Außerdem erkennen die geschulten Sterbebegleiter, wo professionelle Hilfe benötigt wird, und sie können Kontakte vermitteln.

Den 20. Geburtstag feiert Hospiz Leverkusen am Sonntag, 19. November, um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der Wiesdorfer Christuskirche und einem Empfang.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leverkusen: Tod und Trauer aus Tabuzone geholt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.